Gruppe 47 Schriftsteller Nicolaus Sombart ist tot

Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der legendären Gruppe 47, wurde als "Weltgeist mit Seidenschal" tituliert. Jetzt ist der Schriftsteller und Kultursoziologe Nicolaus Sombart im Alter von 85 Jahren gestorben.


Berlin/Paris/Hamburg - Der 85-Jährige sei am Freitag in der Nähe von Straßburg gestorben, bestätigte der Verleger des Transit Buchverlages, Rainer Nitsche, Medienberichte vom Wochenende. Der Verlag hatte 2006 das letzte größere Werk von Sombart herausgebracht, "Rumänische Reise - Ins Land meiner Mutter".

Nicolaus Sombart, Sohn des weltberühmten Soziologen und Nationalökonomen Werner Sombart und einer rumänischen Professorentochter aus einem Grafengeschlecht, wurde 1923 in Berlin geboren, wo er auch aufwuchs. Einer seiner frühen Mentoren war der Staatsrechtler Carl Schmitt, der im Hause der Eltern ein und aus ging.

Während der NS-Zeit wurde Nicolaus Sombart zum Arbeitsdienst eingezogen, danach folgte der Wehrdienst in Frankreich, Deutschland und an der Ostfront. Nach dem Krieg kehrte er aus britischer Gefangenschaft heim nach Deutschland und studierte Soziologie, Philosophie und Staatswissenschaften in Heidelberg.

Bereits während seines Studiums schrieb er für die von dem Politikwissenschaftler Dolf Sternberger redigierte, einflussreiche Kulturzeitschrift "Wandlung" und den "Ruf" unter der Leitung von Alfred Andersch. Sombart und Andersch gehörten zu den Gründungsmitgliedern der legendären literarischen Gruppe 47. Bei der ersten Veranstaltung der Gruppe in Bannwaldsee las Sombart aus seinem Romandebüt "Capriccio No. 1. Des Wachsoldaten Irrungen und Untergang", in dem er seine Kriegserlebnisse verarbeitet hatte.

Privater literarischer Salon

1954 trat Sombart als Kultursoziologe in den Dienst des Europarates in Straßburg, wo er sich nach eigener Aussage "unter den staunenden Bürokraten" vorkam wie ein "Paradiesvogel". Rund dreißig Jahre arbeitete er für die europäische Sache, kehrte allerdings schon 1982 in seine Heimatstadt Berlin zurück; erst befristet als Fellow am neu gegründeten Wissenschaftskolleg, schließlich dauerhaft.

In den Folgejahren widmete sich Sombart wieder seiner schriftstellerischen Tätigkeit. "Jugend in Berlin 1933-43", sein bislang erfolgreichstes Buch, erschien 1983, im Jahr 1987 erschien die Aufsatzsammlung "Nachdenken über Deutschland", 1991 veröffentlichte er "Die deutschen Männer und ihre Feinde".

Zu seinem 80. Geburtstag erschien 2003 schließlich die literarische Burleske "Journal intime. Rückkehr nach Berlin 1982/83", das die Zeitung "Die Welt" als eine "Mischung aus Wissenschaft, Kulturkritik und Erotik" bezeichnete. Ebendiesen flamboyanten Salon-Intellektualismus lebte Sombart auch vor: Nach dem mütterlichen Vorbild eröffnete er als Erster in Berlin wieder einen privaten literarischen Salon, was ihm den charmanten Titel "Weltgeist mit Seidenschal" eintrug.

tdo/dpa



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