Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Der Literat Günter Grass: Besser erzählen und glaubhafter lügen

Von Stephan Lohr

Günter Grass bei einer Buchpräsentation 2006: Unumstritten war er nie Zur Großansicht
DPA

Günter Grass bei einer Buchpräsentation 2006: Unumstritten war er nie

Die Komik des Scheiterns war eines seiner Themen, er fabulierte ausufernd und wollte manchmal zu viel. Doch stets war Günter Grass' Prosa sprachlich virtuos und überragend rhythmisch geschrieben. Würdigung eines großen Schriftstellers.

Der Erzähler und Romancier Grass entpuppte sich zögernd, stand am Anfang doch der bildende Künstler mit Akademiestudium in Düsseldorf und West-Berlin. "Die Vorzüge der Windhühner" hieß 1956 sein erstes Buch, es versammelte Gedichte und Grafik.

Erst drei Jahre später war die künstlerische Selbstauseinandersetzung entschieden, 1959 erschien "Die Blechtrommel" und machte von Beginn an Furore.

Diese ungeheuerliche Geschichte vom kleinen Oskar, dessen Geschrei Scheiben zum Klirren bringt, die Erinnerung an Danzig, die Stadt deutsch-polnischer Interessen, die Bildhaftigkeit, mit der es dem 32-jährigen Autor gelang, Entstehen und Wirkung des deutschen Faschismus in Alltagsszenen nachempfindbar zu beschreiben, bis hin zum Beginn des westdeutschen Wirtschaftswunders, mit diesem Roman hatte Grass Maßstäbe gesetzt.

Es war neben den in diesen Jahren erscheinenden Titeln von Böll, Koeppen, Lenz und Walser vor allem die "Blechtrommel" von Grass, die der deutschen Nachkriegsliteratur nicht nur im eigenen Land, sondern rasch auch international Interesse und Renommee verschaffte.

Mit der frech-kühnen Novelle "Katz und Maus" und dem Roman "Hundejahre" blieb Grass der Topografie seiner Geburtsstadt Danzig treu. Bis heute erzählen die Bewohner dieser Stadt, wie sehr diese Texte und die heftigen Diskussionen um sie Teil der Identität der einstigen Hansestadt wurden.

Und Grass machte eine ihn prägende Erfahrung: "Mit der Veröffentlichung meiner ersten (...) Romane lernte ich früh, dass Bücher Anstoß erregen, Wut, Hass freisetzen können. Was aus Liebe dem eigenen Land zugemutet ward, wurde als Nestbeschmutzung gelesen. Seitdem gelte ich als umstritten."

Das Ausufernde, das obsessiv Sexuelle

Doch nicht nur diese Erfahrung teilte er dem Publikum seiner Nobelrede vor der schwedischen Akademie im Dezember 1999 mit, sondern er verriet auch seine gelesenen Vorbilder: "Ich komme, wie Sie lesend erfahren haben, aus der maurisch-spanischen Schule des pikaresken Romans. In ihr ist der Kampf gegen Windmühlenflügel ein durch die Jahrhunderte hindurch übertragbares Modell geblieben. Also lebt der Pikaro von der Komik des Scheiterns. Sein Witz pinkelt an die Säulen der Macht, sägt an deren Gestühl, weiß aber zugleich, dass er weder den Tempel zum Einsturz noch den Thron zum Kippen bringen wird." So sind es vor allem Rabelais' "überlebensgroßen Kerle Gargantua und Pantagruel", auf die sich Grass immer wieder beruft.

"Aus dem Tagebuch einer Schnecke" (1972) reflektiert die politischen Erfahrungen des Autors, der seine früh erworbene Prominenz der SPD zur Verfügung stellte. "Ilsebill salzte nach" leitete 1977 den großen Menschheitsgeschichte-Roman "Der Butt" ein. Diese grandiose Erzählung paraphrasiert das Grimmsche Märchen vom Fischer und seiner Frau, und wagt pikareske Elemente, indem der Autor auch vor der Erfindung der dreibrüstigen Frau nicht halt macht.

Grass ist die Erfahrung eines einhelligen literaturkritischen Urteils nie widerfahren, er blieb umstritten. Doch die Zahl seiner Leserinnen und Leser wuchs, "Der Butt" erreichte rasch eine Auflage von mehr als 300.000 Exemplaren und wurde in 24 Sprachen übersetzt.

Manchen hat eben das Ausufernde, das obsessiv Sexuelle der Grasschen Fantasie wenig gefallen, doch unbestritten war, dass Grass in seiner Wortakrobatik über alle Mittel sprachlicher Virtuosität verfügte.

Fortschrittsskeptiker in Fabulierlaune

Bis an sein Lebensende schrieb Grass mit dem Füllfederhalter in eine Kladde, tippte das Manuskript eigenhändig in eine mechanische Schreibmaschine, erst dieses von ihm dann noch einmal korrigierte Typoskript wurde dann vom Sekretariat und Verlag in die elektronische Textverarbeitung gegeben. Und: Die Rhythmik der Grass'schen Prosa stimmt, las sich der Autor doch seinen Text immer wieder selbst vor.

Jeder, der je Zeuge einer öffentlichen Lesung bei Grass sein konnte, schwärmt über die Leserhetorik dieses Autors, dem die Herkunft der Literatur aus der mündlichen Überlieferung verpflichtend blieb.

Neun Jahre später wagte Grass ein weiteres Mal die Beschwörung eines grandiosen Welttheaters, diesmal aus Sicht des titelgebenden Nagetiers "Die Rättin". Auch dieses Untergangsszenario verdankt sich der Fabulierlaune des fortschrittsskeptischen Autors, der sich poetisch wider die Verelendung der Welt stemmt und der "Rättin" schließlich sogar den Nobelpreis zuerkennt.

Die besten Roman-Anfänge von Günter Grass

Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt, mein Pfleger beobachtet mich, läßt mich kaum aus dem Auge; denn in der Tür ist ein Guckloch, und meines Pflegers Auge ist von jenem Braun, welches mich, den Blauäugigen, nicht durchschauen kann.

("Die Blechtrommel", 1959)

Die besten Roman-Anfänge von Günter Grass

... und einmal, als Mahlke schon schwimmen konnte, lagen wir neben dem Schlagballfeld im Gras. Ich hätte zum Zahnarzt gehen sollen, aber sie ließen mich nicht, weil ich als Tickspieler schwer zu ersetzen war. Mein Zahn lärmte. Eine Katze strich diagonal durch die Wiese und wurde nicht beworfen.

("Katz und Maus. Eine Novelle", 1961)

Die besten Roman-Anfänge von Günter Grass

Erzähl Du. Nein, erzählen Sie! Oder Du erzählst. Soll etwa der Schauspieler anfangen? Sollen die Scheuchen, alle durcheinander? oder wollen wir abwarten, bis sich die acht Planeten im Zeichen Wassermann geballt haben? Bitte, fangen Sie an! Schließlich hat Ihr Hund damals. Doch bevor mein Hund, hat schon Ihr Hund, und der Hund vom Hund. Einer muß anfangen: Du oder Er oder Sie oder Ich ...

("Hundejahre", 1963)

Die besten Roman-Anfänge von Günter Grass

Ilsebill salzte nach. Bevor gezeugt wurde, gab es Hammelschulter zu Bohnen und Birnen, weil Anfang Oktober. Beim Essen noch, mit vollem Mund sagte sie: "Wolln wir nun gleich ins Bett oder willst du mir vorher erzählen, wie unsre Geschichte wann wo begann?"

("Der Butt", 1977)

Die besten Roman-Anfänge von Günter Grass

Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben. Diese fing vor mehr als dreihundert Jahren an. Andere Geschichten auch. So lang rührt jede Geschichte her, die in Deutschland handelt.

("Das Treffen in Telgte. Eine Erzählung", 1979)

Die besten Roman-Anfänge von Günter Grass

Auf Weihnachten wünschte ich eine Ratte mir, hoffte ich doch auf Reizwörter für ein Gedicht, das von der Erziehung des Menschengeschlechts handelt. Eigentlich wollte ich über die See, meine baltische Pfütze schreiben; aber das Tier gewann. Mein Wunsch wurde erfüllt. Unterm Christbaum überraschte die Ratte mich.

("Die Rättin", 1986)

Die besten Roman-Anfänge von Günter Grass

Wir vom Archiv nannten ihn Fonty; nein, viele, die ihm über den Weg liefen, sagten: "Na, Fonty, wieder mal Post von Friedlaender? Und wie geht's dem Fräulein Tochter? Überall wird von Metes Hochzeit gemunkelt, nicht nur auf dem Prenzlberg. Ist das was dran, Fonty?"

("Ein weites Feld", 1995)

Die besten Roman-Anfänge von Günter Grass

"Warum erst jetzt?" sagte jemand, der nicht ich bin. Weil Mutter mir immer wieder... Weil ich wie damals, als der Schrei überm Wasser lag, schreien wollte, aber nicht konnte... Weil die Wahrheit kaum mehr als drei Zeilen... Weil jetzt erst... Noch haben die Wörter Schwierigkeiten mit mir.

("Im Krebsgang. Eine Novelle", 2002)

1979 widmete der Autor seine Erzählung "Das Treffen in Telgte" dem Gründer der Gruppe 47, Hans Werner Richter. Grass hat diese Gruppe, die ihm 1958 für die ersten Kapitel der im Entstehen begriffenen "Blechtrommel" ihren Preis verliehen hatte, immer sehr geschätzt. Ihm war der Austausch unter Kollegen wichtig. Lange nach dem Ende dieser legendären Gruppe hat Grass nach ähnlichem Modell zu Lübecker Autorentreffen eingeladen, zuletzt noch zu Beginn dieses Jahres.

Kollegialität und Konkurrenz sind denn auch die steuernden Motive der meisterlichen Erzählung, die ein Treffen im Jahre 1647 schildert und dazu einlädt, in der Charakterisierung der Barockautoren wie Gryphius oder Simon Dach oder Opitz die Kollegen jener Gruppe 300 Jahre später zu entschlüsseln. Auch dieser Text besticht durch seine Lust am historischen Verwirrspiel, dessen Protagonisten und deren Werke sich Grass in Monate langer Recherche in der Wolfenbütteler Bibliothek erarbeitet hatte.

Fotostrecke

12  Bilder
Literaturnobelpreisträger: Günter Grass gestorben
Zur Jahrhundert- und Jahrtausendwende steuerte Grass einen opulenten selbst illustrierten Band bei, der aus jedem Jahr des 20. Jahrhunderts eine historische Begebenheit zu einer Erzählung verdichtet: "Mein Jahrhundert" versammelt Szenen, die fiktive Treffen von Remarque und Jünger darstellen, an historische Boxkämpfe erinnern oder der eigenen Mutter nachrufen.

Dem Prozess der deutschen Vereinigung fühlte sich Grass in hohem Maße verpflichtet. War er es doch, der sich schon früh mit den Kolleginnen und Kollegen unter teils konspirativen Bedingungen in der DDR getroffen hatte und der immer wieder eine deutsche Nationalstiftung angemahnt hatte.

Literarisches Ergebnis seiner Beschäftigung mit dem europäischen Epochenwandel von 1989 war "Ein weites Feld". Eine Romandoppelkonstruktion, die den Zeitraum von 1848 bis 1990 in den Blick nimmt und darin eine veritable Fontane-Biografie schreibt wie die Geschichte seines Wiedergängers im 20. Jahrhundert, Fonty.

Erschrecken über Seite 127 im Zwiebelbuch

Vor allem diese Doppelkonstruktion verriet, dass Grass hier zu viel wollte. Mit "Beim Häuten der Zwiebel" begann Grass die Serie von drei autobiografisch angelegten Büchern im Jahre 2006, es folgten noch "Die Box" und "Grimms Wörter - Eine Liebeserklärung" (2010). Früher hatte Grass in vielen Interviews einer Autobiographie entschieden eine Absage erteilt.

Das Erstaunen schlug um in Erschrecken, als die Leser auf Seite 127 des Zwiebelbuchs erfuhren, dass Grass in den letzten Kriegsmonaten Angehöriger einer Einheit der Waffen SS gewesen war. Dieses biografische Detail gewann durch ungewöhnliche, der Prominenz geschuldete Skandalisierung ein unangemessenes Gewicht, war Grass seinerzeit doch gerade mal 17 Jahre alt. Allein, dass er dieses Detail, das wohl eine der Antriebsfedern seines Schreibens gewesen war, so lange beschwiegen hatte, nahmen ihm selbst gewogene Leser seines Werks übel.

Über diese Skandalisierung ging verloren, dass "Beim Häuten der Zwiebel" mit seiner Erinnerung an die Bedingungen und Motive beim Schreiben der "Blechtrommel" der eigentliche Schlussstein im literarischen Werk von Grass ist.

Manches nicht überzeugend gelungene Gedicht aus den letzten Lebensjahren vermag die Bedeutung des Autors Günter Grass als überragender Repräsentant deutschsprachiger Literatur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht zu schmälern.

Zum Tode von Günter Grass

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Was gesagt werden muss (Teil 2)
infrarot 13.04.2015
Warum schweige ich, verschweige zu lange, was offensichtlich ist und in Planspielen geübt wurde, an deren Ende als Überlebende wir allenfalls Fußnoten zu lesen haben? Es ist das behauptete Recht auf moralische Überlegenheit, die in dem von Dummheit und common sense regierten und mit allerlei Blödsinn beseelten Deutschvolk allerlei Beifall erregen könnte, eben weil in den Feuilletons der Gazetten jede Menge Unsinn verzapft wird. Doch warum untersagte ich mir, jenen Blechtrommler beim Namen zu nennen, der seit Jahren - und überhaupt nicht geheimgehalten - ein wachsend nörgelnd und grantelndes Potential verfügbar hielt aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung zugänglich war? Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes, dem sich mein Schweigen untergeordnet hat, empfinde ich zunehmend als unpassend und Zwang, der das Blöken von Schafen in Aussicht stellt, sobald er mißachtet wird; das Verdikt "Antiintellektualismus" ist geläufig. Jetzt aber, weil aus meinem Land, das von literarischen Ergüssen, die ohne Vergleich sind, Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird, wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch mit flinker Lippe als Gedenken deklariert, ständig neue Elogen auf jenen Lübecker Dichter zu erwarten sind, dessen Spezialität darin bestand, allesvernichtende Rechthaber-Verdikte dorthin lenken zu können, wo die Existenz einer einzigen abweichenden Meinung unterstellt wird, doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will, sage ich, was gesagt werden muß. Warum aber schwieg ich bislang? Weil ich meinte, meine Herkunft, die ja irgendwie mit linker Sozialisierung behaftet ist, verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit dem Grass, dem ich leider irgendwie verbunden bin und bleiben will, zuzumuten. Warum sage ich jetzt erst, auf der Höhe meiner Jahre und mit gar nicht letzter Tinte: Der Grass schrieb einen Großteil Blödsinn und versaute die ohnehin schon schwer erträgliche deutsche Literatur? Weil gesagt werden muß, was schon morgen zu spät sein könnte; auch weil wir - allesamt unverbesserlich moralische Sozis - Zulieferer weiterer rechthaberischer Ergüsse werden könnten, die voraussehbar sind, weshalb unsere Mitschuld durch keine der üblichen Ausreden zu tilgen wäre. Und zugegeben: ich schweige nicht mehr, weil ich der Heuchelei der Feuilletons von SZ, ZEIT und SPIEGEL überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen, es mögen sich viele vom Schweigen befreien, sämtliche Verursacher des gehobenen Geschwätzes zum Verzicht aufs Geseier und Geschwurbel auffordern und gleichfalls darauf bestehen, daß ein unbehinderter und klarer Blick sowohl auf das literarische Geschreibe als auch die schwarz-rot-gelbe Besoffenheit durch soetwas wie eine bodenständige Vernunft halbwegs zurechnungsfähiger Leute garantiert und betrieben wird. Nur so ist allen, dem abgehobenen Literaten und der spießigen Bildungsresistenz, mehr noch, allen Menschen, die in dieser vom Wahn okkupierten Region dicht bei dicht verfeindet leben und letztlich auch uns zu helfen.
2. Ein grosser Märchenerzähler war er
Gaussen 13.04.2015
Aber a Hund war er scho.
3. So geht's nicht
Bondurant 13.04.2015
bei aller Liebe: Dieses biografische Detail gewann durch ungewöhnliche, der Prominenz geschuldete Skandalisierung ein unangemessenes Gewicht, ... Das ist so nicht richtig. Das "unangemessene Gewicht" entstand vor allem dadurch, dass GG selbst schnell anderen ihre Nazi-Vergnangenheit vorwarf, um sie zu diskrditieren. Und eine - peinliche - Frage wird man nie beantworten können: wäre Grass der "Grass" geworden, wenn man seine Vergangenheit schon in den sechziger Jahren gekannt hätte?
4.
gathokata 13.04.2015
Ein Titan, ein Weltenverbessere soll er also gewesen sein? Und da ist sie wieder die HYBRIS der Narzissten und selbstverliebten, jeglichen anderen Menschen und Gedanken verachtend. Verlogen bis ins Mark, sich als Maßstab zu generieren und doch nur ein kleiner Mensch zu sein. Seine literarischen Erfolge waren doch nur der Zeit geschuldet indem er sich auf den herrschenden Mainstream mit einer billigen Prise "Alle gegen mich also alle gegen das Gute" gewürzt, stützte. Eine klassische und daher erfolgreiche Karriere. Pecunia non olet. Literarische Qualitäten als solche wurden in seinen Veröffentlichungen schon immer vermisst und nur durch sein politisches Engagement zur rechten Zeit und mit den gewünschten Inhalten sowie seiner moralische Selbstverliebtheit zugekleistert. Was wird bleiben? Ein unerträglicher Narzisst für den andere Menschen keinen Wert hatten und nur als Projektion seines eigenen moralischen Versagens herhalten mussten um von seinen eigenen jugendlichen, gewiss unfreiwilligen, Verstrickungen und dem Jahrzehnte langem verdrängen der persönlichen Geschichte für ihn erträglich zu gestalten. Eine zu tiefst tragische Figur, die es nicht verstanden hat, die eigene Geschichte wahrhaftig aufzuarbeiten und den einfachen und lukrativen Weg gegangen ist gegen andere zu wüten und sich über alle anderen zu erhöhen.
5. Seine viel zu lange, peinlich verschwiegene
EiligeIntuition 13.04.2015
Seine viel zu lange, peinlich verschwiegene Zugehörigkeit zur Waffen-SS und sein antisemitisches Gedicht "Was gesagt werden muss", http://www.tagesspiegel.de/meinung/provokantes-gedicht-guenter-grass-ein-kreis-schliesst-sich/6476602.html haben die Bedeutung eines der wichtigsten Nachkriegs-Autoren so überragender Meisterwerke von Blechtrommel, Katz und Maus über Hundejahre, bis zu Butt und Rättin erheblich „geschmälert“. Nicht nur seine literarische Glaubwürdigkeit hat der ständige Mahner damit ein beträchtliches Stück weit selbst demontiert. Es zeigt aber letztlich, dass auch ein Nobelpreisträger letzen Endes auch nur ein Mensch mit Fehlern und Schwächen ist. De mortibus nihil nisi bene. R.I.P.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: