Hamed Abdel-Samad Französischer Verlag zieht islamkritisches Buch zurück

Im September sollte in Frankreich das umstrittene Buch "Der islamische Faschismus" von Hamed Abdel-Samad erscheinen. Jetzt will der Verlag das Buch doch nicht veröffentlichen - aus Angst.

Hamed Abdel-Samad
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In Deutschland war das Buch "Der islamische Faschismus" des deutsch-ägyptischen Publizisten Hamed Abdel-Samad ein Bestseller. In Frankreich wird es aber nicht erscheinen. Der französische Verlag Piranha nimmt die für September geplante Veröffentlichung zurück.

In einer Pressemitteilung schreibt der Verlag, die Entscheidung stehe im Zusammenhang mit der Terrorattacke von Nizza. Man wolle nicht Wasser auf die Mühlen der extremen Rechten gießen. In dem soziopolitischen Klima, das derzeit in Frankreich herrsche, sei eine friedliche und vernünftige Diskussion über das Buch nicht möglich, heißt es in der Mitteilung. Und weiter: "Dies ist keine Form der Selbstzensur."

Das sieht Hamed Abdel-Samad anders. In einem Beitrag für den Blog "Die Achse des Guten" wirft er Piranha vor, sich der Einschüchterungstaktik der Islamisten zu beugen. Er schreibt: "Voltaire würde sich im Grabe umdrehen, wenn er erfahren würde, welches Verständnis von Toleranz und Meinungsfreiheit einige Kulturschaffende in seinem Land 230 Jahre nach seinem Tod haben!"

Abdel-Samad berichtet in seinem Beitrag, Verlagschef Jean-Marc Loubet habe ihm in einer E-Mail mitgeteilt, Grund für seine Entscheidung sei auch, dass die Konsequenzen für die Mitarbeiter seines Verlages potenziell tödlich sein könnten. Er befürchte einen ähnlichen Anschlag wie auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" und könne nicht für ihre Sicherheit garantieren.

Dieses Argument könne er nachvollziehen, schreibt Abdel-Samad, schließlich gehe es tatsächlich um Leben und Tod: "Ich kann nicht von jedem verlangen, das gleiche Risiko einzugehen, das ich mit meinen Büchern eingehe." Über Abdel-Samad wurde wegen seiner Thesen eine Todes-Fatwa verhängt.

Sein Buch "Der islamische Faschismus" stieß zwar auf große öffentliche Resonanz, in Fachkreisen aber auf ablehnende Kritik. Ihm wurde vorgeworfen, seine Thesen nicht wissenschaftlich zu untermauern und Geschichtsklitterung zu betreiben. Auch das Blog "Die Achse des Guten" steht für eine antiislamische Haltung.

kae/eth



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