Bestseller-Autorin von "Wer die Nachtigall stört" Harper Lee ist tot

Ein einziges Buch begründete ihren Weltruhm: 1960 veröffentlichte Harper Lee "Wer die Nachtigall stört", das wohl wichtigste Buch zum Thema Rassismus in den USA. Jetzt ist die Autorin im Alter von 89 Jahren gestorben.

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Die Schriftstellerin Harper Lee ist tot. Sie starb in Alabama, wo auch der Roman spielte, der sie berühmt machte: "To Kill a Mockingbird".

Das Buch erschien in den USA erstmals 1960 und war sofort ein enormer Verkaufserfolg. "Wer die Nachtigall stört", wie das Werk in der deutschen Übersetzung heißt, erzählt aus der Sicht des siebenjährigen Mädchens Louise "Scout" Finch vom Rassenhass im Süden der USA.

Scouts Vater, der Anwalt Atticus, setzt sich für einen Schwarzen ein, dem eine Vergewaltigung vorgeworfen wird. In der Verfilmung von Robert Mulligan spielte Gregory Peck den Juristen oscarwürdig. Auch der Roman wurde ausgezeichnet - mit dem Pulitzerpreis - und weltweit über 40 Millionen Mal verkauft.

In den USA gilt "Wer die Nachtigall stört" als eine Art Nationalroman. Eine Umfrage der Library of Congress ergab 1991, dass nur die Bibel als einflussreicheres Buch angesehen werde. Es wurde in über 40 Sprachen übersetzt, auch deutschen Schüler ist es oft als Unterrichtslektüre bekannt.

Aus dem SPIEGEL
Harper Lee kam 1926 in Monroeville im US-Bundesstaat Alabama als jüngstes von vier Kindern zur Welt. Ihr Vater war Rechtsanwalt und von 1926 bis 1932 State Senator in Alabama. Harper Lee studierte Jura, schrieb für die Studentenzeitung und entdeckte bei einem Studienaufenthalt in Oxford ihre Leidenschaft für die Literatur. Zurück in Alabama brach sie ihr Jurastudium ab, zog nach New York und arbeitete in einer Buchhandlung.

1957 legte Lee dem Verlag J.B. Lippincott ein Manuskript mit Kurzgeschichten über das Leben in den Südstaaten der Dreißigerjahre vor, das zwar nicht veröffentlicht wurde, aber in dem bereits einige der maßgeblichen Protagonisten ihres Romandebüts vorkamen.

Zweiter Roman nach einem halben Jahrhundert

Ein Kindheitsfreund von Harper Lee war der Schriftsteller Truman Capote, den sie bei seinen Recherchen in Kansas zu dessen Roman "In Cold Blood" (deutsch: "Kaltblütig") unterstützte.

Harper Lees "Go Set a Watchman"
Harper Lee war völlig überwältigt von dem überraschenden Ruhm, den sie als Erfolgsautorin von "To Kill a Mockingbird" erntete. Sie zog sich weitgehend aus dem Literaturbetrieb zurück. Gelegentlich veröffentlichte sie Artikel in Zeitschriften, lebte aber die folgenden Jahrzehnte zurückgezogen in New York.

Später kehrte sie in ihre Geburtsstadt Monroeville zurück. Seit einem Schlaganfall 2007 war sie verstärkt auf Hilfe angewiesen. Ihre ältere Schwester Alice, wie der Vater Rechtsanwältin, kümmerte sich bis kurz vor ihrem Tod 2014 um die finanziellen und rechtlichen Belange Lees.

2015 kam dann völlig überraschend die Nachricht, dass nach einem halben Jahrhundert ein zweiter Roman von Harper Lee erscheinen solle. "Go Set a Watchman", auch auf Deutsch mit "Gehe hin, stelle einen Wächter" biblisch betitelt, hatte Lee vor "Nachtigall" geschrieben, die Geschichte spielte aber rund 20 Jahre nach der Handlung ihres Erfolgsromans.

Um die Umstände der Veröffentlichung gab es einigen Wirbel, so war umstritten, wie stark der Einfluss der Autorin darauf war. Trotzdem wurde es zur literarischen Sensation, verkaufte sich millionenfach - und verstörte viele Fans, denn die Hauptfigur, der weise Rechtsanwalt Atticus, war auf einmal ein Rassist.

Am Freitag wurde Harper Lees Tod bekannt, sie wurde 89 Jahre alt.

feb/dpa



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