Professorin und Publizistin: DDR-Schriftstellerin Helga Königsdorf ist tot

Autorin Helga Königsdorf (1989 in Berlin): "Ich gehe unter Protest" Zur Großansicht
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Autorin Helga Königsdorf (1989 in Berlin): "Ich gehe unter Protest"

Sie war Mathematik-Professorin und eine der bekannten Schriftstellerinnen in der DDR. Jetzt ist die Autorin Helga Königsdorf nach langer Krankheit gestorben. 2002 hatte sie angekündigt: "Ich akzeptiere das Sterben nicht."

Berlin - Die Schriftstellerin Helga Königsdorf ist tot. Die 75-jährige Thüringerin erlag am Sonntag in einem Berliner Pflegeheim ihrer Parkinson-Erkrankung, wie der Aufbau-Verlag mitteilte. Die 1938 in Gera geborene Physikerin hatte in der DDR eine bemerkenswerte Karriere gemacht: zunächst als Professorin, später als umstrittene Publizistin.

Unter ihrem bürgerlichen Namen Helga Bunke hatte die promovierte Physikerin von 1961 bis 1990 am Mathematischen Institut der Akademie der Wissenschaften in der DDR gearbeitet. In Ost-Berlin leitete sie seit 1974 unter anderem eine Abteilung für Wahrscheinlichkeitsrechnung und Mathematische Statistik.

Erst mit 40 Jahren veröffentlichte sie ihren ersten Erzählband "Meine ungehörigen Träume", der für Aufsehen sorgte. Es folgten Romane wie "Im Schatten des Regenbogens" (1993) und "Die Entsorgung der Großmutter" (1997) sowie der Band "Über die unverzügliche Rettung der Welt" (1994).

"Ich gehe unter Protest"

In mehreren Essays setzte sich Königsdorf mit der DDR-Vergangenheit auseinander. Literaturkritiker lobten sie als "leise Stimme der Vernunft", andere warfen ihr im Umgang mit der DDR-Vergangenheit einen "weinerlich-sentimentalen Ton" vor. Für Königsdorf hatte Literatur die Aufgabe, den "kleinen Menschen in sein Recht zu setzen".

Neben Größen wie Christa Wolf, Brigitte Reimann und Maxie Wander gehörte Königsdorf in den siebziger und achtziger Jahren zu den Autorinnen in Ostdeutschland, die sich kritisch mit der viel gepriesenen "Gleichberechtigung" der Frauen im DDR-Sozialismus auseinandersetzten. 1990 gab sie ihren wissenschaftlichen Beruf als Professorin auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.

Ihre Memoiren wurden 2002 ihr letztes Buch. Immer wieder von Krankheitsschüben unterbrochen, hatte Königsdorf drei Jahre daran gearbeitet, und traute sich anschließend kein neues Projekt mehr zu. Mit ihrer Angst vor dem nahenden Tod ging sie von Anfang an offen um: In ihren Erinnerungen "Landschaft in wechselndem Licht" schrieb sie schon 2002: "Ich akzeptiere das Sterben nicht. Ich gehe unter Protest. Ich hätte so gerne gesehen, wie es weitergeht."

mxw/dpa

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