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Literaturkritiker und Schriftsteller: Hellmuth Karasek ist tot

Hellmuth Karasek: Ein Leben für die Literatur Fotos
DPA

Das "Literarische Quartett" machte Hellmuth Karasek einem breiten Publikum bekannt - doch in der Kultur-Szene war er da schon längst ein Star: 20 Jahre Ressortleiter beim SPIEGEL, Autor, Moderator. Nun ist er mit 81 Jahren gestorben.

Hellmuth Karasek ist tot. Der Literaturkritiker und Schriftsteller starb am Dienstag im Alter von 81 Jahren. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa und beruft sich dabei auf die Familie Karaseks.

Zwölf Jahre lang hatte er neben Marcel Reich-Ranicki die ZDF-Büchersendung "Das Literarische Quartett" geprägt. "Das Fernsehen hat mein Leben am meisten verändert", sagte Karasek einmal. Seitdem hätten die Menschen sein Gesicht gekannt - auch wenn sie ihn manchmal mit Literaturnobelpreisträger Günter Grass verwechselten, wie er sagte.

Geboren wurde Karasek am 4. Januar 1934 im tschechischen Brünn. Mit seiner Familie floh er im Zweiten Weltkrieg aus Oberschlesien nach Sachsen-Anhalt. Kurz zuvor hatte Karasek für einige Monate eine Eliteschule der Nationalsozialisten besucht.


Aus dem SPIEGEL-TV-Archiv: Sehen Sie hier Hellmuth Karasek im Gespräch mit Marcel Reich-Ranicki.


SPIEGEL TV (1996)

In Tübingen studierte Karasek Germanistik, Geschichte und Anglistik. Seine journalistische Laufbahn begann er 1960 bei der "Stuttgarter Zeitung". Er wurde dort Feuilletonchef und war zwischendurch Chefdramaturg des Württembergischen Staatstheaters. 1968 wechselte er als Theaterkritiker zu der Wochenzeitung "Die Zeit" in Hamburg.

Herzerwärmend und preisgekrönt

Von dort kam Karasek Mitte der Siebzigerjahre zum SPIEGEL und leitete mehr als 20 Jahre lang das Kulturresort. Seine Erfahrungen verarbeitete er später in seinem Debütroman "Das Magazin", der für viel Aufsehen sorgte.

Seine weiteren Bücher zeugten von dem breitgefächerten Interesses des Publizisten: So schrieb Karasek unter anderem eine Biographie über den Hollywood-Regisseur Billy Wilder, verarbeitete seine Jugend in der Wirtschaftswunderzeit in "Go West" und veröffentlichte 2006 den Bestseller "Süßer Vogel Jugend oder Der Abend wirft längere Schatten", in dem er sich den Problemen des Alterns widmet.

Von 1997 bis 2004 war Karasek Mitherausgeber des Berliner "Tagesspiegel", anschließend wechselte er zum Axel-Springer-Verlag. Immer wieder veröffentlichte Karasek Bücher, erst 2013 waren zwei neue Werke erschienen: "Auf Reisen. Wie ich mir Deutschland erlesen habe" und "Frauen sind auch nur Männer".

Karasek arbeitete zudem als Dramaturg, Moderator, Biograf und Theaterautor. Für sein Schaffen bekam er unter anderem den Theodor-Wolff-Preis und den Bayerischen Fernsehpreis. 1994 wurde er zudem mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Karasek war in zweiter Ehe verheiratet und Vater von vier Kindern.

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aar/dpa

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