Hemingway und Marlene "Ich verliebe mich in Dich, schlimm"

Er nannte sie "Kraut", sie nannte ihn "Papa": Zwischen dem US-Schriftsteller Ernest Hemingway und der Film-Ikone Marlene Dietrich gab es eine heiße Liebesaffäre - allerdings nur auf Papier, wie aus jetzt freigegebenen Briefen hervorgeht.

Von Axel Frohn


Es war eine Art Liebe auf den ersten Blick, als sich Ernest Hemingway und Marlene Dietrich 1934 bei einer Atlantiküberquerung auf dem französischen Luxusliner "Ile de France" kennenlernten. Der Großschriftsteller befand sich auf der Rückreise von einer Safari in Ostafrika über Paris nach Key West, die Filmikone kehrte zurück nach Hollywood von einer letzten Reise zu den Verwandten in Nazideutschland.

Schriftsteller Hemingway: Platonische Liebe dank "unsynchronisierter Leidenschaft"
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Schriftsteller Hemingway: Platonische Liebe dank "unsynchronisierter Leidenschaft"

Er nannte sie "Kraut”, sie nannte ihn "Papa", und sie blieben einander bis zu Hemingways Tod 1961 verbunden, doch eine Liebesaffäre entspann sich wohl nie. Diesen Eindruck vermitteln 30 Briefe und Telegramme Hemingways aus den Jahren 1949 bis 1961 an seine "liebste Marlene", die jetzt von der Kennedy Library in Boston freigegeben wurden. Dort liegt ein großer Teil des Hemingway-Nachlasses, zu dem auch die Briefe gehören, die "Papa” von Marlene erhielt. Die neu zugänglichen Schriftstücke sind die Gegenkorrespondenz Hemingways an die Dietrich. Ihre Tochter Maria Riva hat sie dem Präsidialarchiv vor einigen Jahren mit der Auflage gestiftet, sie bis jetzt, fünfzehn Jahre nach dem Tod der Mutter, unter Verschluss zu halten.

"Ich küsse Dich heftig", schrieb Hemingway am Ende einiger Briefe. "Ich verliebe mich in Dich, schlimm." Worauf Dietrich wiederholt versicherte: "Ich könnte Dich nicht mehr lieben, als ich es tue." Oder: "Ich werde Dich ewig lieben und länger”.

Dass es trotz der Liebesbeteuerungen wohl bei Freundschaft und intimer Kameraderie blieb und nicht im Bett endete, erklärte Hemingway mit ihrer "unsynchronisierten Leidenschaft". War er nicht verliebt, "dann war die Kraut tief in irgendeiner romantischen Verwicklung, und wenn Dietrich einmal an der Oberfläche schwamm mit diesen wundervollen suchenden Augen, dann war ich gerade untergetaucht.”

Doch auch unter Freunden ließ sich flirten. "Du bist so schön", schmeichelte Hemingway in einem Brief vom 19. Juni 1950, "dass sie von Dir drei Meter große Passfotos machen sollten. Was willst Du eigentlich wirklich im Leben erreichen? Jedermanns Herz brechen für einen Groschen? Meins kannst Du jederzeit für einen Fünfer brechen, und den Fünfer bringe ich noch mit."

Marlene lieben und der Ehefrau treu bleiben?

Allerdings gab es da noch Hemingways vierte Ehefrau Mary Welsh, die er 1946 geheiratet hatte und von der er Marlene vorprahlte: "Mary ist immer noch die beste Frau im Bett, die ich kenne. Aber ich bin ja nicht viel herumgekommen und im Grunde schüchtern.” Mary gehe es gut und sie lasse lieb grüßen. Im übrigen verfolge er gerade "ein großes Programm, Miss Mary treu zu sein, komme wer da wolle. Das lässt sich leicht einhalten mit dem einfachen System, sich die ganze Nacht zu lieben und daher automatisch für jeden anderen Frauenkonsum unbrauchbar zu sein."

Ende 1951 berichtete er Marlene aus der tropischen Hitze Kubas von den Fortschritten seines Romans "Der alte Mann und das Meer". "Ich bin um fünf oder sechs Uhr aufgestanden wegen der Kühle des Morgens und hab's drangegeben, wenn man nicht mehr weiterschreiben konnte, ohne das Papier durchzu-schwitzen. Ich habe nie besser gearbeitet und versucht, am Pool kühl zu bleiben, und habe Mary irgendwohin in Ferien geschickt, wo es kühl war. Es war zu heiß, um sich zu lieben, wenn Du Dir das vorstellen kannst, außer unter Wasser, und darin war ich nie besonders gut.”

Im selben Brief äußerte er sich abfällig über den insgeheim doch so sehr begehrten Nobelpreis, mit dem sein Rivale William Faulkner schon vor Jahren ausgezeichnet worden war. "Ich halte von Nobelpreisen nicht sehr viel. Sie geben dir das Geld; aber das Geld hätte ich beim Würfeln gewinnen können, und der Rest sind Kopfschmerzen und tausende von Briefen.”

Gab sich Hemingway in seiner Privatkorrespondenz auch gern krude, so schlug er in einem 1952 veröffentlichten Tribut an Marlene Dietrich nahezu lyrische Töne an. "Wenn sie nichts hätte außer ihrer Stimme, dann könnte sie dir damit das Herz brechen. Aber sie hat diesen schönen Körper und die zeitlose Schönheit ihres Gesichts. Es spielt keine Rolle, wie sie dir das Herz bricht, wenn sie nur da ist, um es zu heilen."



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