Krimiautor und Aktivist Henning Mankell ist tot

Der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Er hatte die weltberühmte Krimiserie um den Kommissar Kurt Wallander erfunden.

DPA

Seine Kriminalroman-Reihe um Kommissar Wallander wurde in über 40 Sprachen übersetzt - mit ihr etablierte sich der Schriftsteller Henning Mankell als erfolgreichster Schriftsteller Schwedens seit Strindberg. Jetzt ist er im Alter von 67 in Göteborg gestorben. Das teilte der Hanser Verlag mit.

Henning Mankell hatte öffentlich bekannt gegeben, an Lungenkrebs erkrankt zu sein. Erst kürzlich hatte er über seine Krankheit ein Buch veröffentlicht. In "Treibsand - Was es heißt, ein Mensch zu sein" schrieb er sehr persönlich über sein Leben nach der erschütternden Diagnose, die er Anfang 2014 erhalten hatte. In einer Kolumne für die Zeitung "Göteborgs Posten" schrieb er: "Ich höre Menschen sagen: 'falls' ich sterbe, aber zum Teufel, es heißt 'wenn' ich sterbe - der Tod ist das einzige, dessen wir uns ganz sicher sein können." Mankell war mit Eva Bergman, einer Tochter von Filmregisseur Ingmar Bergman, verheiratet. Aus zwei geschiedenen Ehen hatte er vier erwachsene Söhne.

Das erste, was er je geschrieben habe, sei ein einseitiger Aufsatz über Robinson Crusoe gewesen, verriet Mankell auf seiner Internetseite. "Das war der Moment, in dem ich Schriftsteller geworden bin." Bis zum Durchbruch des Richtersohns dauerte es noch etwas: Mit 15 Jahren verließ der 1948 geborene Mankell die Schule und heuerte als Matrose bei der Handelsmarine an. 1966 ließ er sich für anderthalb Jahre in Paris nieder, zwei Jahre später begann er, als Regieassistent am Reichstheater in Stockholm zu arbeiten. 1979 legte Mankell mit "Das Gefangenenlager, das verschwand" seinen ersten Roman vor.

Erst Anfang der Neunzigerjahre erschuf er in dem Thriller "Der Mörder ohne Gesicht" die Figur, die ihm den literarischen Durchbruch brachte: Kommissar Kurt Wallander, einen tendenziell schwermütigen Einzelgänger. "Wallander ist wie du und ich, er wandelt sich", sagte Mankell 1999 dem SPIEGEL. Von seinen Krimis über den Ermittler wurden viele auch verfilmt. In "Der Feind im Schatten" verabschiedete sich Mankell 2009 von dem weltberühmten Kommissar. Als Nachfolger schuf er die Figur des 37-jährigen Stefan Lindman, den er in seinem hochgelobten Roman "Die Rückkehr des Tanzlehrers" zwei Mordfälle in Nordschweden aufklären lässt.

Mankell lebte in Schweden und in Mosambik. Lebenslang pflegte er ein tiefes Interesse an Afrika, das er in Gesellschaftsromanen und Thrillern wie etwa dem Beststeller "Kennedys Gehirn" verarbeitete. Bekannt wurde zudem insbesondere der Afrikaroman "Der Chronist der Winde", in dem es um das schwarze Straßenkind Nelio geht, das von Sicherheitsleuten angeschossen wird und auf dem Dach eines desolaten Theaters sein Sterbelager findet.

Zudem engagierte sich der Autor gegen Armut und Analphabetismus in Afrika. "Ich brauche die Distanz, um über Schweden zu schreiben", erklärte der Autor und überzeugte Sozialist in einem Interview mit dem "Stern" 2000 sein afrikanisches Engagement, in der "Süddeutschen Zeitung" gab er mal an, dass Afrika ihn zum "besseren Europäer" mache.

Solidarisch zeigte sich Mankell mit den Palästinensern - für seine Haltung gegenüber Israel wurde er öffentlich teilweise stark kritisiert. Er gehörte 2010 zu den Passagieren einer sogenannten Gaza-Hilfsflotte, die israelische Soldaten mit einem blutigen Einsatz stoppten.

Laut Hanser Verlag wurde Mankells Werk in über vierzig Sprachen übersetzt, es umfasst etwa 40 Romane und zahlreiche Theaterstücke, seine Bücher erreichten eine Gesamtauflage von über 40 Millionen Exemplaren.

Im Video: Henning Mankell im Interview (15.06.2010)

eth/dpa/AFP



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