DDR-Schriftsteller Hermann Kant ist tot

Der Schriftsteller Hermann Kant ist im Alter von 90 Jahren in einem Krankenhaus in Mecklenburg-Vorpommern gestorben.


Hermann Kant ist tot. Der berühmte DDR-Schriftsteller starb im Alter von 90 Jahren in einem Krankenhaus in Mecklenburg-Vorpommern. Das bestätigte die Verlegerin Simone Barrientos vom Verlag Kulturmaschinen der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte die Zeitung "Neues Deutschland" den Tod Kants gemeldet.

Kant galt als einer der wichtigsten DDR-Schriftsteller und war ein einflussreicher Funktionär in der ostdeutschen Kulturszene. Seine Romane "Die Aula", "Das Impressum" und "Der Aufenthalt" erzielten in der DDR enorme Auflagen.

"Die Aula" aus dem Jahr 1965 wurde in 15 Sprachen übersetzt. Wegen seines Sprachwitzes zählte der Roman selbst im Westen teils zur Schullektüre.

Kant bekam unter anderem den Heinrich-Heine-Preis (1963), den Heinrich-Mann-Preis (1967) und den Nationalpreis der DDR (1973) verliehen.

1978 wurde Kant Chef des Schriftstellerverbandes der DDR, unter seiner Verantwortung wurden im Jahr 1979 Autoren wie Stefan Heym und Klaus Schlesinger ausgeschlossen.

Kant war ab 1981 SED-Abgeordneter in der DDR-Volkskammer, von 1986 an Mitglied im Zentralkomitee der SED. Mit dem Herbst 1989 endete seine politische Laufbahn, er schrieb weiter Romane.

In einem Interview mit dem SPIEGEL antwortete er vor einigen Monaten auf die Frage, ob er 1990 als persönliche Niederlage erlebt habe:

"Das war nicht auf den Augenblick beschränkt. Sehen Sie mal, ich muss noch einmal betonen, obwohl Ihnen das sicher nicht unbekannt ist, ich war ein überzeugter Erbauer der DDR, ich wollte die. Ich wollte sie zwar nicht so, wie sie dann geworden ist, aber ich wollte einen Sieg. Das alte Deutschland wollte ich nicht mehr. Es ist auch wahr, es war viel nicht in Ordnung, aber das war eben erreicht. So, und nun kam diese Geschichte, die für mich eine Rückkehr war in alte Verhältnisse, von denen ich gemeint hatte, die liegen nun hinter uns."

Kant kam am 14. Juni 1926 in Hamburg zur Welt, als Sohn eines Gärtners und einer Fabrikarbeiterin. 1940 zogen seine Eltern mit ihm nach Parchim in Mecklenburg. Laut dem Munzinger-Archiv machte Kant nach der Volksschule eine Elektrikerlehre, leistete ab Dezember 1944 Kriegsdienst und war vier Jahre in polnischer Gefangenschaft.

Nach der Rückkehr begann er 1949 einen Kurs an der Greifswalder Arbeiter- und Bauernfakultät, der ihm das Abitur ermöglichte. Anschließend studierte er Germanistik an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin, arbeitete als Redakteur und begann seine Laufbahn als Schriftsteller 1962 mit der Veröffentlichung des Erzählbandes "Ein bisschen Südsee".

hut/dpa



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