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HipHop-Hochstapler Gavin Bain Sex and Drugs and Lügerei

Gavin Bain: Der Rap-Hochstapler
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Gavin Bain / Heyne

2. Teil: Zertrümmerte Träume und Magengeschwür

Also blieben Gavin und Bill bei der Lüge und nahmen in immer verdrehteren Winkelzügen Musik für drei Alben auf, brachten aber letztlich nicht mal eine einzige Single heraus. Sie tourten mit Eminem und seiner Crew D12, sie trafen Madonna, sie verhandelten über eine eigene Fernsehshow - doch spätestens als Sony Music mit der Konkurrenzfirma BMG fusionierte und viele Labelmitarbeiter aussortiert wurden, waren Silibil N' Brains eine Art Phantom geworden.

Unterdessen litt auch die Freundschaft der beiden Pseudo-Amerikaner - "Es war, als wäre man mit seiner Freundin zusammengezogen zu einer Zeit, in der beide unter höllischem Druck stehen. Das konnte nicht funktionieren", sagt Gavin Bain - und eines Tages, im Juni 2005, war Bill einfach aus der gemeinsamen Wohnung verschwunden; er war zurück in Dundee, wieder mit seiner alten Freundin zusammen, die bald darauf ein Kind erwartete. Gavin blieb zurück in London mit den Trümmern seines Traums - und mit einem schweren Magengeschwür. Im August 2006 sah er im Fernsehen einen triumphalen Auftritt der Band Muse, deren Bassist doch ein paar Jahre zuvor ihnen einen triumphalen Erfolg prophezeit hatte. Gavin nahm zu viele Tabletten und brach zusammen.

Sehnsucht nach dem völlig anderen Leben

Mit dieser Szene beginnt das Buch, das Gavin Bain über diese irren fünf Jahre seines Lebens geschrieben hat. Unter dem Titel "Fake. Fast der größte Coup der Musikgeschichte" ist es nun auch auf Deutsch erschienen; eine komische und emotionale Berg-und-Tal-Fahrt mit sicherem Timing und einer Tragik, die mit anrührendem Stolz geschildert wird. Gavin Bain sagt, er habe schon seit langem geschrieben und spiele mit dem Gedanken, einen Roman zu schreiben. Doch es wird ihm schwer fallen, mit einem fiktiven Stoff diese wahre Geschichte zu toppen. Die Filmrechte waren schon verkauft, bevor das Buch in Großbritannien überhaupt erschienen war; das Drehbuch hat Irvine Welsh ("Trainspotting") geschrieben - "das vielleicht Lustigste, was ich je gelesen habe", sagt Bain, der andeutet, man hoffe auf Danny Boyle ("Slumdog Millionaire") als Regisseur.

Vieles spricht dafür, dass die Verfilmung von Gavin Bains Autobiografie ein Hit werden könnte. Der auf den ersten Blick so einzigartigen Geschichte liegt eine allgemeine Sehnsucht zugrunde: Der Wunsch, jemand anderes zu sein, ein völlig anderes Leben zu führen - ein Traum, der vom Hochstapler Felix Krull ebenso gehegt wurde wie von denjenigen, die die virtuelle Welt des "Second Life" zum kurzen, aber heftigen Hype machten.

Doch für Gavin Bain war das weder Literatur noch Computerspielerei, sondern eben das echte Leben. Und er sagt: "Ich kann es nicht empfehlen. Wenn man sich selbst nicht gut kennt, wird es sehr gefährlich. Die Grenze zwischen dir selbst und deiner Kunstfigur verwischt." Bill und er waren erst Anfang zwanzig, in einem Alter also, in dem man sowieso experimentiert mit seiner neuen, erwachsenen Identität - doch eine einmal erfundene Kunstfigur ist fix, lässt wenig Raum für Persönlichkeitsentwicklung. "Was ich gelernt habe, ist: Ich war noch so jung, warum hatte ich es so eilig, jemand Größeres zu sein als ich bin? Wo ich doch noch alle Zeit der Welt hatte, jemand Großartiges zu werden."

Dass "eine großartige Freundschaft ruiniert" wurde, ist für Gavin Bain das Traurigste an seiner Geschichte. "Unser Verhältnis zueinander ist seither nicht wirklich wieder besser geworden", sagt er - das Okay für die Buchveröffentlichung holte er über gemeinsame Bekannte ein. "Immerhin sind wir jetzt Freunde bei Facebook - besser wird's wohl nicht werden."

Die Musik gab Gavin Bain nicht auf: Nach dem Ende von Silibil N' Brains gründete er eine neue Band namens Hopeless Heroic, auf die er sehr stolz ist: "Punk-Rock gemischt mit HipHop und Geigen - phänomenal". Es war ein Auftritt von Hopeless Heroic zur Unterstützung eines schwer erkrankten Freundes, bei dem Gavin Bain sich zurückverwandelte: "Wir sind Hopeless Heroic", kündigte er mit seinem Heimatakzent die Band an: "Ich heiße Gavin Bain, und ich bin nicht aus den Staaten, sondern Schotte." Eine der schwierigsten Nächte seines Lebens, sagt er, aber auch eine Befreiung.

Und für manche eine Enttäuschung. Eine Frau, die er gut kannte, habe sich nach dem Konzert neben ihn an die Bar gesetzt und ihn lange Zeit von der Seite angeschaut. "Irgendwann sagte sie: 'Meine Güte, Brains war der lustigste Typ, den ich je getroffen habe. Und nun bist du einfach irgendein Typ.' Das war schwierig. Aber irgendwann wurde mir klar: Der lustige Typ war ja ich. Nur eben: Ich, der sich um nichts Gedanken macht."

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insgesamt 3 Beiträge
Zephira 30.08.2010
Die besten Geschichten schreibt eben immer noch das Leben. Danke für diesen spannenden Artikel!
Die besten Geschichten schreibt eben immer noch das Leben. Danke für diesen spannenden Artikel!
aug apfel 30.08.2010
also versteh ich das richtig...sie waren richtig gut, tourten, hatten Erfolg, einen Plattendeal mit einem Label,3 Cds aufgenommen, und all das drohte zu scheitern wenn herausgekommen wäre dass sie Schotten und keine Amis waren?
also versteh ich das richtig...sie waren richtig gut, tourten, hatten Erfolg, einen Plattendeal mit einem Label,3 Cds aufgenommen, und all das drohte zu scheitern wenn herausgekommen wäre dass sie Schotten und keine Amis waren?
Zephira 30.08.2010
Ja, das hätte die Kunstfigur als solche entlarvt.
Zitat von aug apfelalso versteh ich das richtig...sie waren richtig gut, tourten, hatten Erfolg, einen Plattendeal mit einem Label,3 Cds aufgenommen, und all das drohte zu scheitern wenn herausgekommen wäre dass sie Schotten und keine Amis waren?
Ja, das hätte die Kunstfigur als solche entlarvt.
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Gavin Bain:
Fake.
Fast der größte Coup der Musikgeschichte.

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