Katholische Mediengruppe Weltbild nimmt schwule Literatur aus Programm

Homosexuelle Blogger wittern eine "Säuberungsaktion": Die katholische Mediengruppe Weltbild nimmt einen Verlag für schwule Literatur aus dem Programm. Das Unternehmen wiegelt ab.


Augsburg/Hamburg - Wegen erotischer und esoterischer Bücher in ihrem Angebot ist die Augsburger Weltbild-Gruppe ins Gerede geraten. Aufgrunddessen beschloss die katholische Kirche vor einem Jahr, das Unternehmen in eine Stiftung umzuwandeln. Jetzt traf der Verlag eine umstrittene Entscheidung: Weltbild nimmt die Bücher von Icon Empire Press aus dem Programm - eines kanadischen Verlags für schwule Literatur.

Das homosexuelle Blog und Nachrichtenportal queer.de läuft Sturm und wittert in der Entscheidung eine "Säuberungsaktion". Weltbild hingegen wiegelt ab: "Wir bedauern es, wenn durch unsere Auswahl ein falscher Eindruck entsteht", erklärte die Augsburger Verlagsgruppe auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE in einer Mitteilung. "Wir bitten aber um Verständnis, dass wir uns wie andere Buchhändler auch vorbehalten, einzelne Titel und Verlage aus unterschiedlichsten Gründen nicht zu führen." Eine Verlagssprecherin lehnte auf Nachfrage jedes weitere Statement ab.

Dem Verlag Icon Empire Press gegenüber rechtfertigte die Weltbild-Gruppe ihre Entscheidung hingegen mit deutlichen Worten: "Als eine Firma, die der katholischen Kirche in Deutschland gehört, widmet sich unsere Leitung eher traditionellen Werten", heißt es in einer Mail von Weltbild an den kanadischen Verlag. Icon Empire Press reagierte enttäuscht auf die Nachricht: "Wir halten das für Heuchelei", sagte ein Verlagssprecher zu SPIEGEL ONLINE. Icon Empire Press publiziere schwule Themen, fügte der Sprecher hinzu, nicht aber erotische Titel, wie Weltbild sie im Angebot habe.

Weltbild war im Oktober 2011 nach einem Bericht des Fachmagazins "buchreport" in die Schlagzeilen geraten: Demnach waren bei Weltbild unter dem Stichwort Erotik mehr als 2500 Titel zu finden.

bos



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Percy P.Percival 12.06.2013
1. Was soll die Aufregung?
Zitat von sysopHomosexuelle Blogger wittern eine "Säuberungsaktion": Die katholische Mediengruppe Weltbild nimmt einen Verlag für schwule Literatur aus dem Programm. Das Unternehmen wiegelt ab. Icon Empire Press: Weltbild kündigt Verlag für schwule Literatur - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/literatur/icon-empire-press-weltbild-kuendigt-verlag-fuer-schwule-literatur-a-905312.html)
Machen die Grünen Werbung für Atomkraft, die FDP für Steuererhöhungen, Bioland für GMO, die Linkspartei für freien Wettbewerb? Selbstverständlich nicht, also warum soll ein christlicher Verlag Literatur führen, die dem christlichen Weltbild nicht entspricht?
lexbarker 12.06.2013
2. Warum führt dieser
achso moralische Verlag dann Bücher wie die Sadomasobestseller "Fifty Shades of Grey" oder gehört lustvolles unterdrücken/schlagen/geschlagen werden etc. doch zum katholischen Weltbild?
musikimohr 12.06.2013
3. Ist schon in Ordnung, dass eine rechtsstaatliche, freiheitliche Presse die
Die Ausgrenzung von Homosexuellen führt immer wieder weltweit zu Gewaltexzessen von homophoben Menschen. Ganz zu schweigen von dem stillen Leid der Homosexuellen, bis hin zu Depressionen und Suizid. Dabei sind seit Jahrmillionen 3,33 % aller Säugetiere homosexuell. Und es ist nicht ansteckend. Ist schon gut und in Ordnung, dass eine rechtsstaatliche, freiheitliche Presse diese "Selbstbeschränkung" der selbsternannten "Christen" und selbsternannten "Katholiken" ("allumfassende, einzige Kirche") publik macht. Für begeht eine Buchhandlung und/oder ein Buchverlag einen Verrat "am Buch", einem bürgerlichen Symbol von geistiger Autonomie und Freiheit und einem Symbol der eigenen Religion, wenn bestimmte Bücher unterdrückt werden. Mich überkommt deswegen immer ein wenig Übelkeit, wenn ich die Buchhandlungen von "Weltbild" betrete: Ich rieche Zensur dort, aus allen Ecken. Auch Lug und Trug, denn was ist das für ein "Weltbild", wenn ich meine, es zensieren zu müssen? Jedenfalls keine Abbildung der Wirklichkeit.
frunabulax 12.06.2013
4.
Zitat von Percy P.PercivalMachen die Grünen Werbung für Atomkraft, die FDP für Steuererhöhungen, Bioland für GMO, die Linkspartei für freien Wettbewerb? Selbstverständlich nicht, also warum soll ein christlicher Verlag Literatur führen, die dem christlichen Weltbild nicht entspricht?
Na, dann sollte sich der Laden wenigstens "Katholisches Weltbild" nennen. Dann weiß jeder, dass es sich nicht um einen normalen Buchladen handelt. Bei den von Ihnen genannten Beispielen sind die Namen ja auch aussagekräftig.
dröhnbüdel 12.06.2013
5. Schluss mit lustig
Für mich kann die Entscheidung des Verlags nur eine Konsequenz haben: Ende der Kontakte zu Weltbild. Ich bin nicht schwul und interessiere mich nicht für schwule Literatur. Doch wenn ein Verlag mir vorschreiben will, was ich lesen darf und was nicht, ist für mich ein für allemal Schluss mit lustig.
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