Ingeborg-Bachmann-Preis Haider entzieht die Finanzierung

Einen Tag, nachdem die Erben Ingeborg Bachmanns verboten haben, den Namen "Ingeborg-Bachmann-Preis" zu verwenden, nannte der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider den Literaturwettbewerb eine "totgelaufene und sterile Veranstaltung", deren Nutzen für Kärnten und Österreich den betriebenen Aufwand nicht rechtfertige.

Von Birgit Lutz


Jörg Haider
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Jörg Haider

Klagenfurt - Haider, der auch das Kärntner Kulturressort leitet, hatte erklärt, dem Literaturwettbewerb die Landesfinanzierung zu entziehen. Der Beschluss, die bisher zur Verfügung gestellten 120.000 Schilling in einen "attraktiveren Wettbewerb für den Nachwuchs" zu investieren, sei bereits vor einem Monat gefallen. In dem Verbot der Geschwister Ingeborg Bachmanns an die Veranstalter, den Namen der bedeutenden Dichterin weiter im Titel zu führen, sehe er lediglich eine Reaktion auf die Absage Kärntens.

Nach Angaben von Doris Moser, die vom ORF mit der Organisation des Literaturwettbewerbs betraut ist, wussten von dieser Entscheidung bislang allerdings weder die Veranstalter noch Ingeborg Bachmanns Erben. Moser im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Ich weiß nicht, wo er das angekündigt hat, bei uns nicht und bei keinem der beteiligten Veranstalter."

Über die Zukunft des Ingeborg-Bachmann-Preises kann Moser nichts sagen. "Wir werden morgen mit den Erben sprechen. Die gesamte Sachlage hat sich mit der Äußerung Haiders verändert, und wir möchten dem Gespräch mit den Geschwistern nicht vorgreifen." Der nächste Lesewettbewerb sollte ursprünglich vom 28. Juni bis zum 2. Juli in Ingeborg Bachmanns Geburtsstadt stattfinden.

Sowohl die Stadt Klagenfurt als auch das ORF-Landesstudio Kärnten als gemeinsame Veranstalter des jährlichen Wettbewerbs wollen sich aber für die Erhaltung "dieser wichtigen Plattform der deutschsprachigen Literatur als Forum des freien Worts" einsetzen, hieß es.

Das Land Kärnten hat den Wettbewerb, der 1976 ins Leben gerufen wurde, seit 1985 mit dem Kärntner Landespreis in Höhe von zuletzt 120.000 Schilling (über 17.000 Mark) unterstützt. Die Auszeichnung ist einer von vier Preisen, die im Rahmen des Literaturwettbewerbs vergeben werden.

Die Geschwister Ingeborg Bachmanns, Isolde Moser und Heinz Bachmann, hatten aus Protest gegen die neue Regierung in Österreich die Verwendung der Bezeichnung "Ingeborg-Bachmann-Preis" bis auf weiteres untersagt. Das Verbot gelte so lange, "bis wir davon ausgehen können, dass die Politik in diesem Lande nicht mehr beschämend sein wird und sich ihrer, der Weltliteratur zugehörenden Autorin, würdig erweist", hieß es in der Mitteilung der Familie.



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