Offener Brief an Kulturstaatsministerin Grütters ILB will als "Berlinale der Literatur" gefördert werden

Mehr als 200 Schriftsteller aus aller Welt, darunter vier Nobelpreisträger, unterstützen die Forderung des Internationalen Literaturfestivals Berlin, nach 16 Jahren Bestehen institutionell gefördert zu werden.

Lesetisch mit Publikum beim Literaturfestival
Hartwig Klappert

Lesetisch mit Publikum beim Literaturfestival


Die Liste der Unterzeichnenden ist stattlich, mehr als 200 Schriftsteller, darunter so bekannte Namen wie Wolf Biermann, Jeffrey Eugenides, David Grossman, Daniel Kehlmann oder Salman Rushdie. Gekrönt wird sie durch die Unterstützung von gleich vier Literatur-Nobelpreisträgern: Wole Soyinka (Nigeria, 1986), J.M. Coetzee (Südafrika, 2003), Elfriede Jelinek (Österreich, 2004) und Mario Vargas Llosa (Peru, 2010). Und ein Großteil von ihnen hat bereits selbst gelesen bei der Veranstaltung, die sie nun unterstützen: beim Internationalen Literaturfestival Berlin (ILB).

Der Leiter des Festivals, Ulrich Schreiber, der auch 2001 sein Gründer war, hat sein Adressbuch abgearbeitet, um seiner Forderung nach regelmäßiger Förderung durch den Bund zusätzliche Kraft zu verleihen. Schreiber äußerte sie in einem Offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), der dieser zum Wochenende zuging.

Die Unterzeichnenden äußern darin ihre "große Sorge um eines der renommiertesten Literaturfestivals der Welt". Unter anderem die Internationalität, die Akzentuierung politischer Themen und der genreübergreifende Charakter des Festivals werden hervorgehoben.

Allerdings fragt sich Briefautor Schreiber, wie es sein könne, "dass das ILB auch 16 Jahre nach seiner Gründung immer noch nicht durch den Bund institutionalisiert wurde und also immer noch im Status des Projekts verharrt", also jedes Jahr von neuem eine Basisfinanzierung aus dem Hauptstadtkulturfonds beantragen muss. Zudem beklagen Schreiber und seine Mitunterzeichner, dass diese "sicher dankenswerte Basisfinanzierung seit 15 Jahren gleichbleibend ist" - nämlich bei 350.000 Euro -, während sich alles seither enorm verteuert habe.

Förderung analog zur Berlinale

Staatsministerin Grütters selbst habe das ILB "wie viele andere als 'Berlinale der Literatur' bezeichnet". Dennoch sei in ihrer fast vierjährigen Amtszeit nichts geschehen. "Im Interesse der Literatur und Ihres Landes bitten wir Sie, unserem Vorschlag zu folgen, das ILB zu institutionalisieren und eine ihm entsprechende Förderung fortan zukommen zu lassen", schließt der Brief.

Offenbar wünscht sich Schreiber eine Basisförderung in Höhe von 700.000 Euro und eine Institutionalisierung des Festivals etwa im Rahmen der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB), die die Internationalen Filmfestspiele Berlin, die Berliner Festspiele inklusive Martin-Gropius-Bau und das Haus der Kulturen der Welt verwalten, ist aber auch für andere Modelle offen. Die KBB wurde aus dem Etat der Kulturstaatsministerin mit zuletzt gut 37 Millionen Euro unterstützt. Schreiber wäre aber auch für andere Modelle offen.

Allerdings ist das Berliner Festival bei Weitem nicht das einzige große Literaturfestival in Deutschland. Das Literaturfest München wird beispielsweise durch die bayerische Staatsregierung gefördert, beim Harbour Front in Hamburg unterstützen die Kulturbehörde und ein privater Mäzen, und die Lit.Cologne in Köln kommt weitgehend ohne öffentliche Förderung aus, finanziert sich vor allem durch Sponsoren.

Dagegen führt Schreiber im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE die programmatische Qualität, die Internationalität, den programmatischen Reichtum und die internationale Ausstrahlung des Berliner Festivals ins Feld. Zudem dürfe man nicht vergessen, dass die literarische Infrastruktur beispielsweise in Köln deutlich schwächer ausgebildet sei als in der Hauptstadt, wo alleine fünf literarische Institutionen durch die Stadt gefördert werden.

feb

Mehr zum Thema
Newsletter
Bücher: Bestseller und Lesetipps


insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sarkasmis 01.05.2017
1. Was tragen den die Forderer bei?
Geben sie nur ihren Namen und ihre Unterschrift für diese Projekt der Postenschaffung her oder geben sie auch eigenes Geld statt immer nur die Hand bei Vatter Staat aufzuhalten. Es gibt in Deutschland extrem viel Kunstförderung. Vielleicht zu viel. Geld hilft der Kreativität nicht unbedingt und umgekehrt haben auch in der Vergangenheit Künstler unter den prekärsten Bedinungen großartiges geleistet.
Pfaffenwinkel 01.05.2017
2. Schreiber
hat recht mit seiner Forderung. Er sollte sich gerade jetzt im Wahlkampf damit an die richtigen Politiker wenden und immer wieder die Medien einschalten.
mo.lindt 01.05.2017
3. bitte nicht ...
Als ob es nicht genügend Literaturpreise gäbe, die unsere Literatur fördert. Und wer fragt die Leser eigentlich mal? Gibt es einen Bedarf für diese Literatur? Ich glaube kaum.
derboesewolfzdf 01.05.2017
4. warum....
bezahlen nicht die Künstler,Nobelpreisträger, ect. die Kosten für die Show? Die oben genannten sind allesamt reich und könnten sich doch ihr eigenes Festival gönnen. 350000€ jedes Jahr und das Geld reicht nicht? Heißt das etwa, dass die Literaten allesamt dafür bezahlt werden, dass sie dort ihre Bücher promoten können? Aber na ja, es ist aber noch niemand reicht geworden, in dem er Geld ausgegeben hat......
hartwig2 03.05.2017
5.
Zitat von derboesewolfzdfbezahlen nicht die Künstler,Nobelpreisträger, ect. die Kosten für die Show? Die oben genannten sind allesamt reich und könnten sich doch ihr eigenes Festival gönnen. 350000€ jedes Jahr und das Geld reicht nicht? Heißt das etwa, dass die Literaten allesamt dafür bezahlt werden, dass sie dort ihre Bücher promoten können? Aber na ja, es ist aber noch niemand reicht geworden, in dem er Geld ausgegeben hat......
Natürlich hätten die 200 Autoren , die diese Förderung Forderung unterschrieben haben, selbst dieses Event finanzieren können, aber das Geld von Omas kleiner Rente ist doch einfacher. Unter diesem Gesichtspunkt sollten viele Kulturförderungen auf den Prüfstand gestellt werden. Ich erlebe es immer bei der "bildenden Kunst" , da sind auch die , die es bezahlen dürfen, quasi ausgeschlossen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.