Interview mit Amanda Hocking: "Die meisten verstehen nicht, was ich tue"

Einen Verlag für ihre Vampirromane fand sie nicht, also veröffentlichte Amanda Hocking sie als E-Books. Zehn Monate später ist sie Millionärin. Wie  das passiert ist, weiß sie selbst nicht so genau, sagt die 26-jährige Amerikanerin im SPIEGEL-ONLINE-Interview.

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E-Book-Millionensellerin Hocking: "Ein instant success war das für mich nicht"

SPIEGEL ONLINE: Frau Hocking, angeblich sind Sie die erfolgreichste E-Book-Autorin der Welt, mit über 100.000 Verkäufen pro Monat. Ist das so?

Hocking: Ja und Nein. Ich habe meine Bücher ja erst im April 2010 verlegt, und anfangs bin ich diesen 100.000 in keiner Weise nahe gekommen. Im April und Mai waren es ein paar hundert Verkäufe. Von Juni bis Oktober waren es fünf- bis sechstausend im Monat und im November waren es dann fast 25.000. Der Dezember war der erste Monat, in dem ich die 100.000 knackte.

SPIEGEL ONLINE: Und seitdem?

Hocking: Sowohl im Januar als auch im Februar habe ich über 400.000 E-Books verkauft.

SPIEGEL ONLINE: Seit April haben Sie nun neun Bücher veröffentlicht. Wie ist so etwas möglich? Hatten Sie die in Ihrer Schublade?

Hocking: Mit Ausnahme von "Letters to Elise" waren alle schon vor 2010 entstanden. Ich habe sie im Verlauf der letzten drei Jahre geschrieben, bearbeitet und an Agenten geschickt.

SPIEGEL ONLINE: Ursprünglich hatten Sie also einen klassischen Buchvertrag im Sinn?

Hocking: Ich habe mein erstes Buch geschrieben, als ich 17 war. Damit begann auch der Versuch, einen Agenten zu finden. Acht Jahre lang habe ich meine Bücher an Verlage geschickt, aber es klappte einfach nicht. Ich musste etwas anderes versuchen, wenn ich als Autor arbeiten wollte.

SPIEGEL ONLINE: Der Schritt zum E-Book, der zu einem sofortigen Erfolg wurde...

Hocking: Ein instant success war das für mich nicht, aber es hat in meinem Fall auf jeden Fall viel schneller funktioniert als bei vielen anderen. Warum genau das so gelaufen ist, weiß ich selbst nicht. Ich glaube, dass es viel mit dem Genre zu tun hat, in dem ich schreibe und auch damit, wie viele Bücher ich in der kurzen Zeit veröffentlicht habe - und dass ich vernünftige Preise dafür verlange.

SPIEGEL ONLINE: Die Bücher kann man ja auch als Digitaldruck im Paperback-Format kaufen. Sind Sie an einem regulären Buchvertrag nicht mehr interessiert? Da muss es doch jetzt viele Angebote geben.

Hocking: Meine Einstellung zum herkömmlichen Verlagsgeschäft hat sich nicht verändert, seit ich mit dem digitalen Selbstverlag begonnen habe. Paperbacks stehen noch immer für 80 Prozent des gesamten Buchmarktes, und auch wenn ich weiß, dass sich das verändert, wird es doch noch eine ganze Weile so sein, bevor E-Books den Markt dominieren werden. Bücher in physischer Form in die Läden zu bekommen, ist für Autoren noch immer eine große Chance. Auch wenn ich sagen muss, dass es wohl schwer wäre, mit dem, was ich im Selbstverlag verdiene, zu konkurrieren. Aber wenn ich den richtigen Vertrag angeboten bekäme, würde ich mir das überlegen. Ich sollte dabei erwähnen, dass ich schon einige Deals mit ausländischen Verlagen abgeschlossen habe, das schließt Deutschland ein.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Karriere kann man wohl getrost als einzigartig bezeichnen, auch die amerikanischen Medien zeigen jetzt immer mehr Interesse an Ihnen. Sind Sie schon eine Prominente?

Hocking: Ich lebe in einer Kleinstadt, und die meisten Menschen hier verstehen gar nicht, was ich da gerade tue. Bisher bin ich eigentlich nur im Internet prominent, also ist es einfach, mit der Aufmerksamkeit fertig zu werden: Ich mache einfach den Computer aus.

SPIEGEL ONLINE: Und wie geht es weiter? Gibt es 2011 wieder acht Romane?

Hocking: Ich würde dieses Jahr liebend gerne wieder acht Romane veröffentlichen, aber mit dem ganzen Rummel wird das kaum möglich sein. Ich hoffe auf drei oder vier Romane in diesem Jahr, aber wir werden sehen, wie es läuft.

Das Interview führte Frank Patalong

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insgesamt 4 Beiträge
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1. .
Sophie Amrain 03.03.2011
Zitat von sysopEinen Verlag für ihre*Vampir-Romane fand sie nicht, also veröffentlichte Amanda Hocking*sie*als E-Books.*Zehn Monate später ist sie Millionärin. Wie* das passiert ist, weiß sie selbst nicht so genau, sagt*die 26-jährige Amerikanerin*im*SPIEGEL-ONLINE-Interview. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,748524,00.html
Interessant. Das wäre auch ein guter Weg, einen (mehr oder weniger) objektiven Maßstab für das Interesse an bestimmten Themen zu bekommen. Für Vampirromane sollte das interessierbare Klientel vielleicht 10% der Bevölkerung sein.
2. ...
Atheist_Crusader 03.03.2011
Zitat von Sophie AmrainInteressant. Das wäre auch ein guter Weg, einen (mehr oder weniger) objektiven Maßstab für das Interesse an bestimmten Themen zu bekommen. Für Vampirromane sollte das interessierbare Klientel vielleicht 10% der Bevölkerung sein.
Der Philanthrop in mir hofft, dass es wesentlich weniger sind.
3. raketenstart, aber
screnn 04.03.2011
mir gruselt es davor das soviele auf dieses vampirgedusel stehen. brrrr.
4. Reicht doch
Hercules Rockefeller 04.03.2011
Zitat von Atheist_CrusaderDer Philanthrop in mir hofft, dass es wesentlich weniger sind.
Wenn nur die Hälfte von denen so ein Ebook kauft, dann hat es sich doch bereits sehr gut ausgezahlt. Das ist ja das Gute an der Ebookgeschichte, dass man durchaus auch mit Nischengenres richtig gutes Geld verdienen kann-während man beim klassischen Verlag, der ja in der Regel den Mainstream braucht (einfache Kostenfrage) nicht im Katalog landen würde. Vampir hin oder her, man muss schon ansprechend schreiben können, hilft ja alles nichts...
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Zur Person
Amanda Hocking, geboren 1984, lebt in Austin, Minnesota. Wurde im Zeitraum von Dezember 2010 bis März 2011 mit neun als E-Books selbst verlegten Büchern überraschend zur Auflagen- und Dollar-Millionärin. Inzwischen verhandelt die ehemalige Altenhelferin über Filmrechte für eine ihrer Trilogien, Übersetzungsrechte ihrer Romane sind bereits an einen bisher nicht benannten deutschen Verlag verkauft. Hocking gilt als derzeit erfolgreichste selbst verlegte Schriftstellerin der Welt - und das ausschließlich auf der digitalen Plattform.