Wegen Auftritt von Salman Rushdie Iran boykottiert Frankfurter Buchmesse

Iran hat seine Teilnahme auf der Frankfurter Buchmesse abgesagt, weil Salman Rushdie als Gastredner geladen ist. Der britische Autor sei wegen seiner "Islam-beleidigenden Bücher" in der islamischen Welt verhasst, heißt es in der Begründung.

Schriftsteller Salman Rushdie: "Gewichtige Stimme"
REUTERS

Schriftsteller Salman Rushdie: "Gewichtige Stimme"


Die britische Schriftsteller Salman Rushdie gehört zu den bedeutendsten Literaten der Gegenwart und wird auch auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse anwesend sein. Damit hat die iranische Regierung ein Problem - und sagte die Teilnahme nun ab. Rushdie sei wegen seiner "Islam-beleidigenden Bücher" in der islamischen Welt verhasst, teilte das Kultusministerium in einer von iranischen Medien veröffentlichten Presseerklärung mit. Auch sein neues Buch richte sich indirekt gegen religiöse Werte und Überzeugungen, hieß es.

Der Streit hat eine Vorgeschichte: 1989 verhängte der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ein Todesurteil gegen Rushdie. Grund war sein Roman "Die satanischen Verse", den radikale Muslime als gotteslästerlich empfanden. Der Autor lebte daraufhin jahrelang unter strengstem Polizeischutz in London und New York.

Erst der reformorientierte Präsident Mohammed Chatami sorgte für Entspannung in der Angelegenheit. Er sagte, laut Islam stehe auf Gotteslästerung zwar die Todesstrafe, aber Iran werde diese Fatwa nicht ausführen. Doch der einstige Mordbefehl verfolgte den Autor auch noch mehr als zwei Jahrzehnte später: So musste Rushdie im Jahr 2012 die Teilnahme an einem Literaturfestival in Indien absagen, weil angeblich ein Mordanschlag auf ihn geplant war.

Der 1947 als Muslim in Indien geborene Rushdie ist als Gastredner bei der Auftakt-Pressekonferenz der Buchmesse am 13. Oktober angekündigt. "Seine Biografie und sein literarisches Werk verleihen ihm eine gewichtige Stimme in der weltweiten Diskussion über Meinungsfreiheit im Publizieren", hatte Buchmesse-Direktor Juergen Boos die Einladung an Rushdie begründet. Meinungsfreiheit ist eines der Schwerpunktthemen der diesjährigen Buchmesse.

Auch in seinem neuen Buch "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" befasst sich Rushdie mit religiösem Fanatismus und erzählt, wie Glaubenskrieger die Welt aus den Fugen heben. Das Werk ist eine Mischung aus Heldenepos und Liebesgeschichte.

kis/dpa



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