Auszug aus "Post von Karlheinz" "Der Islam ist eine frauenverachtende Ideologie!!!"

Wie geht man mit Leuten um, die "den Islam" pauschal hassen? SPIEGEL-ONLINE-Autor Hasnain Kazim sucht den Dialog mit ihnen. Ein Auszug aus seinem Buch "Post von Karlheinz".

Wutbürger (Symbolbild)
Getty Images/Vetta

Wutbürger (Symbolbild)


Hasnain Kazim erhält seit Jahren Hassbriefe, von AfD-Anhängern, Pegida-Fans und Erdogan-Freunden. Vor zwei Jahren beschloss er, den Dialog mit ihnen zu suchen. Einiges davon veröffentlicht er auf Facebook, Tausende lesen und teilen seine Briefwechsel. In seinem Buch "Post von Karlheinz. Wütende Mails von richtigen Deutschen - und was ich ihnen antworte" dokumentiert er seinen Austausch mit wütenden Leuten - hier mit Heinz K., der seinen Frust über "den Islam" bei ihm ablädt.

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Hasnain Kazim:
Post von Karlheinz

Wütende Mails von richtigen Deutschen - und was ich ihnen antworte

Übersicht der Veranstaltungstermine

Penguin Verlag; 272 Seiten; 10,00 Euro


Heinz K. schreibt mir am 16. Juni 2016:

Mohammedaner sind Frauenhasser!!! Islam ist eine frauenverachtende Ideologie!!! Wir müssen uns mit gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen in der mohammedanischen Vergewaltigerkultur auseinandersetzen!!!! Das ist die Lehre aus den tausendfachen Übergriffen Silvester in Köln und anderswo!!!! Ich weiß nicht, ob auch Sie ein Mohammedaner sind oder nicht, aber auch Sie sollten sich dazu bekennen!!!!

Meine Antwort am 18. Juni 2016:

Lieber Heinz K.,

danke für Ihre besorgte E-Mail. Sie haben völlig recht: Der Islam ist frauenverachtend, alle Muslime Frauenfeinde und der Koran voller Aufforderungen, Frauen zu missachten! Kennen Sie sich mit dem Koran aus, Herr K.? Wenn nicht, schicke ich Ihnen gerne eine Auflistung aller Stellen, in denen zur Unterdrückung der Frau aufgerufen wird.

Mit freundlichen Grüßen,
Hasnain Kazim

Er schreibt mir am 21. Juni 2016:

Immer her damit! Gut, wenn man in der Diskussion mit diesen Frauenverächtern den Koran als Beweis hat!

Ich schreibe ihm am 25. Juni 2016:

Hallo Herr K.,
ganz richtig, es ist immer gut, Kritik mit Koranstellen belegen zu können. Daher diese Textstellen zu Ihrer Kenntnis:

1. Sure 17: "Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein."

2. Sure 22: "Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Mohammed das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. Aber wie nun die Gemeinde sich Mohammed unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen."

3. Sure 45: "Die Frau verfügt nicht über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt der Mann nicht über seinen Leib, sondern die Frau. Entziehe sich nicht eins dem andern, es sei denn eine Zeit lang, wenn beide es wollen, damit ihr zum Beten Ruhe habt; und dann kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht versucht, weil ihr euch nicht enthalten könnt."

4. Sure 54: "Eine Frau aber, die betet oder prophetisch redet mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt; denn es ist gerade so, als wäre sie geschoren. Will sie sich nicht bedecken, so soll sie sich doch das Haar abschneiden lassen! Weil es aber für die Frau eine Schande ist, dass sie das Haar abgeschnitten hat oder geschoren ist, soll sie das Haupt bedecken."

5. Sure 55: "Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau von dem Mann. Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen. Darum soll die Frau eine Macht [gemeint ist wohl ein Schleier] auf dem Haupt haben um der Engel willen."

6. Sure 117: "Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen. Sie wird aber selig werden dadurch, dass sie Kinder zur Welt bringt, wenn sie bleiben mit Besonnenheit im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung."

Der Koran ist auch schwulenfeindlich, Herr K.! Hier der Beweis:

7. Sure 127: "Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen."

Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter!

Mit freundlichen Grüßen,
Hasnain Kazim

Seine Antwort am 26. Juni 2016

SUPER! DANKE!! GUTER MANN!!!!

Ich schreibe ihm einige Tage später, am 5. Juli 2016:

Hallo Herr K.,
haben Sie die Koranstellen eigentlich schon nutzen können?

Er antwortet mir innerhalb von Minuten:

Danke! Haue das JEDEN TAG allen Islam-Machos um die Ohren! Einem islamischen Schwulenhasser (DIE STOSSEN HOMOSEXUELLE VON HOCHHÄUSERN!!!!) habe ich belegt, dass der Islam schwulenfeindlich ist! DANKE NOCHMALS!!!!

Ich schreibe ihm am 6. Juli 2016:

Herr K.,
mir ist da ein Fehler unterlaufen, das ist mir furchtbar peinlich. Aber leider stimmt alles nicht, was ich Ihnen geschrieben habe. Beziehungsweise, es stimmt doch, aber ein bisschen anders. Alles, was ich Ihnen geschickt habe, sind keine Koransuren, sondern Stellen aus der Bibel. Nur damit Sie das mal selbst prüfen können (sollten Sie mal tun, denn die Koransuren haben Sie ja offensichtlich nicht geprüft):

1. 1. Mose, 3, 16 (Nur damit Sie die Bibelzitierweise verstehen: Das bedeutet: 1. Buch Mose, Kapitel 3, Vers 16; ich habe alles nach der Luther-Bibel zitiert, nur falls Sie sich eventuell über eine leicht andere Sprache wundern.)

2. Epheser 5, 22-24 (Es heißt natürlich richtig beide Male "Christus" im Text, nicht "Mohammed".)

3. 1. Korinther, 7, 45

4. 1. Korinther, 11, 5-6

5. 1. Korinther, 11, 7-10

6. 1. Timotheus, 2, 11-15

7. 3. Mose, 20, 13 (Sorry, Herr K., der Islam ist sicherlich schwulenfeindlich nach dem Buchstaben seiner Schriften - die Bibel und damit das Christentum sind es aber auch.)

Ich hoffe, Sie verstehen also, was ich Ihnen sagen will.

Herzliche Grüße,
Hasnain Kazim

Sehen Sie hier, wie es zu dem Buch kam .

SPIEGEL ONLINE

Er schreibt mir am 8. Juli 2016:

SIE SIND VERLOGEN UND HINTERHÄLTIG!!!

Ich antworte ihm am 9. Juli 2016:

Lieber Herr K.,

gut, Sie verstehen also nicht, was ich Ihnen sagen will. Was ich Ihnen NICHT sagen will, ist, das Christentum sei frauenverachtend oder schwulenfeindlich. Sondern was ich Ihnen sagen will, ist: Die religiösen Texte beinhalten oft sehr merkwürdige Dinge. Der Koran auf jeden Fall (und lesen Sie ihn doch bitte mal selbst, dann finden Sie sowohl die Stellen, die Sie suchen, aber auch ganz andere, die Ihrem Bild vom Islam widersprechen), die Bibel auch. Religion ist nicht per se schlecht oder gut, sondern sie ist das, was Menschen aus ihr machen. Oft genug ist das etwas Schlechtes, leider. Die Art, wie das Christentum praktiziert wird, jedenfalls bei uns, hat sich im Laufe der Jahre und Jahrhunderte stark gewandelt. Ich gebe Ihnen recht, in vielen islamisch geprägten Ländern haben viele Männer ein, um es freundlich zu formulieren, seltsames Bild von der Rolle der Frau. Aber so, wie Sie es formulieren in Ihrer ersten Mail an mich, ist es falsch und unsachlich. Bei aller Wut und allen Emotionen, die da anscheinend mit Ihnen durchgehen, sollten Sie versuchen, sachlich zu bleiben. Die Welt wird dadurch ein Stückchen besser.

Viele Grüße,
Hasnain Kazim

Herr K. hat mir seither nicht mehr geschrieben.



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