Gefeierter israelischer Autor Yoram Kaniuk ist tot

Sein Roman "Adam Hundesohn" machte ihn berühmt: Yoram Kaniuk war einer der wichtigsten Schriftsteller Israels, der für den Staat in den Krieg zog, ihn aber auch heftig kritisierte. Jetzt ist Kaniuk mit 83 Jahren in seiner Geburtstadt Tel Aviv gestorben.

Schriftsteller Yoram Kaniuk: Am Samstag in Tel Aviv verstorben
Corbis

Schriftsteller Yoram Kaniuk: Am Samstag in Tel Aviv verstorben


Tel Aviv - Yoram Kaniuk, einer der bedeutendsten Schriftsteller Israels, ist am Samstag nach langem Krebsleiden in einem Krankenhaus seiner Heimatstadt Tel Aviv gestorben. Wie ein Sprecher der Ichilow-Klinik mitteilte, hatte der 83-Jährige verfügt, ihn nicht zu bestatten, weil er seinen Körper der Wissenschaft zur Verfügung stellen wolle.

Das bekannteste Werk seines an Romanen und Kurzgeschichten reichen literarischen Schaffens ist der Roman "Adam Hundesohn" (1968), der in zwanzig Sprachen übersetzt und vor fünf Jahren von Oscar-Preisträger Paul Schrader unter dem Titel "Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected" verfilmt wurde. Das Buch thematisiert die Überlebenstrategien von Menschen während des Holocausts. So ließ sich der Titelheld während seiner Zeit im KZ vom Lagerkommandanten wie ein Hund behandeln, um seine Familie vor der Ermordung zu bewahren.

Kaniuk wurde am 2. Mai 1930 in Tel Aviv geboren. Als junger Mann nahm er an den Kämpfen teil, die 1948 in der Gründung des Staates Israel mündeten. Während des Unabhängigkeitskriegs wurde Kaniuk verwundet und zog danach für mehrere Jahre nach New York um. In dem autobiografischen Roman "1948" hat er diese Erlebnisse verarbeitet. Nach dem Studium der Malerei in Jerusalem und Paris, verbrachte er die fünfziger Jahre in New York, wo er der Jazzszene nahe stand.

1961 nach Israel zurückgekehrt, errang Kaniuk zuerst international und dann auch in seinem Heimatland große schriftstellerische Erfolge. Zugleich engagierte er sich gesellschaftlich stark für die Trennung von Kirche und Staat. Vor zwei Jahren schrieb er in Israel Rechtsgeschichte, indem er vor Gericht erstritt, amtlich als Staatsbürger "ohne Religion" registriert zu werden.

Israels Präsident Schimon Peres nannte Kaniuks Tod "einen großen Verlust für die israelische Literatur, Kultur und Seele". An die Hinterbliebenen des Verstorbenen schrieb er: "Seine Bücher werden die Menschen auch nach seinem Tod weiter begleiten."

hpi/afp



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