Italien-Krimi Autorin Magdalen Nabb ist tot

Sie kam aus einem englischen Dorf und wurde zur Spezialistin für Verbrechen aus Florenz: Magdalen Nabb begeisterte mit ihren Italien-Krimis Leser weltweit. Jetzt ist sie im Alter von 60 Jahren gestorben.


Sie war die zweite große Expertin angelsächsischer Provenienz für das verbrecherische Italien: Donna Leon machte Venedig zum Top-Tatort der literarischen Krimiszene, Magdalen Nabbs Hauptfigur Maresciallo Guarnaccia ermittelte in Florenz. Mit dem schwerfällig-schrulligen Carabiniere-Wachtmeister schuf sie einen klassischen Charakter der Crime-Fiction, der selbst Großschriftsteller wie George Simenon begeisterte.

Autorin Nabb: Morden in Florenz
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Autorin Nabb: Morden in Florenz

Auf Deutsch erschien zuletzt ihr Roman "Eine Japanerin in Florenz", darin musste der gebürtige Sizilianer Guarnaccia den Fall einer mysteriösen Toten aus Japan lösen. Krimi-Experte Tobias Gohlis lobte das Buch als leises und bravouröses Unterfangen, "das Verstummen angesichts des Todes" selbst zum Gegenstand zu machen.

Wie Leon, die in deutscher Übersetzung ebenfalls beim Zürcher Diogenes-Verlag erscheint, war Nabb Italien-Immigrantin. Geboren in Church in Lancashire, England, begann sie nach einem Studium an der Kunsthochschule in Manchester zu schreiben. 1975 ging sie nach Florenz, eine "Heimkehr", wie sie einmal im Interview bemerkte. Die Renaissance-Stadt machte sie zum Tatort von Krimis und Psychothrillern, sie schrieb aber auch Kinder- und Jugendbücher.

Dass Italien in Sachen Kriminalliteratur vor Nabbs Guarnaccia-Büchern kein Niemandsland war, ist Nicht-Italienern beziehungsweise Nicht-Krimilesern kaum bekannt. Zwar hatte der italienische Krimi Startprobleme – in den Dreißigern gängelten faschistische Kulturpolitiker die Autoren mit abstrusen Vorgaben, in den Folgejahrzehnten galten Krimis als Massenware und Schund -, in den Achtzigern aber begannen Autoren wie Andra Camilleri und Santo Piazzese das Genre zum Instrument gesellschaftlicher Kritik umzuformen.

Erst mit Nabb und Leon jedoch wurde der Italien-Krimi international berühmt, was den Autoren nicht nur Lob einbrachte. Die Werke der Zugereisten krankten an dem "Symptom, ein Publikum bedienen zu wollen, das Italien liebt, aber nicht in Italien lebt", urteilte Literaturkritiker Hendrik Werner in der "Welt". Ihre Werke seien für den internationalen Markt geschrieben, von touristischem Zuschnitt und erzielten so "eine hohe Aufmerksamkeit bei der reiseerfahrenen Leserschaft" ("NZZ").

Dennoch ist Guarnaccia ganz anders als Donna Leons geplegter Bürgerermittler Brunetti. Er ist der kleine Mann auf Tuchfühlung mit den Problemen seiner Zeitgenossen. Im Land der Mafia und Camorra besteht nach wie vor großer Ermittlungsbedarf, einen gewissenhaften Schnüffler mit Blick für die Details kann man bestens gebrauchen.

Magdalen Nabb starb am vergangenen Samstag an einem Hirnschlag in Florenz. Sie wurde 60 Jahre alt.

dan/dpa



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