Kultur


"Fänger im Roggen": Briefe von J. D. Salinger nach sieben Jahrzehnten aufgetaucht

J. D. Salinger im Jahr 1951: "Raffiniertes Mädchen" Zur Großansicht
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J. D. Salinger im Jahr 1951: "Raffiniertes Mädchen"

Mehr als siebzig Jahre lagen sie in einem Schuhkarton. Nun sind neun Briefe des verstorbenen Schriftstellers Jerome David Salinger aufgetaucht. Eine frühe Brieffreundin verkaufte die Korrespondenzen an ein Museum - sie brauchte Geld für ihren Unterhalt.

Hamburg - Eine Frau bittet einen jungen Schriftsteller um Hilfe. Sie will wissen, wie man gute Texte schreiben kann. Der Autor antwortet mit neun Briefen. Anfang der vierziger Jahre war das - einige Jahre bevor sich der junge Schriftsteller 1951 mit "Der Fänger im Roggen" zum internationalen Durchbruch schrieb. Was sich Autor J. D. Salinger und Marjorie Sheard in ihren Briefen sagten, ist nun nach mehr als siebzig Jahren erstmals an die Öffentlichkeit gelangt, wie die "New York Times" berichtet.

Salingers Brieffreundin, inzwischen 95 Jahre alt, verkaufte die Briefe - um sich ihren Unterhalt finanzieren zu können. Jahrzehntelang hatte sie die Korrespondenzen in einem Schuhkarton aufbewahrt.

Ein spätes Glück für die Fans des US-amerikanischen Autors Salinger, der lebenslang sehr wenig von sich preisgab und im Januar 2010 starb. Seit seinem Tod reißen sich die Forscher um beinahe jeden Buchstaben, der aus seiner Feder stammen könnte.

"The Catcher in the Rye", wie Salingers Werk im Original heißt, gilt als einer der wichtigsten Romane des 20. Jahrhunderts. In seinen Briefen, die er zwischen 1941 und 1943 schrieb, empfahl Salinger der jungen Frau, "The Great Gatsby" und "The Last Tycoon" von F. Scott. Fitzgerald zu lesen. Zudem reagierte er auf ein Porträtfoto, das er von Sheard erhielt, mit den Worten: "Raffiniertes Mädchen. Du bist hübsch."

Man könne in den Briefen die Ähnlichkeit zu Holden Caulfield erahnen, dem selbstzweifelnden Schulversager und Protagonisten seinen Erfolgsromans, sagte Declan Kiely, Kurator der New Yorker Morgan Library, der "New York Times". Die New Yorker Bibliothek bewahrt bereits Briefe Salingers auf und kaufte nun auch die Briefe von Sheard. "Er ist zwar erst an der Schwelle zu seiner Karriere, aber sein Ton ist bereits herauszuhören. Sie geben einen wunderbaren Einblick in seine ersten Jahre als Schriftsteller."

Vor drei Jahren tauchten bereits Briefe des Schriftstellers an einen alten Armeefreund auf - auch ein Glücksmoment für die Fans. 1965 schrieb Salinger seine letzte Erzählung. Acht Jahre später sagte der Autor einem Reporter am Telefon: "Ich schreibe nur noch für mich selbst, zu meinem eigenen Vergnügen." Dann legte er auf.

kha

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  • Donnerstag, 25.04.2013 – 16:10 Uhr
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