Jack-the-Ripper-Comic Aus der Hölle auf den Gabentisch

Wer sich Weihnachten so richtig vermiesen will, sollte zu Alan Moores Meisterwerk "From Hell" greifen. Der Comic ist eine mitreißende Meditation über Jack The Ripper - und erscheint jetzt in einer aufwendigen Gesamtausgabe. Ein echter Killer!

Von Jörg Böckem


All jenen, denen die Tage und Nächte im Dezember noch nicht dunkel genug sind, kann geholfen werden: Pünktlich zum Weihnachtsfest bringt der Verlag Cross Cult eine üppige und todschöne Neuauflage des Klassikers "From Hell" heraus. Alan Moores Comic-Großwerk ist das perfekte Heilmittel gegen Tannenbaumlichterkettenkitsch und Feiertagsseligkeit - auf 604 Seiten erzählt der britische Autor, unterstützt von Zeichner Eddie Campbell, seine Version des Jack-The-Ripper-Mythos in unerreichter Tiefe und Detailreichtum.

"Wenn man nur tief genug hineinschneidet, wenn die Einschnitte präzise genug sind", hat Moore zu Protokoll gegeben, "dann wird man nicht nur die innere Mechanik einer Sache enthüllen, sondern auch die Bedeutung dahinter." Wie der Gegenstand seiner Betrachtung, Jack The Ripper, hat auch der Autor tief und präzise geschnitten.

Moore hat zehn Jahre an "From Hell" gearbeitet, seine Schilderung der Rippermorde, gegen die sich die Fernsehserie um den wunderbar fiesen und abgründigen Serienkiller "Dexter" wie Popcornkino ausnimmt, verbindet profundes Hintergrundwissen und mitreißende Fabulierkraft.

"From Hell" ist gleichermaßen Kriminalgeschichte und moderner Mythos wie Gesellschaftsstudie. Moore stellt Verbindungen her zu den Freimaurern, der Architektur Nicholas Hawksmoors, der New English Art, den Theorien des Mathematikers Charles Howard Hinton und der Geburt von Adolf Hitler - ein historisches, soziologisches und spirituelles Sittengemälde des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Moore erzählt vom Umbruch einer Gesellschaft und von kollektiven Ängsten. "Jack spiegelt unsere Ängste", sagt er. "Gesichtslos ist er das Gefäß für jede gesellschaftliche Panik."

Abgerundet hat der Detailfanatiker Moore "From Hell" mit ausführlichen Anmerkungen zum Entstehungsprozess seines Werkes und einer illustrierten Geschichte der Ripper-Forschung.

Ein Comic-Roman, der uns das Weihnachtsfest höchst anregend verdunkeln kann - zumal der verschrobene Brite Moore wie die Gothic-Version des Weihnachtsmannes aussieht. Empfindsame Gemüter können ja mit der Lektüre bis zum Frühling warten.


Comic Alan Moore & Eddie Campbell: "From Hell". Cross Cult, Asperg; 604 Seiten; 49,80 Euro.



insgesamt 3 Beiträge
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kunstdirektor 15.12.2008
1. „Unterstützt von Zeichner Eddie Campbell"
So schreibt der Spiegel. Unterstützt? Der Mann hat mit gut 7000 Zeichnungen die Hauptarbeit geleistet. Man könnte auch schreiben: Eddie Campbells Comic, unterstützt von Alan Moore als Texter. Das wäre genauso falsch. 2002 ist das Werk zum ersten Mal in Deutschland erschienen. Wirklich klasse und empfehlenswert, wie der Autor schreibt. Visuell stark. Guter Tip. From Hell wurde mit Johnny Depp verfilmt.
tracktor 15.12.2008
2. 1 Einsicht vertiefende Begleitung
Zitat von sysopWer sich Weihnachten so richtig vermiesen will, sollte zu Alan Moores Meisterwerk "From Hell" greifen. Der Comic ist eine mitreißende Meditation über Jack The Ripper - und erscheint jetzt in einer aufwendigen Gesamtausgabe. Ein echter Killer! http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,596079,00.html
Die atmosphärisch dichte und ebenfalls Linien zur Moderne im Kontext des ausgehenden 19. jahrhunderts als Schnittfläche aufweisende CD des französichen Musikprojekts Les Sentiers Conflictuels in Zusammenarbeit mit dem britischen klassischen aber unkonventionellen Folksänger Andrew King- '1888' könnte die musikalische Begleitung zu dem meisterhaften Comic sein!
tracktor 15.12.2008
3. Les Sentieres de Conflictuel & Andrew King- Nachreichung
Hier die noch nachzureichnenden Links mit Hörproben- (Medley 1888): http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendid=76335465 und Rezension: http://www.alternativmusik.de/rezensionen/les-sentiers-conflictuels-andrew-king-1888/
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