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Zum Tode Tom Clancys: Amerikas wortgewaltigster Anti-Kommunist

Von Sebastian Moll, New York

Tom Clancy: Militär-Shooter und Polit-Thriller Fotos
AP

Er war Waffennarr, Befürworter des Vietnam-Kriegs, Idol der amerikanischen Rechten - und einer der talentiertesten Erzähler der vergangenen Jahrzehnte. Nun ist Tom Clancy, Autor von "Jagd auf Roter Oktober", gestorben. Die US-Konservativen haben einen ihrer begabtesten Fürsprecher verloren.

Tom Clancy hat sich nie offen gegen Barack Obama ausgesprochen, das wäre nicht der Stil des Bestseller-Autors gewesen. Einen Hehl machte er allerdings auch nicht daraus, was er vom US-Präsidenten hält.

Bei einer Rede vor dem Hudson Institute, einem konservativen Think Tank, sagte Clancy 2009, dass ihm Politiker, die wie Obama direkt nach der Universität ihre Karriere beginnen, Angst einjagen. "Sie haben eine bestimmte abstrakte Vorstellung von den Dingen und wollen der Welt ihre Ästhetik überstülpen. Genau so hat es auch Adolf Hitler getan."

Das war die Rhetorik der Tea Party und auch wenn Clancy. Anfang der achtziger Jahre hielt er Amerika mit seinen Militär- und Agententhrillern in Atem, nun ist er an diesem Mittwoch im Alter von 66 Jahren in seiner Heimatstadt Baltimore gestorben. Auch wenn er nicht offiziell der Opposition angehörte, so war er doch ein Sprachrohr der libertären Rechten. Der Autor von "Jagd auf Roter Oktober", "Im Sturm" und "Stunde der Patrioten" war eine Galionsfigur der konservativen Bewegung, seine Romane waren Oden an die Größe der USA, der Weltmacht Nummer Eins.

Clancys Durchbruch als Autor kam im Sommer 1984, auf dem Gipfel des Kalten Krieges. Die konservative Bewegung, die bis zum Ende der Bush-Ära Amerika fest im Griff hielt und die auch heute noch das Land zum Stillstand zu bringen vermag, hatte den Höhepunkt ihrer Macht erreicht. Der demokratische Herausforderer von Ronald Reagan, Walter Mondale, konnte bei der Präsidentschaftswahl nur einen einzigen von 50 US-Staaten für sich entscheiden.

Reagan war begeistert

Clancys Thriller "Jagd auf Roter Oktober", den der Versicherungsvertreter in seiner Freizeit geschrieben hatte, traf den Nerv jener Zeit. Das Buch, das mit Sean Connery in der Hauptrolle auch zu einem Hollywood-Hit wurde, erzählt die Geschichte des russischen U-Boot-Kapitäns Marko Ramius, der aus Überzeugung Fahnenflucht begeht und sein atomgetriebenes Schiff mit modernsten Waffensystemen der US-Marine übergibt.

Clancy schickte das Manuskript an den Redakteur der Zeitschrift des Marine-Instituts, Martin Callaghan. Callaghan war so begeistert, dass er es auf sich nahm, das Manuskript als erstes belletristisches Werk in seinem Verlag zu veröffentlichen. Mit großem Erfolg: Der Rote Oktober wurde zum Bestseller. Er brachte Clancy anderthalb Millionen Dollar ein und schaffte es bis auf den Nachttisch von Ronald Reagan, der den Thriller als "genau meine Art von Garn" bezeichnete.

Vor der Veröffentlichung musste Clancy allerdings mehr als 100 Seiten an waffentechnischen Details kürzen, die ein breites Publikum gelangweilt hätten. Clancy, der wegen seiner Kurzsichtigkeit nicht zum Militär durfte, hatte sich in seiner Freizeit in Militär- und Spionagegeschichte sowie in Waffenkunde vertieft und verblüffte in seinen Roman sogar Experten durch seine Detailkenntnis dieser Dinge.

Kampf für traditionelle Werte

Im amerikanischen Kulturkampf der sechziger Jahre stand der 1947 in Baltimore geborene und von Jesuiten erzogene Schriftsteller von Anfang an deutlich auf der Seite des konservativen Establishments. Clancy befürwortete vorbehaltlos den Vietnam Krieg. In seinem Roman von 1994, "Ehrenschuld", blickt Clancy auf jene Ära zurück. Eine Rambo-hafte Figur namens John Clark führt dabei einen einsamen Kampf gegen Drogenhändler in Baltimore und organisiert gleichzeitig die Befreiung eines Kriegsgefangenenlagers in Nordvietnam. Clark ist ein Stellvertreter für das konservative Amerika der sechziger Jahre, das sich im Kampf gegen die kommunistische Gefahr einerseits, sowie gegen die Aushöhlung traditioneller Werte zuhause andererseits wähnt.

Die Themen des Kalten Krieges und des Kulturkrieges zuhause setzen sich in den weiteren Romanen von Clancy fort. In "Roter Sturm" bricht im Nordatlantik ein Seekrieg zwischen der Sowjetunion und den USA aus. In "Die Stunde der Patrioten", das mit Harrison Ford verfilmt wurde, verbündet sich eine Splittergruppe der irischen Befreiungsarmee mit einer radikalen schwarzen Bürgerrechtsgruppe der USA, um Jagd auf den CIA-Agenten Jack Ryan zu machen. Ryan, der Stammheld von Clancys Büchern, hatte ein Attentat der Iren auf den Prinz von Wales verhindert.

Mit dem Ende des Kalten Krieges verlagerten sich auch die Wirkungsstätten von Jack Ryan zu anderen Schauplätzen des geheimdienstlich-militärischen Weltgeschehens. Schon 1991 werden in "Das Echo aller Furcht" die USA von arabischen Extremisten attackiert. In "Gegen alle Feinde" von 2011 rücken sowohl Pakistan als auch die amerikanisch-mexikanische Grenze ins Visier. Sein letztes Buch, Command Authority, das im Dezember 2013 erscheinen soll, hat als Hauptfigur einen russischen Staatschef mit einer dunklen Vergangenheit - eine klare Anspielung auf Wladimir Putin.

Clancy baute ein Videospiel-Imperium auf

Durch alle seine Bücher wie auch durch Clancys politisches Leben zog sich der unerschütterliche Glaube daran, dass das Heil der Menschheit allein in einer unbeugsamen Militär-Supermacht USA liege. Für die Anschläge des 11. September machte er eine Unterfinanzierung der Geheimdienste durch den demokratischen Präsidenten Bill Clinton verantwortlich. Die Invasion im Irak durch George Bush kritisierte er nicht aus Prinzip, sondern weil sie ebenfalls unterfinanziert und schlecht durchgeführt worden sei.

Clancys Bücher standen nicht weniger als 16 Mal an der Spitze der "New York Times"-Bestseller-Liste - Beleg für sein Erzähltalent wie für die anhaltende Anziehungskraft seiner Themen. Doch faszinierend an Clancy ist nicht allein sein Dauererfolg als Schriftsteller, sondern auch die Art und Weise, wie er parallel zu seinen Büchern ein Videospiel-Imperium aufgebaut hat. Bereits die Idee zu seinem zweiten Hit, "Der Sturm", beruhte auf einem Videospiel, seither erscheint praktisch zu jedem seiner Romane ein Game. Auch in dieser Hinsicht war der Versicherungsmakler ein echter Visionär.

Nun hat die konservative Bewegung der USA eine ihrer großen Ikonen verloren. Und Liebhaber von packenden Spionage-Thrillern einen der talentiertesten Erzähler der vergangenen Jahrzehnte.

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insgesamt 21 Beiträge
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1. ..
btsvschorse 02.10.2013
politisch stimme ich nicht mit ihm überein.... ..aber schreiben und unterhelten konnte er!
2. Tom Clancy
schüler.aus.bremen 02.10.2013
Mein Gott. Wie ich ihn verehrt habe und es immernoch tue. Mir ist zwar schon früh aufgefallen dass er republikanisch eingestellt ist, aber es machte mir kaum was aus, denn die Bücher waren einfach toll. Hoffentlich erscheinen noch Bücher aus seinen Nachlass. Ich würd mich freuen.
3. Schade
hanbil 02.10.2013
als bekennender Linker habe ich mich nie geschämt, seine Romane zu lesen und absolut spannend zu finden. Hoffentlich bleibt ihm das Schicksal von Ludlum erspart, dessen Ansehen durch Romane, die auf seinene Skripten beruhten und unlesbar sind, ruiniert wurde (fast). R.I.P., Tom Clancy, auch wenn Deine Romane rechtslastig waren, sie waren auch immer spannend...
4. Wie man so schön sagt: RIP Mr. Clancy...
lensenpensen 02.10.2013
Zitat von sysopAPEr war Waffennarr, vehementer Befürworter des Vietnamkriegs, Idol der amerikanischen Rechten - und einer der talentiertesten Erzähler der vergangenen Jahrzehnte. Nun ist Tom Clancy, Autor von "Jagd auf Roter Oktober", gestorben. Die US-Konservativen haben einen prominenten Fürsprecher verloren. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/jagd-auf-roter-oktober-nachruf-auf-tom-clancy-a-925918.html
Die Bücher haben mir viel Spaß und Unterhaltung bereitet, und wenn man sie wachen Auges gelesen hat, so konnte man auch das allgegenwärtige "Amerika ist gut" einordnen, als Sehnsucht nach einer einfachen Welt mit GUT & BÖSE. Nebenbei sollte sich der Autor mal entscheiden, wie er ein und dasselbe Buch nennen möchte: Der Originaltitel lautet "Red storm rising", die dt. Ausagbe "Im Sturm". Also weder "Der Sturm", noch "Roter Sturm". Ebenso geht es in dem Buch nicht (nur) um einen Seekrieg im Nordatlatik. Der Einfachheit halber, sei auf den dt. Wiki-Artikel "Im Sturm" verwiesen. In "die Stunde der Patrioten" (Patriot Games) ist die Figur Ryan noch kein CIA-Agent, sondern wird im Verlauf des Romans zu einem Mitarbeiter. Nun sei es aber genug "getrollt" und ich hole den "Schattenkrieg" aus dem Regal zur kleinen Bettlektüre...
5. RIP, Tom Clancy
to5824bo 02.10.2013
Klar war Tom Clancy ein bekennender Rechter mit Schwarz-Weiß-Denken und entsprechendem Tunnelblick bis zum Abwinken. Man kann sich herrlich darüber aufregen. Dass er darüber hinaus auch fesselnde Thriller schreiben konnte, wird dankenswerterweise im Artikel gewürdigt. Nur einen Roman hätte man unbedingt erwähnen müssen: "Der Schattenkrieg" bzw. "Clear and Present Danger" - auch vorzüglich verfilmt als "Das Kartell" mit Harrison Ford. Denn da setzt sich Clancy endlich einmal auch deutlich USA-kritisch mit dem "War on Drugs" auseinander und lässt die Drogenkorruption, den Filz und die kriminellen Verflechtungen bis in die Chefetagen des FBI, der CIA und sogar bis ins Oval Office wuchern. Natürlich ist es dann mit Jack Ryan ein Bilderbuchamerikaner, der das ganze aufdeckt und "richtet". So ist das halt bei Clancy. Ein verstörendes Ende einer Geschichte wie bei Don Winslow ("Tage der Toten" oder "Savages") oder wie aktuell bei Vince Gilligans "Breaking Bad" kriegt er als glühender Patriot denn doch nicht übers Herz. Aber es ist sein m.E. kritischstes Werk - und sein bestes. RIP, Mr Clancy, Ihre manichäische Weltsicht wird nie die meine sein. Aber jede Menge spannende und gut recherchierte Unterhaltung habe ich Ihnen dennoch zu verdanken. Und die Erinnerung daran, dass es auch ein anderes Amerika gibt als das Ihre.
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