Jan Siebelink Der Fluch der Gerechten

Jan Siebelink analysiert in seinem Roman die destruktive Kraft des religiösen Fanatismus.

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Sein Vater ist einer der Gerechten. Der aus der Bibel zitiert, bevor er seinen Sohn mit bloßer Hand verprügelt. Hans Sievez fürchtet den Vater, seine Härte, seine Religiosität, die er wie eine Waffe benutzt. Als die Mutter stirbt und als der Vater dann noch Hans' Kaninchen tötet, da macht sich der Junge heimlich davon - aus der niederländischen Provinz flieht er in die Stadt und beginnt eine Gärtnerlehre.

Dort arbeitet auch Jozef Mieras, ein massiger, merkwürdiger Geselle, ein Außenseiter und Laienprediger, der Hans in den Kreis fundamentalistischer Calvinisten einführen möchte. Hans ist fasziniert und abgestoßen, und am Ende siegen Furcht und Abscheu. Jahre später kehrt Hans in seine Heimat zurück und verwirklicht seinen Traum: eine eigene Gärtnerei. Er heiratet seine Jugendliebe, wird Vater, doch das private Glück ist getrübt - die Gärtnerei läuft nicht richtig. Und dann fällt ein noch schwärzerer Schatten auf Hans und seine Familie: Mieras und seine schwarzgekleideten, hässlichen Predigerkumpane tauchen wieder auf. Dieses Mal, bedrängt von wirtschaftlicher Not, beugt sich Hans der Macht ihrer bibelgestützten Drohungen und Versprechungen, er entfremdet sich immer mehr seiner Familie - und sich selbst.

Der Schriftsteller Jan Siebelink, 69, hat mit "Im Garten des Vaters" seine Beziehung zu seinem strenggläubigen Vater aufgearbeitet; und er hat die destruktive Kraft des Fundamentalismus so zum Fürchten genau beschrieben, dass er Todesdrohungen in seinem Briefkasten vorfand. Das Thema beschäftigt offensichtlich sehr viele seiner Landsleute: Das Buch ist mit 600.000 verkauften Exemplaren der erfolgreichste niederländische Nachkriegsroman.



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