"How I Met Your Mother"-Star Jason Segel "Die Trottel-Phase liegt hinter mir"

In "How I Met Your Mother" war er der charmante Trottel. Jetzt hat US-Schauspieler Jason Segel ein Horror-Kinderbuch geschrieben. Hier spricht er über seine größten Ängste - und verrät, was er vom umstrittenen Serienfinale hält.

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Ein Interview von


Zur Person

    Jason Segel, Jahrgang 1980, wurde durch die TV-Serie "How I Met Your Mother" berühmt. Neun Staffeln lang verkörperte er den liebenswert-trotteligen Marshall Eriksen. Die Rolle des großen Kindes hat Segel nebenbei fürs Kino perfektioniert: Er spielte unter anderem in den seichten Komödien "Nie wieder Sex mit der Ex", "Bad Teacher" und im Disney-Film "Die Muppets". Segel schreibt zudem Drehbücher und komponiert Musik. Privat machte er mit seiner Beziehung zu Schauspielkollegin Michelle Williams und mit Alkoholproblemen Schlagzeilen.

    Gemeinsam mit der Bestseller-Autorin Kristen Miller hat Segel ein Kinderbuch veröffentlicht, das jetzt auch in Deutschland erschien: "Nightmares - Die Schrecken der Nacht" erzählt die Geschichte des 12-jährigen Charlie Lairds, dessen Albträume allzu real werden.
SPIEGEL ONLINE: Als Kind hatten Sie Albträume von einer Hexe, die an Ihren Zehen knabbern will. So geht es auch dem Protagonisten in Ihrem Buch. Herr Segel, zeigen Sie mir Ihre Zehen?

Segel: Das geht leider nicht, ich trage Schuhe. Aber glauben Sie mir, es sind wunderschöne Zehen, sehr köstlich. Und am wichtigsten: Sie sind alle noch intakt. Meine Horrorvision von der zehenfressenden Hexe bin ich erst als Teenager losgeworden.

SPIEGEL ONLINE: Die Botschaft Ihres Kinderbuches lässt sich leicht zusammenfassen: Jeder Mensch hat Angst, und das ist auch in Ordnung, so lange man sich ihr stellt. Wovor haben Sie Angst?

Segel: Ich habe zwei große Ängste: Unvorbereitet zu sein. Und Menschen zu verletzen.

SPIEGEL ONLINE: Lassen Sie uns zum Thema Angst etwas spielen: Ich nenne Ihnen einen Begriff, und Sie verraten mir, ob Sie sich davor fürchten.

Segel: Schießen Sie los!

SPIEGEL ONLINE: Spinnen.

Segel: Furchterregend, wirklich gruselig.

SPIEGEL ONLINE: Dracula.

Segel: Von ihm hatte ich als Kind schlimme Albträume, er hat mich durch seine riesige Villa gejagt. Aber seit Gary Oldman Dracula gespielt hat, finde ich Vampire faszinierend.

SPIEGEL ONLINE: US-Moderatorin Ellen DeGeneres.

Segel: Eine unfassbar talentierte Frau, die mich in ihrer Talkshow zu Tode erschreckt hat.

SPIEGEL ONLINE: Waagen.

Segel: Halten Sie sich bloß von denen fern! Sie sind pathologische Lügner. Ich habe noch keine Waage gesehen, die mir die Wahrheit gesagt hätte.

SPIEGEL ONLINE: Einsamkeit.

Segel: Hat mir früher Angst gemacht, ich habe es nicht ertragen, mit mir alleine zu sein. Es musste immer der Fernseher laufen, meistens waren es Horrorfilme. Bei denen kann ich gut abschalten. Heute bin ich in der Lage, das Alleinsein zu genießen.

SPIEGEL ONLINE: Altern.

Segel: Davor fürchte ich mich nicht, im Gegenteil. Ich liebe das Älterwerden, weil ich lerne, was wichtig ist, und wie ich mit meinen Albträumen umgehen kann.

SPIEGEL ONLINE: Nämlich?

Segel: Ich habe gelernt, gnädiger mit mir zu sein. Ich kann nur versuchen, mein Bestes zu geben. Und wenn mir das gelingt, kann ich nachts gut und angstfrei schlafen. Diese Einstellung kam aber erst mit dem Alter. Wenn du aufwächst, willst du perfekt sein. Bis du merkst: Das ist unmöglich, du kannst es nicht allen recht machen.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie zufrieden mit sich?

Segel: So sehr wie noch niemals zuvor. Ich weiß jetzt, auf welche Werte es ankommt: Ich will ein guter Freund sein, ein gutes Familienmitglied, ein guter Partner. Früher dachte ich, ich müsste mit meinen Ängsten alleine klarkommen. Heute rede ich mit Freunden darüber. Je älter ich werde, desto mehr weiß ich eine gute, ehrliche Unterhaltung zu schätzen, also umgebe ich mich mit Menschen, die das auch so sehen. Smalltalk langweilt mich.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland sind Sie vor allem als Marshall Eriksen aus "How I Met Your Mother" bekannt, die letzte Folge lief Ende August und wurde von Fans heftig kritisiert. Wie hat Ihnen das Finale gefallen?

Segel: Die Geschichte wurde neun Jahre lang erzählt und genauso lange haben die Fans mitgefiebert. Es gab keinen Weg, alle zufrieden zu stellen.

SPIEGEL ONLINE: Waren Sie es?

Segel: Marshall Eriksen war gut zu mir. Ich war 21, als ich angefangen habe, ihn zu spielen. Ich steckte ein Jahrzehnt in seiner Haut und bin in dieser Zeit sehr gewachsen. Aber es ist auch in Ordnung, dass sie nun zu Ende ist. Ich kann nur sagen, dass ich zufrieden war, die Sendung zu drehen. Aber ich habe mich nicht zurückgelehnt und sie angeschaut.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie wissen doch, wie die Geschichte endet.

Segel: Natürlich. (lacht) Lassen Sie es mich so sagen: Die Entscheidung, Cristin Milioti die Mutter spielen zu lassen, war entzückend, charmant, brillant. Ich denke, sie ist die Frau, die man in der Serie heiraten will. Und ich war sehr traurig, dass sie gestorben ist.

SPIEGEL ONLINE: Die Serie ist auserzählt, dafür ist jetzt Ihr Kinderbuch auf dem Markt. Wie groß ist Ihre Angst, als Autor zu scheitern?

Segel: Wann würde ich denn scheitern? Wenn ich nicht genügend Exemplare verkauft habe? Darum geht es mir nicht. Der Erfolg war für mich in dem Moment da, als ich das Buch geschrieben hatte und mit der Botschaft zufrieden war. Mir geht es um den Prozess und nicht so sehr um das Ergebnis. Das gilt für die Arbeit und fürs Private.

SPIEGEL ONLINE: Im vergangenen Jahrzehnt haben Sie sich das Image des gutherzigen, leicht trotteligen Kumpeltyps erarbeitet. Fürchten Sie, es nicht mehr loszuwerden?

Segel: Während der Serie ging es mir manchmal so. Aber ich habe parallel viele Filme gedreht und Drehbücher verfasst, das war ein guter Ausgleich. Für mich ist jetzt die Zeit vorbei, einen großen Jungen zu spielen, der erwachsen werden muss. Diese Filme sprechen mich nicht mehr an und ich schaue sie nicht mehr. Die Trottel-Phase liegt hinter mir. Wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich einen Mann. Graue Barthaare inklusive.

Zur Autorin
Anna-Lena Roth, Jahrgang 1985, ist Volontärin bei SPIEGEL ONLINE und großer Fan von "How I Met Your Mother". Das Finale war für sie ein Albtraum. Umso mehr freute sie sich, dass auch Jason Segel wenig begeistert davon schien.

E-Mail: Anna-Lena_Roth@spiegel.de

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
goethestrasse 25.11.2014
1.
ein Horror-Buch für Kinder. Mit freundlicher Unterstützung von Familienpsychologen und Therapeuten.
jim_panse_123 25.11.2014
2. Die Bücher...
... der Gebrüder Grimm waren/sind ebenfalls Horrorgeschichten für Kinder - so what.
AusVersehen 25.11.2014
3. Trottel
Die Trottelphase läge hinter ihm. In seinem neusten Kinofilm "Sex Tape" mimt er doch auch einen Trottel.
stranzjoseffrauss 25.11.2014
4. Wenn das nächste Trottel-Drehbuch für Millionen lockt
ist er garantiert wieder dabei.
cyblord 25.11.2014
5. Das hätte er wohl gerne
Aber Jason Segel ist doch ein typisches One-Trick-Pony. In JEDEM Film bisher ist er "Marshall". Immer diesselbe Rolle, immer diesselben Gesten, immer diesselben Grimassen. Und jetzt wird plötzlich alles anders? Weil er ein Buch schreibt das zu 100% von seiner Berühmtheit, natürlich als "Marhsall" lebt. Überzeugend wirklich. Und der nächste Trottelfilm ist schon angelaufen.
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