Jesus-Karikatur: Haderer zu sechs Monaten Haft verurteilt

Das musste ja so kommen: Der österreichische Karikaturist Gerhard Haderer ist in Athen zu sechs Monaten Haft verurteilt worden. Seine umstrittene Comic-Satire "Das Leben des Jesus" verletze die religiösen Gefühle der Griechen.

Haderer-Buch "Das Leben des Jesus": Surfend über den See Genezareth

Haderer-Buch "Das Leben des Jesus": Surfend über den See Genezareth

Athen - Die Geschichte ist eigentlich schon so alt wie das Buch: Haderers Comic "Das Leben des Jesus", 2002 beim österreichischen Verlag Ueberreuter veröffentlicht, hatte schon in Österreich einen Proteststurm von Kirchenoberen und anderen Granden (Bundeskanzler Schüssel: "Schundzeichnungen") verursacht. Im Februar 2003 wurde die griechische Ausgabe des Comics von der Athener Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, der Verkauf wurde untersagt. Geklagt hatte die orthodoxe griechische Kirche.

Zwei Jahre später ist das Verfahren entschieden: Gerhard Haderer wurde - in Abwesenheit - zu sechs Monaten Haft verurteilt, weil sein 38 Seiten dickes Bilderbuch den öffentlichen Anstand und die religiösen Gefühle der Bürger verletze. Ersatzweise wurde dem Zeichner eine finanzielle Tilgung der Strafe in noch unbekannter Höhe angeboten.

Die Anwälte des Karikaturisten kündigten am Donnerstag an, ihr Mandant werde Berufung einlegen, berichtete die griechische Presse. Der Termin der Berufungsverhandlung steht noch nicht fest. Bis zum Ende des juristischen Verfahrens darf das Buch nicht in griechischen Buchhandlungen zu sehen sein.

In "Das Leben des Jesus" entwirft Haderer, dessen bitterböse Cartoons regelmäßig in den Magazinen "Stern" und "Profil" gedruckt werden, ein zugegebenermaßen respektloses Bild Jesu Christi: Der christliche Messias wird als Träumer porträtiert, der seine göttlichen Visionen über die berauschende Wirkung des Weihrauchs erhält: Bei Haderer ist Jesus ständig bekifft und wird unter anderem nackt surfend bei der Überquerung des Sees Genezareth gezeigt.

Als "absolut skandalös" empfinde der Zeichner den Rechtsspruch der Griechen, teilte der Ueberreuter Verlag als erste Reaktion mit. "Immerhin ist Griechenland ein Mitgliedstaat der Europäischen Union und - so sollte man annehmen dürfen - kein Gottesstaat, in dem die Freiheit der Kunst mit Füßen getreten wird", kritisierte Verlagschef Fritz Panzer.

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