Kunstkritiker und Schriftsteller John Berger ist tot

In den Siebzigern definierte er für eine ganze Generation den Blick auf die Kunst neu. Jetzt ist John Berger im Alter von 90 Jahren gestorben. Der Brite war auch ein begnadeter Autor.

John Berger
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John Berger


Der britische Kunstkritiker, Autor und Maler John Berger ist tot. Er starb im Alter von 90 Jahren in seinem Haus im Pariser Vorort Antony. Laut einem Freund, dem Schauspieler Simon McBurney, war Berger seit rund einem Jahr krank.

Er galt als begnadeter Autor und Schriftsteller. Mit seinem Buch "Ways of Seeing" und der daraus folgenden BBC-Serie definierte Berger für eine ganze Generation den Blick auf Kunst neu. Für seinen Roman "G" gewann er 1972 überraschend den Booker Prize.

Berger schrieb Kritiken, Roman, Gedichte, Drehbücher und Bücher, die in keine Kategorie passten. Er hatten großen Einfluss als Intellektueller. Und er stellte ständig die traditionellen Interpretationen von Kunst und der Gesellschaft und der Verbindungen zwischen beiden infrage.

Geboren wurde Berger 1926 in London. Er besuchte nie eine Universität, ging aber nach dem Zweiten Weltkrieg auf eine Kunstschule. Seine Karriere begann als Maler in den späten Vierzigerjahren, später lehrte Berger Malerei. Nebenbei schrieb er Kunstkritiken für das Magazin "New Statesman". Seinen ersten Roman "A Painter of Our Time" veröffentlichte Berger 1958.

Für Aufsehen sorgte er mit dem Gewinn des renommierten Booker-Preises. Berger spendete die Hälfte seines Preisgeldes an die Black Panther. Er begründete die Entscheidung mit den Wurzeln des Preises in der Sklavenarbeit in der Karibik. Die Black Panther stünden seinen politischen Ansichten am nächsten, sagte Berger damals. Er war Marxist und lebte mehr als fünfzig Jahre lang in einem abgelegenen Haus in den französischen Alpen.

max/AP



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