Jugendbuch-Trilogie "Silber": Gier auf Erfolgskurs

Von Maren Keller

Autorin Gier: Ihr neues Buch "Silber" ist schnell, charmant und leicht lesbar Zur Großansicht
Ricarda Ohligschläger

Autorin Gier: Ihr neues Buch "Silber" ist schnell, charmant und leicht lesbar

Klingt arg konstruiert, ist aber gelungen: Die Bestseller-Autorin Kerstin Gier kreuzt "Inception" mit "Gossip Girl". Das Ergebnis: "Silber", der  erste Teil ihrer neuen Jugendbuch-Trilogie.

Hätten Bücher einen Stammbaum - bei diesem hier wäre bereits klar, dass damit Goßes geplant ist: "Silber" liest sich wie eine Mischung aus "Inception" und Gossip Girl". Klingt nach Qualzucht? Funktioniert trotzdem. Denn geschrieben hat dieses Buch Kerstin Gier - und kaum jemand in Deutschland schreibt massentauglicher und unterhaltsamer.

Secrecy heißt das Gossip Girl aus "Silber". Niemand weiß, wer hinter dem Pseudonym steckt, dafür weiß sie oder er alles: wer wie viel abgenommen hat, wer von wem verlassen wurde, wer in wen verknallt ist. Auf einem Blog namens Tittle-Tattle-Blog veröffentlicht Secrecy den Tratsch über ihre Mitschüler von der teuren Privatschule Frognal Academy. Und am 4. September schreibt Secrecy:

"Guten Morgen, meine Lieben! Zum Wachwerden gleich mal ein Foto, das ich gerade eben bei den Schließfächern schießen konnte. Voilà - die neue Besitzerin von Spind Nummer 0013. Na, wie findet ihr Frognal-Academy-Neuzugang Liv Silber, elfte Klasse?"

Der Traum-Korridor

Liv Silber ist neu an der Frognal Academy und Protagonistin dieses Buches. Ihre Mutter ist eine nomadenhafte Literaturwissenschaftlerin, die von Lehrauftrag zu Lehrauftrag zieht und diesmal in Oxford gelandet ist. Liv und ihre kleine Schwester Mia träumen so sehnsuchtsvoll von einem festen Wohnsitz wie andere Mädchen in ihrem Alter von der Boygroup One Direction. Doch auch in England sieht es nicht so aus, als würden ihre Träume wahr: statt in einem gemütlichen Cottage auf dem englischen Land sollen sie bei Ernest Spencer einziehen, dem neuen Freund ihrer Mutter, der ebenfalls zwei Kinder hat: Florence und Grayson, ein wenig älter als Liv und ebenfalls Schüler an der Frognal Academy. Der mysteriöse Grayson hat ein Geheimnis, wie Liv bald herausfindet. Eines Nachts durchschreitet sie im Traum eine Tür und landet in einem rätselhaften Korridor. Sie öffnet eine andere Tür, die Graysons Haustür verdächtig ähnlich sieht, und landet direkt in seinem Traum, wo er und seine drei blonden, sportlichen Freunde ein unheimliches Ritual durchführen.

Schon einmal haben sich seltsame Fähigkeiten für Kerstin Gier als Erfolgsrezept erwiesen: In ihrer Edelstein-Trilogie "Rubinrot" reist ihre Heldin Gwendolyn durch die Zeit. Die Bücher haben sich bis heute über vier Millionen Mal verkauft und in der Verfilmung des ersten Teils spielten Schauspieler wie Kostja Ullmann, Veronica Ferres und Katharina Thalbach mit. "Silber - das erste Buch der Träume" ist nun der Auftakt zu Giers zweiter Jugendbuch-Trilogie. Und wer ihren Stil mag, wird auch dieses Buch lieben. Denn es gibt gar nicht erst vor, große, komplizierte Literatur zu sein. Stattdessen ist es schnell, charmant und leicht lesbar.

Mit Herz und Hornbrille

Ähnlich wie Gwendolyn aus der Edelstein-Trilogie ist auch Liv keine Tussi. Würde dieses Buch an einer amerikanischen Highschool spielen, wäre Liv keine von den Cheerleaderinnen, sondern die sarkastische Außenseiterin, die am Ende trotzdem mit dem Schulschwarm zusammenkommt. Liv trägt eine Hornbrille. Und natürlich verliebt sich Liv in denjenigen der drei blonden, sportlichen Freunde von Grayson, der so oft so nachdenklich schaut. Wenn Liv mal groß ist, wird aus ihr bestimmt eine ChickLit-Protagonistin, so liebenswert-tollpatschig und selbstironisch stolpert, fällt und tapst sie durch die Geschichte.

Am ersten Tag an ihrer neuen Schule fällt Liv ein Plakat für den alljährlichen Herbstball auf, das sie zunächst für das Filmplakat eines typischen Highschool-Films hält: "Aber vielleicht tat ich dem Film ja auch unrecht, und es war gar nicht der übliche Highschool-Mist mit der intriganten blonden Cheerleaderin, dem charmanten, aber oberflächlichen Footballkapitän und der armen, wunderschönen Außenseiterin mit dem goldenen Herzen..." Was würde die Romanfigur Liv sagen, wenn sie sich in dem Buch umschauen könnte, in dem sie selbst gelandet ist? Wahrscheinlich etwas selbstironisches. Und wahrscheinlich wäre es wirklich ganz lustig.


Kerstin Gier: Silber. Das erste Buch der Träume. Fischer FJB; 416 Seiten; 18,99 Euro.

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