Kampf gegen Amazon Juli Zeh fordert Verlage zum Widerstand auf

Nur Kritisieren reicht nicht: Juli Zeh verlangt von den deutschen Verlagen, im Streit mit Amazon zurückzuschlagen. Die Häuser sollten sich zusammenschließen und ihre Interessen organisieren - nicht nur die Moralkeule schwingen.

Juli Zeh will nicht unter Amazon leiden, sondern handeln.
DPA

Juli Zeh will nicht unter Amazon leiden, sondern handeln.


Hamburg - Die Schriftstellerin Juli Zeh hat von den deutschen Buchverlagen ein gemeinschaftliches Vorgehen gegen den Onlinehändler Amazon gefordert. "Es reicht nicht, Amazon zu dämonisieren und zu versuchen, in einer verworrenen Situation mit der Moralkeule Klarheit zu schaffen", sagte die Autorin in einem Interview der "Stuttgarter Zeitung". Angesichts der veränderten Strukturen auf dem Buchmarkt müssten sich die Verlage gemeinsam organisieren. "Es ist nicht so, dass die andere Seite keine Macht hat, sie ist nur gespalten", sagte Zeh mit Blick auf die klassischen Verlage.

Juli Zeh gehört zu den inzwischen rund 1500 deutschsprachigen Autoren, die dem Onlinehändler Amazon in einem offenen Brief "Erpressungsmethoden" vorwerfen. Er manipuliere gezielt Empfehlungslisten und liefere Bücher bestimmter Verlage verlangsamt aus, um höhere Rabatte durchzusetzen, so die Kritik.

Kürzlich hatte sich auch die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters zu Wort gemeldet. Es sei kulturpolitisch "nicht hinnehmbar", wenn der Streit des Onlinehändlers mit den Verlagen zulasten von Autoren und Lesern ausgetragen werde, sagte Grütters.

Der Präsident des Schriftstellerverbands PEN Deutschland, Josef Haslinger, zeigte sich indes optimistisch: "Der Brief wird ernst genommen werden", sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Zuletzt war bekannt geworden, dass auch Disney mit Amazon um die Preisgestaltung seiner Artikel ringt. Vor einigen Tagen hatten sich 909 us-amerikanische und internationale Autoren in einem scharfen Protestbrief gegen den Amazon-CEO Jeff Bezos gewandt. Ihr Schreiben markiert den Beginn der aktuellen Protestwelle.

cri/dpa

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
neuroserve 21.08.2014
1. Bitte auch die Steuersparmethoden ...
... von Amazon nicht vergessen. Viele Steuern zahlen die in Deutschland nicht, da Amazon in Europa in Luxemburg zu Hause ist. An der Erhaltung der Infrastruktur in Deutschland beteiligt sich Amazon also nicht.
fatherted98 21.08.2014
2. Die Verlage...
...sind selbst alle Geier die für ein paar hundert Seiten gedrucktes Papier Unsummen verlangen. Mit der EURO Einführung kam die Verdoppelung der Buchpreise...und die Verlage rieben sich die Hände...jetzt wo Bücher digitalisiert werden muss man gegen große Versender und illegale Downloader kämpfen...aber warum...weil die Preise so immens hoch sind, dass nieman es einsieht den Verlagen die Taschen vollzustopfen. Wer in der Druckbranche arbeitet weiß was ein Verlag an einem verkauftem Buch für eine Marge hat...da würden vielen die Ohren flattern. Davon bekommen die Autoren nur einen Bruchteil...je nach Vertrag...aber das meiste stecken sich die Verlage ein. Und die sind jetzt sauer das sich ein quasi-Monopolist auch die Taschen voll machen will...Geier gegen Geier...
dashaeseken 21.08.2014
3. Steuern zahlen in Luxemburg
Hieß es nicht mal vollmundig, daß geschäftliche Steuern in der EU angegelichen werden sollten ? Ich mache Amazon keinen Vorwurf, ich würde auch lieber in Luxemburg wenig Steuern zahlen, weil unser Steuergeld ja doch nur weltweit verschenkt wird und ich mich daran lieber nicht beteiligen möchte. Leider habe ich im Gegensatz zu Amazon nicht die Wahl. Und was diesen Kampf angeht...niemand muß seine Bücher bei Amazon zum Verkauf anbieten. Selbst ist der Autor bzw. der Verlag. Ob die Autoren aber dann noch so erfolgreich und finanziell gut dastehen würden.... ?
h.buhr 21.08.2014
4. @ neuroserve
Ihre Anmerkung halte ich für, naja, typisch Deutsch halt. Von den Steuereinnahmen haben wir doch eh nix. Schauen Sie sich die Straßen an, die Städte, das Bildungssystem, Kindergärten.... Die Liste lässt sich ja beliebig fortsetzen. Da wir in einem Land leben in dem jeder an sich denkt, trotz allem pseudosozialem Gemotze, ist die Haltung der Firmen doch nur konsequent. Sie versuchen ja auch Steuern zu sparen wo es geht. Und ich wette Sie lassen sich da auch so einiges einfallen. ;-)
uzsjgb 21.08.2014
5.
Zitat von fatherted98...sind selbst alle Geier die für ein paar hundert Seiten gedrucktes Papier Unsummen verlangen. Mit der EURO Einführung kam die Verdoppelung der Buchpreise...und die Verlage rieben sich die Hände...jetzt wo Bücher digitalisiert werden muss man gegen große Versender und illegale Downloader kämpfen...aber warum...weil die Preise so immens hoch sind, dass nieman es einsieht den Verlagen die Taschen vollzustopfen. Wer in der Druckbranche arbeitet weiß was ein Verlag an einem verkauftem Buch für eine Marge hat...da würden vielen die Ohren flattern. Davon bekommen die Autoren nur einen Bruchteil...je nach Vertrag...aber das meiste stecken sich die Verlage ein. Und die sind jetzt sauer das sich ein quasi-Monopolist auch die Taschen voll machen will...Geier gegen Geier...
Amazon will sich nicht in erster Linie die Taschen voll machen, sondern die Bücher billiger verkaufen. Deshalb verlangt Amazon die Rabatte von den Verlagen, vor allem für Ebooks. Denn Amazon geht davon aus, dass mehr Bücher verkauft werden können, wenn diese billiger sind. Es steht den Autoren natürlich frei dafür zu kämpfen weniger Bücher zu verkaufen. Aber den Buchmarkt wird genauso von der Zukunft überrollt werden wie der Musikmarkt und die Künstler werden davon profitieren, ob sie wollen oder nicht.
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