Nach Belästigungsvorwürfen Junot Díaz darf in der Pulitzer-Jury bleiben

Fünf Monate lang hat eine Kanzlei die Belästigungsvorwürfe gegen den Schriftsteller Junot Díaz untersucht. Das Ergebnis: Keine Nachweise, die einen Rauswurf aus dem Pulitzerpreis-Komitee rechtfertigen würden.

Junot Díaz
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Junot Díaz


In einer Mitteilung hat das für die Vergabe der Pulitzerpreise zuständige Komitee bekanntgegeben, dass die Washingtoner Anwaltskanzlei Williams & Connolly ihre Untersuchung des Falls Junot Díaz abgeschlossen habe. In den vergangenen fünf Monaten habe die Kanzlei Dutzende von Zeugen befragt und zahlreiche Dokumente (auch Tonaufnahmen) analysiert, um die Vorwürfe gegen Díaz, er habe mehrere Frauen belästigt, zu prüfen.

Am Ende seien die Anwälte zu dem Schluss gekommen, dass sich aus ihrer Untersuchung keine hinreichenden Nachweise ergäben, um Díaz aus dem Pulitzerpreis-Komitee auszuschließen. Díaz hatte für die Dauer der Untersuchung sein Amt aus Befangenheitsgründen vorübergehend niedergelegt. Das Komitee lud ihn nun ein, seine Arbeit wieder aufzunehmen und seine bis April 2019 andauernde Amtsperiode zu erfüllen.

Die "New York Times" zitiert Díaz nach einer Mitteilung, die von seiner PR-Agentin übermittelt worden sei. "Ich bin dankbar, dass die Untersuchung die Wahrheit herausgefunden hat", sagt Díaz demnach: "Ich freue mich darauf, die wichtige Arbeit für die Pulitzers wieder aufzunehmen." Er lobte die Gründlichkeit und Entschlossenheit, mit der die Kanzlei die Untersuchung durchgeführt habe.

Ein Essay, mehrere Vorwürfe

Im April hatten mehrere Frauen Díaz beschuldigt, sie belästigt zu haben. Die US-Autorin Zinzi Clemmons warf dem Schriftsteller und Hochschullehrer vor, er habe sie im Alter von 26 Jahren, als sie Studentin an der New Yorker Columbia University war, gegen ihren Willen bedrängt und geküsst. Es gebe etliche Frauen, die ihr Schicksal teilen würden. Die Schriftstellerinnen Carmen Maria Machado und Monica Byrne erklärten, Díaz habe sie verbal in wüster und frauenfeindlicher Form attackiert.

Kurz vor Bekanntwerden der Vorwürfe hatte Díaz in einem viel beachteten Essay im Magazin "New Yorker" erklärt, er sei selbst als Achtjähriger vergewaltigt worden. Dies habe einen nachhaltigen schädlichen Einfluss auf sein Leben gehabt. Díaz berichtete unter anderem von Depressionen, Alkoholproblemen, Untreue und einem abschätzigen Umgang mit Frauen.

Im Mai dann hatte Díaz den Vorsitz des renommierten Pulitzerpreis-Komitees abgegeben, den er erst einen Monat zuvor übernommen hatte. Etwas sibyllinisch erklärte er damals, dass er die Verantwortung für seine Vergangenheit übernehme. Man müsse "weitermachen damit, allen Männern beizubringen, was eine Einwilligung ist und wo Grenzen sind".

"Habe Zinzi Clemmons nie geküsst"

In einem Interview mit dem "Boston Globe" hatte der 48-Jährige im Juli dann alle Vorwürfe zurückgewiesen, auch die der Schriftstellerin Clemmons. "Ich habe niemanden geküsst. Ich habe Zinzi Clemmons nicht gegen ihren Willen geküsst. Ich habe Zinzi Clemmons nicht geküsst", zitiert der "Boston Globe", den Schriftsteller. Er sei von den Vorwürfen "erschüttert, verwirrt und verstört" gewesen. Er habe die Frauen nie schikaniert oder unangemessen behandelt.

Mitte Juni hatte bereits das Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) entschieden, Díaz in seinem Lehrkörper zu belassen, nachdem auch dort eine Untersuchung der Vorwürfe keine Informationen erlangt habe, aus denen sich weiterer Handlungsbedarf ergeben hätte.

Der in der Dominikanischen Republik geborene Autor hatte 2008 den Pulitzerpreis für seinen Roman "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" erhalten. In einem SPIEGEL ONLINE -Interview hatte er sich im Jahr 2009 zu Depressionen und seinen Schwierigkeiten mit Frauen geäußert. Beim Schreiben seines prämierten Romans habe er "drei Freundinnen verschlissen", weil er beim Schreiben "so verdammt depressiv und unglücklich" gewesen sei.

feb/AP



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