Junot Díaz US-Starautor gibt nach Belästigungsvorwürfen Pulitzer-Vorsitz ab

Er soll eine Frau gegen ihren Willen geküsst haben, in einem Essay rechtfertigte er sein Verhalten mit seiner Vergewaltigung im Kindesalter: Nun hat der US-Schriftsteller Junot Díaz die Leitung des Pulitzerpreis-Komitees abgegeben.

Junot Díaz
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Junot Díaz


Der international bekannte US-Schriftsteller Junot Díaz ist nach Belästigungsvorwürfen nicht mehr Vorsitzender des Pulitzerpreis-Komitees.

Die Organisation hatte am Donnerstag mitgeteilt, Vorwürfe gegen Díaz unabhängig untersuchen zu lassen. Dem Pulitzer-Leitungsgremium gehöre der Schriftsteller weiterhin an. Den Vorsitz wird vorübergehend Eugene Robinson, ein Kolumnist der "Washington Post", übernehmen.

Der Pulitzerpreis ist einer der renommiertesten Journalismus- und Literaturpreise der Welt. Díaz war erst im vergangenen Monat zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt worden. Seither beschuldigten mehrere Frauen den Autor und Hochschullehrer, sie drangsaliert zu haben.

Díaz will jetzt "zuhören und lernen"

Die US-Autorin Zinzi Clemmons konfrontierte Díaz vor einigen Tagen bei einer persönlichen Begegnung bei einem Literaturfestival im australischen Sydney mit diesem Vorwurf. Sie berichtete dann wenig später auf Twitter, Díaz habe sie im Alter von 26 Jahren gegen ihren Willen bedrängt und geküsst, als sie Studentin an der New Yorker Columbia University war. Es gebe etliche Frauen, die ihr Schicksal teilten. Die Schriftstellerinnen Carmen Maria Machado und Monica Byrne warfen Díaz ebenfalls via Twitter vor, sie verbal in wüster und frauenfeindlicher Form attackiert zu haben.

"Ich übernehme die Verantwortung für meine Vergangenheit", sagte der in der Dominikanischen Republik geborene Autor der "New York Times". In einem gleichlautenden Statement, das sein Agent verbreitete, räumt er die erhobenen Vorwürfe nicht ein.

Er erklärte, er wolle "zuhören und aus den Geschichten der Frauen lernen". Mit Bezug auf die #MeToo-Debatte erklärte Díaz, es handle sich um "eine essenzielle und überfällige Bewegung". Man müsse "weitermachen damit, allen Männern beizubringen was eine Einwilligung ist und wo Grenzen sind".

Díaz sprach mit SPIEGEL ONLINE über "verschlissene" Freundinnen

Im April hatte Díaz in einem viel beachteten Essay im Magazin "New Yorker" erklärt, er sei selbst als Achtjähriger vergewaltigt worden. Dies habe einen nachhaltigen schädlichen Einfluss auf sein Leben gehabt. Díaz berichtete unter anderem von Depressionen, Alkoholproblemen, Untreue und einem abschätzigen Umgang mit Frauen.

Clemmons, welche die bislang am schwersten wiegenden Vorwürfe gegen Díaz erhoben hat, erklärte auf Nachfrage via Twitter, der Autor habe den New-Yorker-Essay als Vorsichtsmaßnahme veröffentlicht, weil er die Anschuldigungen habe kommen sehen.

Bereits 2009 hatte sich Díaz in einem SPIEGEL-ONLINE-Interview zu Depressionen und seinen Schwierigkeiten mit Frauen geäußert. Während des Schreibens seines Romans "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" habe er "drei Freundinnen verschlissen", weil er beim Schreiben "so verdammt depressiv und unglücklich" gewesen sei.

Díaz hatte 2008 für den Roman selbst den Pulitzerpreis gewonnen. Er erzählt darin eine zwischen der Dominikanischen Republik und dem US-Ostküstenstaat New Jersey pendelnde Familiengeschichte. In ihrem Mittelpunkt steht ein übergewichtiger Heranwachsender, der sozial isoliert ist und sich in eine Parallelwelt aus Comics, Fantasyromanen und Science-Fiction flüchtet.

cht/AFP



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