"Jurassic Park" Bestseller-Autor Michael Crichton gestorben

Er schrieb unheimliche Science-Fiction-Thriller, die zu Welterfolgen wurden: Michael Crichton, Autor von Bestsellern wie "Jurassic Park", Schöpfer der TV-Serie "Emergency Room", ist im Alter von 66 Jahren gestorben.


New York - Der Bestseller-Autor Michael Crichton ist tot. Wie die Familie Crichtons am Mittwoch mitteilte, starb der Schriftsteller am Dienstag in Los Angeles. Er habe seit längerem an Krebs gelitten, hieß es. Mit seinen Büchern habe Michael Crichton Menschen aller Altersgruppen inspiriert, Wissenschaftler immer wieder herausgefordert und Licht auf die Geheimnisse einer Welt geworfen, die wir nicht immer verstehen, erklärte die Familie.

Schriftsteller Crichton (1993): Licht auf die Geheimnisse der Welt geworfen
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Schriftsteller Crichton (1993): Licht auf die Geheimnisse der Welt geworfen

Tatsächlich begann der Harvard-Absolvent, der eigentlich Mediziner werden wollte, schon früh, sich für den Science-Part der Science Fiction zu interessieren. Früh verfasste er - unter anderem unter dem Pseudonym Jeff Hudson - Romane und drehte einige Genre-Klassiker fürs Kino, darunter den utopischen Western "Westworld" und den Verschwörungsthriller "Coma" mit Michael Douglas.

Den literarischen Durchbruch erlebte er 1969 unter seinem eigenen Namen mit dem Science-Fiction-Roman "Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All", der später ebenfalls verfilmt wurde. Steven Spielberg verhalf Crichton in den neunziger Jahren endgültig zu Weltruhm, als er dessen Saurier-Phantasie "Jurassic Park" sowie deren Nachfolger "The Lost World" verfilmte. Der Regisseur würdigte Crichton als Freund und langjährigen Wegbegleiter. "Sein Talent war größer als seine Dinosaurier in 'Jurassic Park'", schrieb Spielberg.

Crichton habe die einmalige Gabe gehabt, Wissenschaft mit großen szenischen Konzepten zu verbinden und damit der Welt der Dinosaurier Glaubwürdigkeit verliehen, sagte der Filmemacher. "Er war eine sanfte Seele, die ihre extravagante Seite für die Romane aufhob. Es ist niemand in Sicht, der jemals seinen Platz einnehmen könnte."

Grusel der Authentizität

Das Bestechende an Crichtons Büchern: Dank akribischer Recherche verschaffte er seinen Romanen einen pseudo-wissenschaftlichen Anstrich und verlieh den in die Zukunft gedachten technologischen Entwicklungen seiner Geschichten den Grusel der Authentizität.

Bei aller Begeisterung für Technologie und Fortschritt blieb Crichton jedoch stets ein Mahner: Ob "Jurassic Park", der Nano-Partikel-Horror von "Prey" oder der Ökoterrorthriller "State of Fear" ("Welt in Angst", 2004) - fast immer gerieten die technischen Entwicklungen und Experimente der näheren Zukunft, die er sich ausmalte, außer Kontrolle und verursachten jene Katastrophen, mit denen der Autor sein Publikum fesselte und gleichzeitig vor aus den Ruder laufenden Forschungen warnte.

Dass er auch außerhalb des Thriller-Genres wirken konnte, bewies Crichton Mitte der Neunziger, als er die erfolgreiche TV-Serie "ER - Emergency Room" schuf, die das Genre der Hospital-Soap auf spannende Weise neu definierte und ihm einen Emmy-Award bescherte. Crichton, der als Roman- und Filmautor sowie als Regisseur stets mehrgleisig fuhr, verkaufte mehr als 150 Millionen Bücher und gehörte neben John Grisham und Stephen King zu den Bestsellern des Thriller-Genres.

bor/AFP



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