Kat Kaufmanns "Superposition" Russisches Gedeck in Berlin

Izy, wilde Izy: Die Berliner Literatur-Newcomerin Kat Kaufmann porträtiert in ihrem ersten Roman Berliner Boheme-Existenzen, die außer im Nachtleben nirgendwo zu Hause sind.

Kat Kaufmann: Gemischtdeutsche aus dem Land, das einmal Sowjetunion hieß
Alexey Kiselev

Kat Kaufmann: Gemischtdeutsche aus dem Land, das einmal Sowjetunion hieß


Sie ist Jazzpianistin, spielt unangenehme Gigs auf Firmenfeiern und arbeitet außerdem auch als musikalische Leiterin eines Balletts: Izy Lewin, die Heldin in Kat Kaufmanns Debütroman "Superposition". Sie sehnt sich nach einem Mann, der Timur Hertz heißt, ausgerechnet - dabei ist ihr Herz doch immer kurz vor dem Brechen, denn er liebt sie nur so halb zurück. Timur hat eine original deutsche Freundin, die er nicht verlassen mag. Timur und Izy sind Gemischtdeutsche, sie stammen beide aus dem Land, das einmal Sowjetunion hieß.

Dass Timur-Sehnen gesellt sich im Falle Izys zu dem Sehnen nach Zugehörigkeitsgefühl (und ist dasselbe), zum Bewusstsein für das Erbe der Herkunft. "Ich hab die fruchtbare Saat und Sonne der Ukraine, die unendliche heiße Kälte Russlands, den Nachlass des hebräischen Wüstenvolks - alles drin in mir, alles immer dabei".

"Superposition" ist ein Heimatbuch, ein Berlinbuch, ein Einwandererbuch - und es ist ein ausgezeichnetes Buch: Im Herbst erhielt es den "Aspekte"-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Debüt des Jahres. Die 1981 in St. Petersburg geborene Kat Kaufmann gehört zu einer ganzen Riege (Bronsky, Grjasnowa, Haratischwili) von Autorinnen, die aus dem Osten in die deutsche Sprachgemeinschaft immigriert ist.

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In "Superposition" erzählt Kaufmann von der Berliner Boheme (die man mögen kann oder nicht) und einer jungen Frau, die sich bewusst an jene verschwendet. Essen tut sie praktisch nichts, dafür trinkt Izy umso mehr: am liebsten Russisches Gedeck, Wodka und Kaffee. Die Tage, Nächte und Partys ziehen an ihr vorbei, ohne dass sie einen Halt fände, auch nicht in den pathetischen Dialogen mit der Peergroup. Die durchaus problematische Existenz ihrer Heldin schildert Kaufmann streng durch deren Augen. Was so entsteht, ist der Sound eines Lebensgefühls - und doch auch das Altbekannte: Seinen Platz in der Welt zu finden, ist nicht leicht und manchmal sogar brutal. Kat Kaufmann begegnet dieser Herausforderung mit rotziger Attitüde.

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