Von Felix Bayer
Augsburg/Hamburg - "Die Geschäftsführung von Weltbild verbannt seit Wochen lückenlos dem katholischen Verständnis widersprechende Schriften": So äußerte sich der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch Anfang der Woche über die in Ungnade gefallene katholische Verlagsgruppe, die nach einem Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz, der Zollitsch vorsitzt, verkauft werden soll.
Grund für die Verkaufspläne ist, dass Weltbild in seinen Internetshops erotische und esoterische Bücher verkauft hatte. Dies hatte sogar Papst Benedikt XVI. auf den Plan gerufen, der im November dazu aufrief, die Verbreitung solchen Materials "energisch einzuschränken".
Doch der Verkauf der Verlagsgruppe Weltbild, zu der auch Buchhandlungen der Marken Hugendubel, Weiland, Jokers und Wohlthat gehören, soll "nicht als Schnellschuss in den nächsten Monaten" vonstatten gehen, so Zollitsch. Die katholische Kirche habe "eine soziale und menschliche Verantwortung", deshalb sollten beim Verkauf möglichst viele Arbeitsplätze erhalten werden. Bis dahin soll die Verlagsgruppe aktiv bleiben, das Angebot aber von dem beanstandeten Teil des Sortiments befreit werden.
Hierbei allerdings ist ein neues Hindernis aufgetreten: Jüngst hat sich Weltbild über die Handelstochter DBH Buch Handels GmbH & Co. KG zu 50 Prozent in den Online-Kiosk Pubbles eingekauft. Pubbles verkauft neben elektronischen Versionen von Zeitschriften und Zeitungen auch E-Books - und zwar das volle Programm.
Wie der Branchendienst "Werben & Verkaufen" feststellte, finden sich bei der Suche nach dem Stichwort "Erotik" 376 Titel im Angebot von Pubbles, darunter so pikante wie "Tessy und die Hörigkeit der Malerin", "Sexuelle Disziplinierung der Frau" oder "Anal Fantasie". Die katholische Bischofskonferenz wollte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE keine Stellungnahme dazu abgeben und verwies auf die Verlagsgruppe Weltbild.
Viel Arbeit also für die inzwischen geübten Sortimentssäuberer von der (noch) katholischen Verlagsgruppe? Wenn das so einfach wäre. Schließlich gibt es bei Pubbles mit den Club-Geschäften und der Gruner+Jahr-Tochter Deutscher Pressevertrieb (DPV) zwei weitere Anteilseigner aus dem Bertelsmann-Konzern, die weltanschaulich neutral sind und auf die Umsätze aus den Erotiktiteln womöglich ungern verzichten würden.
Auf Anfragen von SPIEGEL ONLINE gab es offenbar größeren Abstimmungsbedarf unter den Pubbles-Gesellschaftern. Erst 24 Stunden später teilten Weltbild, Bertelsmann Club-Geschäfte und DPV mit: "Gemeinsam mit der neuen Geschäftsführung werden die Gesellschafter auch die programmliche Ausrichtung von Pubbles in der kommenden Zeit - unter Berücksichtigung der Wertvorstellungen aller Gesellschafter - besprechen."
Oder auch: Müssen wir mal drüber reden. Die ganze Sache würde sich natürlich von selbst regeln, wenn für Weltbild ein Käufer gefunden würde - doch die Bischöfe wollen ja aus guten Gründen nicht "auf überhastete Weise verkaufen" (Erzbischof Zollitsch). Auch wenn der Verlag sie noch manchmal Nerven kosten dürfte.
Mit Material von dpa
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