Nobelpreis für Kazuo Ishiguro "Hoffe, es ermutigt die Kräfte des Guten"

Zuerst hielt er die Nachricht, er werde den Literaturnobelpreis bekommen, "für Fake News": Kazuo Ishiguro fühlt sich geehrt durch die Auszeichnung - und verspricht, sie auch entgegenzunehmen.

Kazuo Ishiguro im Garten seines Hauses
HALL/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Kazuo Ishiguro im Garten seines Hauses


Der diesjährige Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro wusste noch nichts von seiner Auszeichnung, als sein Name in Stockholm verkündet wurde. Sie habe ihn zuvor nicht erreicht, sagte Jury-Chefin Sara Danius dem schwedischen Radio. "Ich werde versuchen, ihn jetzt anzurufen."

Zur gleichen Zeit hielt der britische Autor die Nachricht von seinem Literaturnobelpreis zunächst für einen Scherz. "Als mein Agent mir davon erzählt hat, dachte ich, ich wäre ein Opfer von Fake News", sagte Ishiguro Reportern im Garten seines Hauses in Nord-London. Er habe zunächst keinen Kontakt zum Nobel-Komitee gehabt und sei deshalb nicht sicher gewesen, ob es stimme, sagte er der BBC.

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Die Auszeichnung sei absolut schmeichelhaft. "Es ist eine große Ehre, vor allem, weil es bedeutet, dass ich in die Fußstapfen der größten Autoren trete, die es gab", sagte der 62-jährige Brite mit japanischen Wurzeln. Er hoffe, die Nobelpreise könnten Gutes in einer Welt bewirken, die sich ihrer Werte unsicher sei, ihrer Führung und ihrer Sicherheit. Er hoffe, die Tatsache, dass ihm diese große Ehre zuteil werde, könnte, "und wenn auch nur auf kleinste Weise, die Kräfte des Guten ermutigen."

Kurz nach der Verkündung hatte die Nobel-Jury Ishiguro dann doch erreicht. Er sei sehr dankbar gewesen, sagte Jury-Chefin Sara Danius der Deutschen Presse-Agentur. Und er habe versprochen, anders als sein Vorgänger Bob Dylan, zur Preisverleihung am 10. Dezember nach Stockholm zu kommen.

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Kazuo Ishiguro schilderte Danius' Anruf als den "einer sehr netten Dame aus Schweden, die mich zunächst fragte, ob ich den Preis akzeptiere". Er sei überrascht gewesen, wie formlos das gewesen sei: "Es war, als hätten sie mich zu einer Art Party einladen wollen und Sorge gehabt, ich könnte die Einladung ablehnen."

Jury-Chefin Sara Danius beschrieb Ishiguro als Mix zwischen Jane Austen und Franz Kafka. Er habe die Sittenkomödie und die psychologische Einsicht Austens zusammengefügt mit Kafkas Erkundung existenzieller Absurdität des Alltags.

Ishiguro-Bücher in der Schwedischen Akademie
AFP

Ishiguro-Bücher in der Schwedischen Akademie

Der Münchner Blessing Verlag ist von der Vergabe des Literaturnobelpreises an seinen Autor überrascht worden. "Das hat uns völlig aus dem Off erwischt", sagte Verlagsleiter Holger Kuntze am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Ishiguro sei schon oft als preiswürdig gehandelt worden, aber diesmal auf keiner Liste aufgetaucht.

Der Autor habe den Preis mehr als verdient, sagte Kuntze weiter. "Das ist ganz, ganz großartig, eine unfassbar gute Entscheidung!" Der 62-Jährige sei nicht nur ein fantastischer Autor, sondern auch ein unglaublich toller Mensch - interessiert, bescheiden und offen.

feb/dpa/Reuters/AP

insgesamt 3 Beiträge
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Europa! 05.10.2017
1. Ermutigung
Sein Wunsch hat sich schon erfüllt: Ich hoffe jetzt noch dringlicher, dass endlich Philip Roth den Nobelpreis erhält.
blueberryhh 05.10.2017
2. ach ja...
sicherlich ein hervorragender Schriftsteller, aber ich hätte es dem anderen Japaner noch mehr gegönnt ...
victoria101 05.10.2017
3. Erstaunlich:
Ich kannte tatsächlich eines seiner Bücher und es hat mir auch noch gefallen! Das ist mir noch nie passiert! Das Zeitalter der Dystopien, wa?
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