Kehlmann-Gesprächsband Requiem für einen Hund

Von Daniel Kehlmann wissen wir, dass er die Simpsons mag und mit "Die Vermessung der Welt" beinahe jeden verfügbaren Literaturpreis abgeräumt hat. In einem neuen Gesprächsband plaudert der Bestsellerautor über Haustiere, Ruhm und die Macht der Ironie.

Von Silja Ukena


Wenn in ein paar Wochen Daniel Kehlmanns neuer Roman in den Handel kommt, der erste nach seinem internationalen Erfolg "Die Vermessung der Welt", ist die flächendeckende Medienpräsenz von Autor und Buch bereits vorprogrammiert. In dieser Ruhe vor dem Ansturm ist jetzt ein schmales Bändchen erschienen, das zu lesen sich selbst dann lohnt, wenn man an Kehlmann als Person gar kein Interesse hat.

Kehlmann-Buchcover: Eine Art Langzeit-Interview

Kehlmann-Buchcover: Eine Art Langzeit-Interview

"Requiem für einen Hund" heißt der Titel aus der Reihe "Fröhliche Wissenschaft" im Verlag Matthes & Seitz Berlin. Es handelt sich dabei um eine Art Langzeit-Interview, das der Publizist Sebastian Kleinschmidt im Februar 2008 mit Kehlmann in Berlin geführt hat. Und tatsächlich vereinen sich darin Humor und wissenschaftliche Intellektualität aufs Schönste. Unter dem Tisch immer mit dabei war Kehlmanns (inzwischen verstorbener) Hund Nuschki, eine vom Alter zerzauste, aber charakterlich unangefochtene Promenadenmischung, die zum Ausgangspunkt des Gespräches wurde.

Jedoch geht es in den zwölf kurzen Kapiteln nicht nur um den Hund und seine Beziehung zum Menschen, sondern vor allem um wichtige Fragen der Existenz: Sind Insekten niedlich? (Nein, denn auf jeden Menschen kommen etwa eine Million). Warum nerven Schauspieler? Hat Gott Humor? Ist der Tod ein Skandal? Und warum gibt es eigentlich deutsches Regie-Theater? Schopenhauer kommt vor, Alexander von Humboldt, Goethe natürlich, Ernst Jünger, Karl Kraus, Tolstoi.

Doch das lockere, manchmal mit bissigem Humor durchsetzte Gespräch und die Offenheit der beiden Autoren verlangen dem Leser nicht ab, dies alles ebenfalls zitierfähig im Kopf haben zu müssen. Vielmehr profitiert er angenehm von der Belesenheit, die den 33-jährigen Kehlmann und den 27 Jahre älteren Kleinschmidt miteinander verbindet.

Im letzten Kapitel geht es um das Thema "Ruhm". Darin sagt Kehlmann: "Es stimmt nicht, dass Erfolg den Charakter verdirbt. Erfolg ist gut für den Charakter. Er ist schlecht für die Intelligenz. Misserfolg macht klug und bitter. Erfolg macht freundlich und dumm. Man neigt dazu, die Dinge weniger scharf wahrzunehmen, weniger aufmerksam, durch einen Schleier liebenswürdiger Selbstzufriedenheit."

Ob das auch für ihn selbst gilt, wird sich am 16. Januar zeigen. Dann erscheint sein neuer Roman, der übrigens den Titel "Ruhm" trägt.


Buch Daniel Kehlmann/Sebastian Kleinschmidt: "Requiem für einen Hund". Matthes & Seitz Berlin; 129 Seiten; 12,80 Euro.

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