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"Der Lorax": Der Doktor und das gelbe Vieh

Von Maren Keller

Endlich: "Der Lorax" ist wieder da, als Neuübersetzung und als Kinofilm. Dr. Seuss' Kinderbuch-Klassiker ist aktueller denn je: Ein Wesen mit Schnurres und schlechter Laune kämpft gegen die Umweltzerstörung.

Kinderbuch-Klassiker "Der Lorax": Wesen mit Bart findet Abholzung hart Fotos
Dr. Seuss/ Kunstmann

Teil eins: Wie der Lorax verschwand

Der Lorax lebte in einer Welt, in der es Schwippschwäne gab und Trüffelabäume mit Blätterkronen so puffig wie Zuckerwatte. Von den Trüffelanüssen der Trüffelabäume aßen kleine Tierchen mit dem Namen Braunfelliwullis, gekleidet in Braunfellipullis. Es gab summende Summerfische in den Teichen und alle möglichen anderen Seltsamkeiten, die sich nur wirklich gute Kinderbuchautoren ausdenken können. In diesem Fall war es sogar der größte und großartigste amerikanische Kinderbuchautor und -illustrator des 20. Jahrhunderts. Theodor Seuss Geisel heißt der Mann, der sich diese Welt ausgedacht hat und dessen Bücher sich allesamt lesen wie eine Mischung aus Janosch und Ringelnatz. Seuss ist ein Meister der Allegorien und der Albernheiten.

Berühmt geworden ist er als Dr. Seuss und mit ihm seine unverwechselbaren Figuren: da ist der weihnachtshassende Grinch, dessen Herz zwei Konfektionsgrößen zu klein geraten ist, den Kater mit Hut oder Horton, der ein Hu hört. Und dann ist da eben auch der Lorax mit seinem Schnurrbart und seiner schlechten Laune, der für die Bäume spricht, weil sie selbst es nicht können, als ein gieriger Entrepreneur erst einen Baum abholzt und dann immer mehr, um aus ihnen ein Produkt zu stricken, das kein Mensch braucht, bis alle Menschen dieses Produkt haben und kein Baum mehr steht, und keine Trüffelanüsse mehr für die Braunfelliwullis da sind, die Summerfische die Teiche verlassen, die Schwippschwäne davonfliegen -und zuletzt auch der Lorax verschwindet.

Teil zwei: Wie der Lorax wiederkam

Der Lorax ist eine große und bunte Fabel über die Folgen des maßlosen Konsums und den Wert der Nachhaltigkeit. 1971 kam das Buch in den USA heraus. Dr. Seuss selbst soll einmal gesagt haben, er halte es für sein bestes Werk. Heute erscheint die Geschichte erstens aktueller denn je - und zweitens als Film: Diese Woche wird der Lorax in Deutschland in die Kinos kommen. In den USA ist er bereits im März angelaufen, und schon am Startwochenende spielte er dort mehr als 70 Millionen Dollar ein.

Und auch wenn der Film einige Großartigkeiten enthält (Taylor Swift! Und Danny DeVito, der die deutsche Stimme des Lorax ist - und die italienische und die spanische und die russische!), so ist das Schönste an ihm doch, dass er dem Kunstmann Verlag als Anlass diente, eine Neuübersetzung des Lorax herauszubringen.

Die ist von Nadia Budde, die schon zweimal für eigene Bücher den Jugendliteraturpreis bekommen hat und für den Lorax durchgehend hüpfend-herzige Verse schreibt, die dem Original locker das Wasser reichen und lange nicht so glatt sind wie die Bilder des Kinofilms. Seit 1976 war der Lorax in Deutschland vergriffen. Wie schön, dass er endlich zurück ist. Und wie viel schöner wäre es, wenn er diesmal sogar bleiben könnte.

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1.
thelix 16.07.2012
Ein wunderschönes Buch, von dem ich als Kind nie genug bekommen konnte. Genau so, wie von den Schnipfen mit dem Stern und der Zasche in meiner Tasche. Ohne Dr. Seuss wäre ich heute mit Sicherheit nicht der, der ich bin. Allerdings hat sich in den Artikel ein kleiner Fehler eingeschlichen: Die meisten Bücher von Dr. Seuss sind vor zwölf Jahren nochmal von Rogner & Bernhard (bei 2001) aufgelegt worden, darunter eben auch "Der Lorax" im Verbund mit "Wie schön! Soviel wirst Du sehen!".
2. ...
peterregen 16.07.2012
Zitat von sysopDr. Seuss/ KunstmannEndlich: "Der Lorax" ist wieder da, als Neuübersetzung und als Kinofilm. Dr. Seuss' Kinderbuch-Klassiker ist aktueller denn je: Ein Wesen mit Schnurres und schlechter Laune kämpft gegen die Umweltzerstörung. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,844308,00.html
Aber der Herr Öttinger sagt doch, wir müssen die Industrialisierung voran treiben, sonst geht unser Wohlstand den Bach runter. Wer hat denn jetzt recht?
3. optional
Beorn 17.07.2012
@peterregen: Ich glaube, Wohlstand ist nicht nötig, um glücklich zu sein und dies ist es doch, was zählt.
4. 2000 und 2012 - grauenvolle Neuübersetzungen
jandra2012 12.08.2012
Nachdem schon die Übersetzung von 2000 (Verlag: Rogner & Bernhard) durch merkwürdige Neukreationen geglänzt hatte, setzt Nadja Budde nun noch einen drauf. Warum mußte diese zauberhafte Geschichte um Umweltzerstörung und den Drang der Menschen, sich selbst über die Natur zu stellen überhaupt neu übersetzt werden? Die liebenswerte Fassung von Hans A. Halbey, die im Jahre 1974 im Ravensburger Verlag erschienen ist, hatte den Zauber von Dr. Seuss' Geschichte eingefangen, wie es wohl kaum noch einmal möglich sein wird. Zum Vergleich: Original 1971: Swommy-Swans, Brown-Barbaloots, Barbaloot-Suits Hans A. Halbey 1974: Schwommi-Schwäne, Braunbarbalusen, Barbalusblusen Neue deutsche Übersetzung 2000: Schrumm-Schwäne, Bar-Baka-Luten, Schnuten Neue deutsche Übersetzung 2012: Schwipp-Schwäne, Braun Felli-Wellis, Braunfellifüße Vielleicht hätten sich die beiden Damen, die diese Neuübersetzungen verbrochen haben einfach mal die alte Version durchlesen sollen. Die beiden neuen Varianten haben gegen den Charme der '74er Version jedenfalls keine Chance. Schade, aber vielleicht besinnt sich ja doch noch einmal ein Verlag darauf, die Version von '74 neuaufzulegen und uns die Version von Hans A. Halbey noch einmal zu schenken... Das wäre, was die Braunbarbalusen, die Schwommi-Schwäne und der Lorax verdient hätten... Vielleicht zum 50. Jubiläum...
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