Kinderbuch "Du siehst aus wie eine Giraffe"

Noch eine Show-Biz-Mutter, die schreibt: Die US-Schauspielerin Julianne Moore hat in dem Bilderbuch "Sommersprossenfeuerkopf" ihr Schicksal als rothaariges Kind verarbeitet.

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Es sei ihr ein bisschen peinlich, sagt die amerikanische Schauspielerin Julianne Moore, 48, dass sie nun auch zu diesen Show-Biz-Mums gehöre, die Kinderbücher schrieben. "Aber ich wollte publiziert werden, denn als Kind habe ich Bücher geliebt, und ich liebe sie immer noch."

Also hat sie sich nicht abhalten lassen von Konkurrenz wie Madonna, Jamie Lee Curtis und Julie Andrews. Gemeinsam mit dem Illustrator LeUyen Pham hat sie ein Bilderbuch auf den Markt gebracht: "Sommersprossenfeuerkopf" lautet der Titel der gerade erschienenen deutschen Ausgabe, und das ist auch der Spottname der siebenjährigen Protagonistin, die unter ihren roten Haaren und ihren vielen Sommersprossen leidet. Denn ihretwegen wird sie dauernd von Mitschülern gehänselt: "Riechen die?" "Du siehst aus wie eine Giraffe..." "Ist das Dreck?"

Das Mädchen versucht, die Punkte loszuwerden. Aber egal, ob sie nun die Haut schrubbt, mit Zitronensäure verätzt oder die Sommersprossen mit einem Filzstift übermalt – nichts hilft. Da kommt sie auf den Gedanken, sich für immer unter einer Skimaske zu verstecken.

Das seien alles ihre eigenen Erfahrungen, sagt die auch heute noch sommersprossige Autorin Moore, die als Kind den ausgesprochen ungeliebten Spitznamen "Freckleface Strawberry" trug. Aber die Persönlichkeit der Protagonistin entspreche mehr der ihrer eigenwilligen Tochter Liz. Natürlich geht es in dem Bilderbuch nicht wirklich um Sommersprossen, sondern darum, dass auch oder vielleicht sogar gerade der Makel – abstehende Ohren, X-Beine oder große Füße – die Menschen zu liebenswerten Individuen macht. Die Illustrationen sind schwungvoll und niedlich, aber zum Glück nicht süßlich.

Gut, die Erkenntnis, dass die Abweichung interessanter ist als die Norm, ist nicht wirklich überraschend. Und dass man mit roten Haaren und Sommersprossen vor allem für Kinder ein Held sein kann, gehört spätestens seit Pippi Langstrumpf zum Allgemeinwissen. Aber manche Dinge kann man nicht oft genug sagen, und außerdem kommt es auch darauf an, wie man sie sagt. Julianne Moore jedenfalls hat aus einer einfachen Erkenntnis ein sympathisches Kinderbuch gemacht.


Julianne Moore, LeUyen Pham (Illustrationen): "Sommersprossenfeuerkopf". Aus dem amerikanischen Englisch von Beatrice Howeg. Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher, Berlin; 40 Seiten; 12,90 Euro.



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