Kindheitsroman "Rabenliebe" Ingeborg-Bachmann-Preis für Peter Wawerzinek

Von den Eltern in einem DDR-Waisenhaus alleingelassen erlebt Peter Wawerzinek seine Kindheit einsam, traurig, als ewigen Winter. Für die erschütternde Geschichte über diese Zeit wurde dem Schriftsteller der 34. Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen.

Preisträger Wawerzinek: Die Eltern ließen ihn in einem DDR-Waisenhaus zurück
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Preisträger Wawerzinek: Die Eltern ließen ihn in einem DDR-Waisenhaus zurück


Wien - Er ist so mager, dass die anderen Kinder ihn als "Weberknecht" verspotten. Die Erzieher stufen ihn als zurückgeblieben ein. "Mein Leben kennt keine andere Jahreszeit als den Winter", schreibt Peter Wawerzinek in "Rabenliebe" über seine Kindheit in einem DDR-Waisenhaus. Für den erschütternden Text bekam der Schriftsteller am Sonntag den mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen.

"Rabenliebe" sei "nicht perfekt und nicht makellos, sondern dem eigenen Lebensstoff im schmerzlichen Prozess abgerungen", so umschrieb die Literaturkritikerin Meike Feßmann das Werk in ihrer Laudatio. Es beschreibe die "Spuren einer Lebensverletzung".

Zum 34. Mal traten Autoren bei dem Literatenwettstreit in Klagenfurt an, um aus bislang unveröffentlichten Prosatexten vorzulesen. In diesem Jahr nahmen 14 Autoren teil, darunter 9 Deutsche. Die Preisträger von vier der insgesamt fünf vergebenen Auszeichnungen sind Deutsche. Der von der Stadt Klagenfurt gestiftete Hauptpreis, der mit 25.000 Euro dotiert ist, gilt seit seiner Gründung 1977 als eine der wichtigsten Literaturehrungen im deutschsprachigen Raum. Er ist nach der in Klagenfurt geborenen Dichterin Ingeborg Bachmann (1926-1973) benannt.

Der 1954 in Rostock geborene Schriftsteller Wawerzinek überzeugte mit den berührenden Erinnerungen an seine Kindheit nicht nur die von Burkhard Spinnen geleitete siebenköpfige Fachjury, sondern auch die Zuhörer, die ihm zusätzlich per Internetabstimmung den Publikumspreis verliehen. Der heute in Berlin lebende Schriftsteller hat bereits in vielen Berufssparten gearbeitet, nachdem er sein Kunststudium abgebrochen hatte. Unter anderem war er Totengräber und Tischler, in den 80-er Jahren Performance-Künstler und Stegreifpoet. Den Preis nahm er am Sonntag sichtlich bewegt entgegen.

Den mit 10.000 Euro dotierten Kelag-Preis erhielt die Schweizerin Dorothee Elmiger für ihren Text "Einladung an die Waghalsigen". Sie war Wawerzinek zuvor bei der Stichwahl im zweiten Wahlgang mit drei zu vier Jurystimmen unterlegen. Der mit 7500 Euro dotierte 3sat-Preis ging an die in Berlin lebende Judith Zander für ihren Romanauszug "Dinge die wir heute sagten". Der in Gera geborene und in Dublin lebende Aleks Scholz bekam für seinen Text "Google Earth" den mit 7000 Euro dotierten Ernst-Willner-Preis.

ase/ddp/dpa



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