Klage wegen SS-Vorwurf Grass und Jürgs einigen sich auf Vergleich

Der Prozess fällt aus. Günter Grass hatte den Verlag seines Biografen Michael Jürgs verklagt, weil der behauptete, der Nobelpreisträger habe sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet. Jetzt haben sich die Parteien auf einen Vergleich geeinigt - und auf Stillschweigen.

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Der Berliner Grass-Anwalt Paul Hertin bestätigte heute SPIEGEL ONLINE, dass der Nobelpreisträger und die Verlagsgruppe Random House, in deren Goldmann-Verlag Jürgs' Grass-Biografie erschienen ist, sich auf einen Vergleich geeinigt haben. 

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Demnach muss Jürgs die Neuauflage seiner Biografie ergänzen. Der Vergleich im Wortlaut: "Michael Jürgs und Günter Grass kommen darin überein, dass in der Neuauflage der von Jürgs verfassten Grass-Biografie über dessen Zeit als Siebzehnjähriger, die biografische Erzählung 'Beim Häuten der Zwiebel' betreffend, stehen wird: 'Günter Grass schrieb, dass er als siebzehnjähriger Wehrpflichtiger zur Waffen SS-Division Frundsberg eingezogen wurde.'"

Anlass für den nun beigelegten Streit war eine Passage in einer aktualisierten Grass-Biografie von Michael Jürgs, die im Oktober 2007 im Goldmann-Verlag erschienen ist. Dort ist zu lesen: "Günter Grass bekannte, seine Nuss knackend, sich als Siebzehnjähriger freiwillig zur Waffen-SS gemeldet zu haben."

Grass hatte nach einem längeren juristischen Geplänkel im November 2007 mit der Begründung Klage beim Landgericht Berlin eingereicht, die Darstellung in Jürgs' Buch beeinträchtige seine Persönlichkeitsrechte.

Die Klage wandte sich gegen die Behauptung, Grass habe sich freiwillig gemeldet. Der Autor bestand darauf, er sei zur Waffen-SS einberufen worden. In der ersten Version der Biografie aus dem Jahr 2002 kam die strittige Formulierung nicht vor. Jürgs hatte sie für die Neuauflage nachträglich eingefügt, nachdem Grass seinerseits 2006 in der Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel" seine SS-Vergangenheit gebeichtet hatte.

Der für den morgigen Dienstag anberaumte Verhandlungstermin am Landgericht Berlin sei - so Grass-Anwalt Hertin - mit dem Vergleich hinfällig und werde von keiner der beiden Parteien wahrgenommen. Sonstige Details zum Vergleich - etwa zur Kostenregelung - waren nicht zu erfahren: Beide Parteien haben laut Hertin vereinbart, keine weitere Erklärungen gegenüber der Öffentlichkeit abzugeben.



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