Klagenfurter Literaturtage: Todestext verhilft Jung-Autorin zum Bachmann-Preis

Ihr neuer Roman hat noch keinen Titel, wurde aber bereits prämiert: Die 36-jährige Berlinerin Inka Parei hat den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Den Preis der Jury erhielt der Schriftsteller und Journalist Feridun Zaimoglu für seine Erzählung "Häute".

Klagenfurt - Parei, die schon vorab als Favoritin gehandelt wurde, setzte sich am Sonntag als Siegerin bei dem dreitägigen Wettlesen von 18 Kandidaten in Klagenfurt durch. Sie gewann auch den mit 5000 Euro dotierten Publikumspreis, der nach einer Internet-Abstimmung vergeben wurde. Der von Parei vorgetragene Text, der ihrem noch namenlosen neuen Roman entstammt, hatte die neun Juroren beinahe ausnahmslos begeistert. Er handelt von einem alten Mann, der sich auf das Sterben vorbereitet.

Autorin Parei: Klare Jury-Mehrheit für die Autorin, die 1997 mit dem Erstling "Die Schattenboxerin" reüssierte
DPA

Autorin Parei: Klare Jury-Mehrheit für die Autorin, die 1997 mit dem Erstling "Die Schattenboxerin" reüssierte

Der mit 22.500 Euro dotierte Preis gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Er wird seit 1977 jährlich in Gedenken an die österreichische, in Klagenfurt geborene Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973) vergeben.

Den Preis der Jury in Höhe von 10.000 Euro bekam der in Kiel lebende Feridun Zaimoglu. Der 1964 in der Türkei geborene Schriftsteller und Journalist, der sich schon als Autor von "Kanak Sprak" einen Namen gemacht hatte, überzeugte die Juroren mit dem Text "Häute", einer "Dorfgeschichte aus einer archaisch-mythologischen Welt".

Der mit 7500 Euro ausgestattete 3sat-Preis ging an den Hamburger Psychiater Farhad Showghi. Sein lyrischer Text "Die große Entfernung" thematisierte die Suche nach dem Vater. Den von deutschen Verlagen gestifteten Ernst-Willner-Preis wiederum bekommt die in Köln lebende Ulla Lenze. Die 30-Jährige las einen Auszug aus ihrem unveröffentlichten Roman "Bruder und Schwester", der die Reise eines Geschwisterpaares nach Indien beschreibt.

Die in diesem Jahr neu zusammengesetzte Jury unter Leitung der Literaturkritikerin Iris Radisch hat nach Ansicht von Beobachtern die Erwartungen erfüllt, dem Wettbewerb mit lebhaften und fundierten Diskussionen neuen Schwung zu geben. Sowohl die literarische Qualität der Beiträge als auch die Lebendigkeit der Jurydiskussion habe sich im Verlauf der Lesungen beständig gesteigert.

Die vorgestellten Texte spannten einen breiten Fächer an Genres auf, der von märchenhaft-mythologischer Prosa über lyrische Töne und Satire bis zu fantastischen Visionen und bewusst simpler Erzählung reichte. Kommentatoren vermissten allerdings experimentelle Zugänge. In der Jury war das Lager der Kritiker gegenüber Autoren im Vergleich zu den Vorjahren gestärkt worden.

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