"Konsalik des Ostens" Autor Harry Thürk gestorben

In Ostdeutschland erreichte Harry Thürk mit Sex-and-Crime-Büchern Millionenauflagen. Im Westen Deutschlands wurde der Schriftsteller weitgehend ignoriert. Jetzt ist der Autor, 78-jährig, gestorben.


Weimar - Thürk war mit mehr als 50 Romanen, Drehbüchern und Dokumentationen einer der produktivsten deutschen Nachkriegsautoren. Seine Stammleserschaft fand der am 8. März 1927 in Zülz (Oberschlesien) geborene Schriftsteller in Ostdeutschland, in der DDR erreichte er Millionenauflagen. Im Westen blieb er weitgehend unbekannt.

Autor Thürk: "Ich möchte unterhalten"
DDP

Autor Thürk: "Ich möchte unterhalten"

Thürks Werke sind stark von seiner eigenen Biographie geprägt, besonders von seiner Zeit als Soldat und Kriegsberichtserstatter. 1944 wurde er als Wehrpflichtiger eingezogen und war an der Front in den Niederlanden. Nach seiner Rückkehr in die oberschlesische Heimat zog er mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Weimar. Dort arbeitete als Fotoreporter und Journalist und begann seine ersten Geschichten zu schreiben. Als Reporter für verschiedene Zeitungen war er im Vietnam- und im Koreakrieg. Später arbeitete er als Berater für die chinesische Zeitung "China Pictorial". Seine Reisen durch Asien führten ihn auch nach Laos und Kambodscha.

An Thürks literarischer Leistung scheiden sich die Geister. Während der SPIEGEL ihm für seine süffisanten Sexszenen und Altherren-Romantik den Spitznamen "Konsalik des Ostens" verpasste, lobte die Zeitung "Neues Deutschland" seinen "untrüglichen Realitätssinn". Heftig kritisiert wurde Thürk für seinen Roman "Der Gaukler", in dem er dem russischen Schriftsteller Alexander Issajewitsch Solschenizyn als Marionette der CIA darstellte.

Weitere Werke sind der Kriegsroman "Die Stunde der toten Augen", "Das Tal der sieben Monde" und "Der schwarze Monsun". Der Spionagethriller "For Eyes Only" diente als Vorlage für den 1963 von der DEFA gedrehten gleichnamigen Film mit Alfred Müller und Eva Maria Hagen in den Hauptrollen. Viele von Thürks Thrillern spielten in Fernost, so auch seine Krimi-Reihe mit dem Hongkonger Kommissar Lim Tok.

In einem "Zeit"-Interview zu seinem 70. Geburtstag sagte Thürk: "Mein Vorbild ist ein Erzähler auf dem orientalischen Basar. Wenn seine Geschichten gut sind, sitzt eine ganze Traube von Menschen um ihn herum. Wenn er schlecht ist, hört ihm keiner zu. Ich möchte unterhalten."

Der 78-Jährige starb in der Nacht zum Donnerstag in einem Krankenhaus in Weimar nach langer Krankheit.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.