Krimi-Affäre: Steinfeld outet sich als "Sturm"-Autor

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"FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher als Mordopfer - und das ausgerechnet in einem Roman seines Feuilleton-Konkurrenten Thomas Steinfeld? Einen Tag, nachdem diese These den Kulturbetrieb in Aufregung versetzte, nimmt der "SZ"-Kulturchef Stellung. Sein Verlag übt sich in Schadensbegrenzung.

Krimi "Der Sturm": Steinfeld ist Johansson Fotos
DPA/ ZB

Hamburg/Frankfurt am Main - Neue, überraschende Wendung im irrsten Feuilleton-Schauspiel des Sommers: Der Kulturchef der "Süddeutschen Zeitung", Thomas Steinfeld, hat sich am Mittwoch als Ko-Autor des Kriminalromans "Der Sturm" zu erkennen gegeben. "Hinter dem Autoren-Pseudonym Per Johansson verbirgt sich ein Autoren-Duo, zu dem der Kulturjournalist und Autor Thomas Steinfeld gehört", schrieb Steinfeld selbst in einer an die Nachrichtenagentur dpa gerichteten Erklärung.

Vorausgegangen war Steinfelds Geständnis ein am Dienstag erschienener Text in der Tageszeitung "Die Welt", dessen Autor Richard Kämmerlings den "SZ"-Feuilletonisten als den wahren Verfasser des Buchs bezeichnete - und gewichtige Indizien dafür zusammentrug, dass Steinfeld in dem Buch mit einem langjährigen publizistischen Gegner abrechnete: dem "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher.

Die deutschsprachigen Medien griffen die Geschichte schnell auf - in der am Donnerstag erscheinenden "Zeit" mutmaßt Iris Radisch stellvertretend für einen Großteil der Branche: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass Thomas Steinfeld diesen Roman geschrieben hat."

Ereignisse zugespitzt

Diese Wahrscheinlichkeit ist nun Gewissheit: Per Johannsson ist das Pseudonym von Steinfeld, sein Mitautor soll dem Verlag S. Fischer zufolge Martin Winkler sein. Noch nicht abschließend erörtert ist dagegen die These der "Welt", das Mordopfer des Kriminalromans, ein deutscher Journalist namens Christian Meier, trage deutliche Züge des "FAZ"-Herausgebers Frank Schirrmacher. In seiner Erklärung weist Steinfeld die Vermutung zurück, bei dem Buch handle es sich um einen gegen Schirrmacher gerichteten Schlüsselroman.

Der tote Chefredakteur im Buch sei eine "abstrakte, idealtypische Gestalt". Darin seien einige der jüngsten Themen des internationalen Feuilletons und Charakterzüge vieler Kulturjournalisten eingeflossen. Es sei abenteuerlich, diese auf eine lebende Person und zudem auf einen respektierten Journalisten zu übertragen, betont Steinfeld, ohne Schirrmacher namentlich zu nennen.

Man habe keine andere Absicht gehabt, so Steinfeld, als mit Ernst, Können und Humor einen guten Kriminalroman zu schreiben. Alle Ereignisse und Figuren in diesem Roman seien daher fiktiv, viele davon sind artifiziell zugespitzt. Die Gleichsetzung einer Romanfigur mit einer Person des öffentlichen Lebens widerspreche den Grundlagen des Umgangs mit fiktiver Literatur, so Steinfeld.

Zu Steinfelds Gunsten könnte davon ausgegangen werden, dass er das Skandalpotential seines eigenen Romans tatsächlich unterschätzt hat - und mit ihm der Verlag S. Fischer. In einer Stellungnahme bemüht sich Fischer-Chef Jörg Bong nun um Schadensbegrenzung im Verhältnis zur "FAZ": "Wir stellen fest, dass in manchen Rezensionen Stellen des Romans auf eine konkrete Person, auf den Herausgeber der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung', Herrn Dr. Schirrmacher, bezogen werden. Dass dies überhaupt zu einer Lesart werden konnte, bedauern wir zutiefst."

Mit Material von dpa

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