Krimi-Hörspiel "Böses Ende" Das Brodeln der Kaffeemaschine

Ein Prominenter hat Extremsex mit seiner Geliebten, die Affäre nimmt eine brutale Wendung. Erinnert das irgendwie an den Fall Kachelmann? Das Hörspiel "Böses Ende" ist eine gelungene Krimi-Komödie mit dem großartigen Bjarne Mädel in einer Hauptrolle.

"Böses Ende"-Autor Sven Stricker: Spannende und unterhaltsame Inszenierung
Hanna Lippmann

"Böses Ende"-Autor Sven Stricker: Spannende und unterhaltsame Inszenierung

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Jobs in Call-Centern werden völlig unterschätzt. Na gut, dauernd wird man angeraunzt von den Anrufern, die herumpöbeln, weil ihr Gegenüber nur eine Stimme zu sein scheint, und denen diese Triebabfuhr 70 Cent pro Minute wert ist. Aber manchmal passiert etwas Aufregendes. Paul (Florian Lukas) und Kuli (Bjarne Mädel) hören, wie eine Frau von einem Mann bedroht wird. Offenbar hat die Frau schnell die Wahlwiederholung gedrückt, um einen Zeugen zu haben für die Auseinandersetzung. Bevor der vor Wut rasende Mann auflegt, notieren Paul und Kuli die Nummer der Frau. Und ermitteln ihren Namen. Und stecken mitten drin in einem Mordfall.

Denn am nächsten Tag ist die Anruferin Lisa Gerhard tot, und wie Paul und Kuli schnell herausfinden, war sie die Geliebte eines Prominenten. Dieser Henning Bürger hat als Spitzenkandidat der "Friedenspartei" das Image eines sympathischen Streiters fürs Volk, steht privat aber auf Extremsex mit seiner Geliebten. Oder mit seinen Geliebten, denn seine Frau ist mehr an Prada-Schuhen interessiert als an Gummimasken und ähnlichem S/M-Sex-Zubehör. Aber ist Henning Bürger auch ein Mörder?

Ein wenig erinnert der Plot an den Fall Kachelmann, wenn auch mit tödlichem Ausgang. Vermutlich ist genau diese Assoziation vom Autor und Regisseur Sven Stricker beabsichtigt, natürlich mit Augenzwinkern, denn "Böses Ende" ist kein Polit-Promi-Thriller, sondern eine Krimi-Komödie.

Hamburgs Schauspielprominenz in Nebenrollen

Stricker hat 2009 den Deutschen Hörspiel-Preis für die Bearbeitung von Sven Regeners "Herr Lehmann" bekommen, 2010 war er erneut nominiert, und auch "Böses Ende" ist eine spannende und unterhaltsame Inszenierung. Sogar für Nebenrollen konnte er Hamburger Schauspielerprominenz gewinnen, zum Beispiel Lutz Herkenrath als kleinlichen Chef des Call-Centers, Gerd Baltus als brummelnden Kommissar und Kerstin Draeger als temperamentvolle Blumenladen-Besitzerin.

Modern sind die schnellen Schnitte und der minimalistische Einsatz von Geräuschen, die mehr dramaturgische als illustrative Funktion haben. Der mit kalter Stimme geführte Streit des Ehepaars Bürger wird begleitet von einem Brodeln, das an eine verkalkte Kaffeemaschine erinnert und subtil bedrohlich wirkt.

Highlight der Komödie aber ist, wie könnte es anders sein, Bjarne Mädel. So lieb-naiv wie als "Ernie" in der TV-Serie Stromberg spielt er Kuli in "Böses Ende", allerdings mit dem Unterschied, dass Kuli nur fast so lieb-naiv ist, wie er tut. Man möchte Kuli jedenfalls ein gutes Ende wünschen.

Und ein Comeback in einer zweiten Folge.

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