Krimi-Legende Janwillem van de Wetering gestorben

Zen oder die Kunst, Verbrechen aufzuklären: Der Krimiautor Janwillem van de Wetering ließ sich als Romancier stark von fernöstlicher Medititationslehre beeinflussen. Jetzt starb das niederländische Multitalent in den USA - dort, wo sein bekanntester Roman spielt.


Hamburg - Janwillem van de Wetering gilt als einer der bedeutendsten Krimiautoren des 20. Jahrhunderts. Er war mit Romanen wie "Massaker in Maine" sowie Büchern über den Zen-Buddhismus ("Der leere Spiegel", 1981) weltweit bekannt geworden. Der niederländische Schriftsteller starb mit 77 Jahren am vergangenen Freitag in Maine (USA), wie der Rowohlt-Verlag heute mitteilte.

Schriftsteller Janwillem van de Wetering: Weltweiter Erfolg mit "Massaker in Maine"
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Schriftsteller Janwillem van de Wetering: Weltweiter Erfolg mit "Massaker in Maine"

Van de Wetering, Jahrgang 1931, war Sohn eines erfolgreichen Geschäftsmannes aus Rotterdam. Nach einer kaufmännischen Lehre in Kapstadt deutete zunächst wenig auf eine Karriere als Schriftsteller hin.

Im Jahr 1957 begann er Philosophie zu studieren, brach jedoch nach nur einem Jahr ab, um sich im japanischen Kyoto mit Zenmeditation zu beschäftigen. Danach arbeitete er als Händler im Import- und Exportgeschäft in Peru, Kolumbien und den Niederlanden und als Offizier bei der Amsterdamer Polizei.

Nebenher begann der George-Simenon-Verehrer van de Wetering zu schreiben, im Jahr 1974 erschien sein erster Krimi. Die Hauptfiguren seiner Krimis waren fiktive Amsterdamer Kriminalpolizisten - sein namenloser "Commissaris" löste seine Fälle zusammen mit seinem übergewichtigen, von Familiensorgen geplagten Adjutanten Grijpstra und dem jungen Brigadier und Katzenliebhaber de Gier.

Wohl aufgrund von van de Weterings eigenem Interesse an Zen-Philosphie waren die Polizisten in seinen Romanen allesamt recht gelassene Zeitgenossen. 1984 wurde er mit dem französischen Grand prix de littérature policière ausgezeichnet.

In den neunziger Jahren arbeitete der Schriftsteller, der die amerikanische und niederländische Staatsangehörigkeit besaß, als Herausgeber japanischer Krimi-Sammelbände. Einen Namen machte er sich außerdem als Übersetzer und Bildhauer.

sto/dpa



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