Vorlese-Ratschläge für Eltern: Ministerin Schröder schafft den "Negerkönig" ab

Sind Grimms Märchen sexistisch? Ist "Pippi Langstrumpf" rassistisch? Familienministerin Schröder fühlt sich auch für elterliche Vorleseprobleme zuständig. In einem Interview verriet sie nun, dass bei ihr ein "Südsee-König" Taka-Tuka-Land regiert - und "das liebe Gott" im Himmel wohnt.

Ministerin Schröder: Politisch korrektes Vorlesen Fotos
Oetinger

Vor diese Hürde sieht sich jedes Elternteil beim Vorlesen des Kinderbuchklassikers "Pippi Langstrumpf" gestellt: Wie gehe ich mit dem Wort "Negerkönig" um? Als solcher wird nämlich Pippis Vater bezeichnet, der Seemann, der zum Regenten im Taka-Tuka-Land wurde. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat da offenbar eine klare Haltung: Sie will diskriminierende Begriffe sofort entschärfen, wenn sie ihrer anderthalb Jahre alten Tochter vorliest.

Wenn etwa Pippi Langstrumpfs Vater Efraim als "Negerkönig" bezeichnet werde oder Jim Knopf als "Negerbaby", dann werde sie dies bei ihrer Tochter Lotte "synchron übersetzen, um mein Kind davor zu bewahren, solche Ausdrücke zu übernehmen. Auch ohne böse Absicht können Worte ja Schaden anrichten", sagte sie der Wochenzeitung "Die Zeit". Wenn das Kind älter sei, würde sie erklären, "was das Wort 'Neger' für eine Geschichte hat und dass es verletzend ist, das Wort zu verwenden".

Die vor 200 Jahren erstmals veröffentlichen Märchen der Brüder Grimm seien "oft sexistisch", sagte die Ministerin in dem Interview weiter. "Da gibt es selten eine positive Frauenfigur." Sie wolle deshalb neben Grimms Märchen auch auf andere Geschichten mit anderen Rollenbildern setzen. Und statt "der liebe Gott" könne man auch "das liebe Gott" sagen, der Artikel habe nichts zu bedeuten.

Und wie sollten Eltern mit dem Begriff "Neger" in den Kinderbüchern umgehen? Schröder schlägt vor, das "Negerbaby" Jim Knopf zu umschreiben: "Da lag ein kleines Baby mit schwarzer Hautfarbe. Und Pippis Vater ist eben der Südsee-König." Die Hautfarbe spiele in der Geschichte ja keine entscheidende Rolle.

"Südsee-König" - genauso heißt Efraim Langstrumpf übrigens in den jüngeren deutschsprachigen "Pippi"-Ausgaben: Die Erben der Autorin Astrid Lindgren hatten sich lange sprachbedingt gegen eine Änderung der Texte ausgesprochen, dem Verlag Friedrich Oetinger aber 2009 eine zeitgemäße Anpassung gestattet.

Zuletzt hatte etwa der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz für Aufsehen gesorgt, als er "Pippi Langstrumpf" als "mit Ressentiments befrachtet" bezeichnete, und in den Geschichten Kolonialrassismus sowie weißes Dominanzdenken ausmachte. Vorurteile aus Kinderbüchern "würden früh erlernt und eingeübt", zitierte ihn 2011 die "taz"; ein Beispiel sei Wolfgang Schäuble, der bei der ersten Islamkonferenz gestand, sein Islambild sei durch seine Karl-May-Lektüre geprägt.

feb

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