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Kritik an Islam-Kritikern: Dschihad im Feuilleton

Der mächtige "FAZ"-Feuilletonchef Patrick Bahners hat sein Ressort in einen Gefechtsstand für den gerechten Krieg gegen die Islamkritiker verwandelt. "SZ"-Feuilletonchef Thomas Steinfeld assistiert ihm dabei. Falsche Aufklärer unter sich, wieder einmal. Ein Debattenbeitrag von Matthias Matussek.

Islamische Gläubige in Mekka: Verstellung erlaubt? Zur Großansicht
DPA

Islamische Gläubige in Mekka: Verstellung erlaubt?

So dermaßen aus dem Häuschen habe ich lange keinen Kritiker mehr erlebt. Wie freute sich Thomas Steinfeld, Feuilletonchef der "Süddeutschen Zeitung", über Patrick Bahners, Feuilletonchef der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und sein Buch "Die Panikmacher"!

Schon in der Kopfzeile hauchte er: "Ein Meisterwerk der Aufklärung". Und er schließt seine Hymne mit den allerergriffensten Sätzen über den Autor Bahners: "Er prüft und denkt. Er ist allein, so wie das Denken immer allein ist. Aber welche Freude, dass es ihn gibt." Kerzenlicht, Streicher, Seufzen.

Hier müssen wir kurz unterbrechen. Also, so ganz allein ist er ja nicht, der Frankfurter Feuilleton-Häuptling, denn mit Steinfeld sind es schon zwei, die gegen den islamophoben Mainstream anschreiben und insbesondere die Sarrazin-Buch-Käufer niederstarren.

Moment, also mit Bundespräsident Christian Wulff ("Der Islam gehört zu Deutschland") schon drei. Ach ja, richtig, Innenminister Wolfgang Schäuble ("Der Islam ist Teil Deutschlands"), also vier. Langsam wird's voll. Und dann wäre da noch die Kanzlerin. Und die "Zeit" mit ihrer umfänglichen Sammlung an Sarrazin-Kritiken. Auch DER SPIEGEL, der eindeutig gegen Islamophobie Stellung bezogen hat.

Also jetzt mal die Kerzen auspusten, die Vorhänge aufziehen, was für ein Gedränge hier vorne, praktisch das gesamte politische und publizistische Establishment hat sich da versammelt, wie soll sich der tapfere Einzelkämpfer Patrick Bahners da noch konzentrieren bei dem Lärm?

Mahner werden zu Panikmachern gestempelt

Nun, er hat angefangen. Zwar nicht mit, so Steinfeld, "Pointen, die einen Saal zum Johlen bringen", aber doch schon mit aufgeblasenen Backen und dem großflächigen, ganzseitigen Schmähruf "Die Panikmacher". Ein Vorabdruck aus seinem Buch. In seinem eigenen Feuilleton.

Die Panikmacher sind, das wird schnell klar, nicht etwa die Verursacher von Panik, also Islamisten, die sich mit Sprengstoffladungen in New York, London oder Moskau inmitten von Menschenmengen in die Luft jagen, sondern diejenigen, die vor ihnen und der heiligen Mörderideologie, die sie beseelt, warnen.

Eine dieser Panikmacherinnen ist Ayaan Hirsi Ali, eine zarte und mutige Frau, der im Namen Allahs im Alter von fünf die Klitoris abgeschnitten und später im Koranunterricht wegen Unbotmäßigkeit der Schädel zerschlagen wurde. Sie hat den Absprung geschafft. Ein weiterer Panikmacher ist Henryk M. Broder, der jüdische Publizist, der etwas dagegen hat, dass Israel vom islamofaschistischen Menschenrechtsverächter Mahmud Ahmadinedschad von der Landkarte radiert wird. Eine weitere Panikmacherin wäre Necla Kelek, die türkische Frauenrechtlerin, die gegen die Scharia und das Islamverständnis der Ehrenmörder anschreibt.

Aufklärung ist für Steinfeld, wenn Steinfeld aufklärt

Hirsi Ali wird von Bahners mit dem Satz zitiert, dass der Islam nicht diskutiert, sondern bei abweichender Meinung doch eher tötet. Tötet, wie Mohammed Bouyeri, der Mörder des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh. Töten möchte wie das Scharia-Gericht im afghanischen Masar-i-Scharif den Journalisten Sajid Perwis Kambachsch wegen Gotteslästerung - das Urteil wurde schließlich in 20 Jahre Haft umgewandelt.

Sagen wir es so: Hirsi Alis Einwände gegen einen radikalen, Einspruch nicht duldenden Islam sind nicht ganz so sehr aus der Luft gegriffen, ebenso wenig wie viele der Argumente Broders oder Keleks, die vielleicht auch Bahners oder Steinfeld einfallen könnten, wenn sie wieder mal zwei Stunden vor Abflug wegen islamistischer Terrorgefahr ihre Zahnpastatuben in Klarsichthüllen durch den Sicherheitscheck tragen müssen, auf Socken, denn die Schuhe liegen auf dem Band.

Für Steinfeld jedoch sind die Exponenten der "sogenannten Islamkritik die 'schreibende Eingreiftruppe' einer falsch verstandenen Aufklärung", wobei er unter richtiger Aufklärung jetzt nicht die Security am Flughafen versteht, sondern das, was er selber betreibt, und das ist Gott sei dank nicht ganz so lebenswichtig.

Und Bahners, logisch, als Aufklärer an seiner Seite. Und erst mal vorweg.

Verzückt von der fixen Idee von der Verstellung

Eine der "fixen Ideen" der Islamkritik sei das "Prinzip der Taqiya im Islam", das die Verstellung erlaube. So reproduziere sie, die Islamkritik, "das Klischee des verschlagenen Orientalen". Dabei sind die Lehrmeinungen zur Taqyia so eindeutig nicht, weiß Bahners. Und sie ist auch eher eine Sache der Schiiten. Und sie darf nur angewendet werden, wenn die Wahrheit lebensbedrohlich wäre. Ach so!

Es ist beruhigend zu wissen, dass Allah dem gewöhnlichen Feld-Wald-und-Wüsten-Islamisten eine einfache Lüge im Verhör durch den Verfassungsschutz nicht durchgehen lässt, wenn er nicht glaubhaft mit dem Tod bedroht wird, womit Aufklärung - schon wieder! - im Umfeld verdächtiger Koranschulen und Moscheen kein Problem mehr sein dürfte. Die müssen die Wahrheit sagen, Leute!

Steinfeld ist einfach verzückt über Bahners kluge Aufklärungsarbeit, über seine Art, mit islamkritischen "Wahngebilden" zurechtzukommen. "Er behandelt diese Sätze, wie ein aufgeklärter Theologe mit den Dogmen einer Religion umgeht." Wohlgemerkt: Die Dogmatiker macht Steinfeld auf der Seite derjenigen aus, die den Religionsdogmatismus des Islam kritisieren.

Vorsorglicher Terror durch den Zentralstaat

Die Taqiya übrigens, die Erlaubnis zur Verstellung, ist nach Bahners, wie könnte es auch anders sein, den Katholiken wohl bekannt. Und zwar als "reservatio mentalis", als Gedankenvorbehalt, der es erlaubt, nach außen ein Versprechen so zweideutig zu formulieren, dass man es jederzeit brechen darf. Ziel ist es, seine eigentlichen Absichten zu tarnen.

Bahners will auf einen Analogieschluss hinaus. In dem von ihm zitierten "Meyers Konversationslexikon" wird unter der Überschrift "Wachsender Einfluss des Jesuitismus in der Gegenwart" die angeblich perfide Methode der Jesuiten zur Verstellung und Gehirnwäsche der Jugendlichen dann erläutert. Allerdings ist dieser Quatsch, das weiß Bahners sehr gut, unter den Bedingungen des preußischen Kulturkampfes gegen die Katholiken ersonnen worden. Er gehörte zur Propaganda einer völlig gegenstandslosen kulturpolitischen Hysterie.

Den Katholiken, nach Rom orientiert, war damals mangelnde Loyalität zum Reich vorgeworfen worden. Bismarck entzog der katholischen Kirche Rechte. In dem 1871 verabschiedeten Kanzelparagrafen wurde den Priestern verboten, in ihrem Beruf "den öffentlichen Frieden" zu gefährden. Über 1600 Geistliche wurden in den Folgejahren eingesperrt. Kirchengüter wurden konfisziert. Mit aller polizeilichen und propagandistischen Härte schlug der preußische Staat zu.

Und warum? Hatten die Katholiken Züge in die Luft gejagt, Menschenmengen bombardiert? Hatten sie die Machtergreifung angekündigt? Nicht die Bohne. All das war vorsorgliche Unterdrückung durch den Zentralstaat.

Will Bahners das im Ernst mit unserer freiheitlichen und überaus toleranten Situation vergleichen?

Dabei gibt es im Falle des Islam übrigens Terrorakte zu Dutzenden. Immer wieder auch werden Zellen aufgedeckt, die in Deutschland arbeiten. Es gibt Tote, überall in der Welt, und es gibt Reden wie diese, die der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hielt: "Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten."

Wenn wir schon die Taqiya bemühen, lieber Bahners, hier wird sie zum Drehbuch!

Später noch rief Erdogan seinen in Deutschland lebenden Landsleuten die Warnung zu, sich nicht assimilieren zu lassen. Mit anderen Worten: ihren Kampfauftrag nicht zu vergessen, der ebenso sehr ein Glaubenskampf wie ein politischer Kampf ist.

Eine deutlich ausgesprochene Drohung

Das ist keine eingebildete, sondern eine ausgesprochene Drohung, und sie wird als solche auch in den sattsam bekannten Brennpunkten unserer Städte verstanden, ob in Neukölln oder Duisburg-Marxlohe oder den Salafisten-Versammlungen in Mönchengladbach, wo diejenigen, die da wohnen, schlichtweg Angst bekommen.

Ist es nicht von maßloser Arroganz, wie Steinfeld diesen Menschen zuzurufen, sie hätten ein falsches Bewusstsein? Ist es nicht pompöser Unfug, angesichts der islamistischen Großwetterlage diejenigen, die auf der Einhaltung von Menschenrechten auch im religiösen Raum bestehen, als "schreibende Eingreiftruppe" zu denunzieren?

Ja, ist es nicht geradezu makaber, wie Bahners aus dem gepolsterten Sessel eines Feuilletonisten heraus einer Frau wie Hirsi Ali mit ihrer Leidensgeschichte die leidenschaftliche Absage an jene Religion vorzuwerfen, die sie verkrüppelt hat? Hat man so von oben herab eigentlich auch katholische Missbrauchsopfer behandelt?

Unsere Feuilleton-"Aufklärer" nehmen an ihren Gegnern einen Zeichenwechsel vor, der magischer nicht sein könnte. Sie machen aus demokratischen Kritikern am Islam Gotteskrieger. Um Bahners zu zitieren: Der Krieg, den die Islamkritik führt, muss mit einem Sieg zu Ende gehen, dem vollständigen Sieg der einen Partei oder der anderen.

Mit Worten gegen Sprengstoff

Nun, Hirsi Ali und Broder und Kelek sind hochgerüstet: Ihre Waffe ist das Wort. Ihre Gegner verfügen über Sprengstoff. Eigentlich doch spannend zu erleben, welchem der beiden Lager sich unsere Feuilleton-Aufklärer zuordnen.

Am Tag nach Bahners Kampfruf übrigens stand ein sehr nachdenklicher Artikel im gleichen Feuilleton über den islamischen Rechtsgelehrten Tariq al-Bishri, der an der neuen ägyptischen Verfassung, die die Scharia fixieren wird, mitarbeitet. Tariq al-Bishri ist ein Freund Irans, weil Teheran sich der "Aggression" Israels widersetze.

Letzter zweifelnder Satz des Autors Joseph Croitoru: "An solche Prioritäten wird man sich im Westen wohl gewöhnen müssen."

Ist das jetzt schon Panikmache?

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 504 Beiträge
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    Seite 1    
1. Qed
hi-there 19.02.2011
Genial! Mich würde wirklich interessieren, wie Herr Bahners da seine Position noch verteidigen will/kann.
2. Inkompatibel mit dem deutschen Grundrecht
MaarDuk, 19.02.2011
Eine Religion, die übergeordnete, durch unser Grundrecht garantierte Menschenrechte leugnet, darf sich nicht im selben Atemzug auf das Grundrecht der Religionsfreiheit berufen. Die Ausübung solch einer Religion auf deutschem Rechtsgebiet gehört daher durch das Verfassungsgericht verboten. Basta.
3. Gut geschriebener Artikel
anonym07 19.02.2011
Es wird Zeit, dass von der Regierung und Bevoelkerung mehr gegen den extremistischen fundamentalistischen Islam unternommen wird. # Wieso werden die Aengste der Bevoelkerung in Deutschland nicht ernst genommen? Wieso werden Islam-Kritiker oft als Rassisten / Nazis hingestellt? Gibt es etwa keine berechtigte Islamkritik? Das ist alles in allem eine Beleidiung der Gewaltopfer und Verachtung der Meinung der eigenen Bevoelkerung! # Wie kann es sein, dass ein auslaendischer Regierungschef wie Erdogan ungestraft eine solche (wie im Artikel beschriebene) Hassrede in Deutschland halten darf? Ich moechte mal sehen was passiert, wenn Angela Merkel in der Tuerkei oder im Iran eine aehnliche Rede, allerdings unter anderen, naemlich christlichen Vorzeichen haelt.
4. Es sind immer Menschen!
suchbuddha 19.02.2011
Es sind nicht Religionen, die Menschen verkrüppeln und auch keine Religionen, die Menschen verurteilen oder töten ... sondern die Menschen! Es geht um Kultur und Aufklärung, nicht um Religion. Hätte dieser Kulturraum eine andere Religion zur Grundlage, so würde diese ebenso drastisch ausgelegt, wie z.Z. der Islam (der ja erst etwa 1400 Jahre jung ist) und wie einst das Chritentum. Wußten sie z.B. das man als gläubiger Muslim an Jesus glauben muß! Jesus ist ein Prophet des Islam ... auch wenn das vielen engstirnigen Christen unbehaglich erscheinen mag. Und alle Versuche einen Keil zwischen zwei Gesellschaften oder Religionen zu Treiben, sind Zeichen von Dummheit und Intoleranz! Und wenn zwei Journalisten der Meinung sind, sie müßten sich öffentlich eine Schlammschlacht über zwei Religionen/Gesellschaften liefern, von denen sie voraussichtlich beide zu wenig verstehen, dann sollen sie das tun ... den Leser interessiert das recht wenig!
5. Danke.
Pandora 19.02.2011
Zitat von sysopDer mächtige "FAZ"-Feuilletonchef Patrick Bahners hat sein Ressort in einen Gefechtsstand für den gerechten Krieg gegen die Islamkritiker verwandelt. "SZ"-Feuilletonchef Thomas Steinfeld assistiert ihm dabei. Falsche Aufklärer unter sich, wieder einmal. Ein Debattenbeitrag von Matthias Matussek. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,746473,00.html
Danke für diese klaren Worte. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
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