Preis der Leipziger Buchmesse Literaturpreis für Guntram Vesper

Eine Chronik über eine sächsische Kleinstadt, tausend Seiten stark, gewinnt den Leipziger Buchpreis. Guntram Vesper wird für "Frohburg" ausgezeichnet, erschienen in einem Kleinverlag.

Guntram Vesper
Volker Poland/ Schöffling

Guntram Vesper


37 Kilometer von Leipzig entfernt liegt Frohburg, die sächsische Kleinstadt, in der Guntram Vesper 1941 geboren wurde. Nun hat der Schriftsteller für seinen 1008 Seiten starken Roman "Frohburg" den Literaturpreis der Leipziger Buchmesse gewonnen. Er wurde am Donnerstagnachmittag bei der dortigen Buchmesse ausgezeichnet.

Guntram Vesper bezeichnete das Buch in einer Autorenvorstellung am Vormittag als "endloses Zwiegespräch zwischen mir und den Fakten". Vesper verließ mit seiner Familie nach dem Ungarnaufstand 1957 das reale Frohburg, lebt seit Jahren in Göttingen.

Schon vor 30 Jahren veröffentlichte er einen Band unter dem Titel "Frohburg", damals allerdings eher kleine Formen, was bisher typisch für den vor allem als Lyriker bekannt gewordenen Vesper. Dass er nun im hohen Alter zur langen Form gefunden habe, verdanke er dem E-Mail-Schreiben, so Vesper bei der Vorstellung. 2009 habe er das Schreiben und Bearbeiten von Texten am Computer für sich entdeckt.

Die Jury würdigte Vespers Liebe zum Detail in seiner opulenten Chronik der Stadt Frohburg und seine hohe Sensibilität für Ost-West-Phänomene. Assoziativ springt er vom Schauspieler Will Quadflieg zum Kofferradio seiner Kindheit, legt Erinnerungsschichten frei und schreckt auch nicht vor ganz aktuellen Anspielungen an die sächsische Provinz zurück. Auf der Messebühne fand er nur wenige Worte: "Vielen Dank."

Mit ihm nominiert waren Heinz Strunk mit "Der goldene Handschuh", Roland Schimmelpfennig mit "An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts", Nis-Momme Stockmann mit "Der Fuchs" und Marion Poschmann mit "Geliehene Landschaften".

Sachbuchpreis für Weltumsegler-Biografie

Eine Besonderheit des Preises der Leipziger Buchmesse ist, dass er seit seiner Einführung 2005 auch in den Kategorien "Sachbuch/Essayistik" und "Übersetzung" verliehen wird.

In der Kategorie "Sachbuch/Essayistik" ging der Preis an Jürgen Goldstein. Der Professor für Philosophie an der Universität Koblenz-Landau schrieb eine Studie über Georg Forster. Forster umsegelte mit James Cook die Welt und rief 1793 in Mainz die erste Republik in Deutschland aus. Goldsteins Buch handelt von Naturbegriffen im Zusammenspiel mit der Revolution. Forster selbst bewegte sich innerhalb seines kurzen Lebens - noch nicht mal 40 Jahre - von der Euphorie zur Ernüchterung.

Die nominierten Titel in der "Sachbuch"-Kategorie handelten von so unterschiedlichen Themen wie der Soziologie des Restaurants (Christoph Ribbat), dem Verhältnis zwischen Pferden und Menschen (Ulrich Raulff, der den Preis schon 2010 gewann für sein Stefan-George-Buch), dem Maler Adolph Menzel (Werner Busch) sowie der Klimakrise (Hans Joachim Schellnhuber).

Den Preis für die beste Übersetzung gewann Brigitte Döbert, die den "literarischen Achttausender" (Laudator Burkhard Müller) "Die Tutoren" von Bora Cosic aus dem Serbischen übersetzte. Lange Teile des Romans sind in Reimen geschrieben, eine besondere Herausforderung für literarische Übersetzer.

Damit gingen zwei der drei Preise (Literatur und Übersetzung) an den Frankfurter Kleinverlag Schöffling & Co. Und auch beim dritten gingen die Großverlage leer aus: Das prämierte Sachbuch erschien bei Matthes & Seitz, zuletzt auch für Frank Witzels Roman bei der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet.

feb/ipp

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