Leipziger Buchmesse Die 20 wichtigsten Romane des Frühjahrs

Kiffer im Weltall, Deutsche am Hindukusch: Zum Auftakt der Leipziger Buchmesse stellen wir Ihnen 20 Bücher vor, die uns begeistern oder ärgern, unterhalten oder erschrecken - und sogar die Welt besser verstehen lassen.

Marina Keegan: "Herzlichen Glückwunsch, aber ihr kotzt mich an"
Keegan/ S. Fischer

Marina Keegan: "Herzlichen Glückwunsch, aber ihr kotzt mich an"


Martin Suters neuer Roman "Montecristo" spielt in der Welt der Banken, es droht eine Finanzkrise, die alle zuvor dagewesenen in den Schatten stellen könnte. Doch selbst die Strippenzieher der Schweizer Geldhäuser, die in diesem Buch beschrieben werden, dürften über derartige Wachstumsmargen jubeln: Im deutschen Buchhandel verzeichnete der Thriller laut "Buchreport" ein Umsatzwachstum von 1141,7 Prozent, schoss an die Spitze der SPIEGEL-Bestsellerliste - und löste nach einem Zwischenspiel von Kiera Cass' "Selection", einer unfreiwillig parabelhaften Operette aus der Wagenburg der Wohlstandsgesellschaften, das meist diskutierte Buch des Frühjahrs ab: "Unterwerfung" von Michel Houellebecq.

Nach den Anschlägen in Paris hatte Houellebecqs Roman eine gespenstische Aktualität erlangt. Er ist nur einer von vielen Romanen in diesem Frühjahr, die gesellschaftspolitisch aktuell sind.

Leif Randt erzählt in "Planet Magnon" von einem anderen Sonnensystem - und dürfte doch den saturierten Westen meinen. Norbert Scheuer schreibt in "Die Sprache der Vögel" über einen Sanitätsgefreiten der Bundeswehr - der ist in Afghanistan auf der Flucht vor sich selbst.

Und dann sind da, präsenter als in den vergangenen Jahren, wieder die US-amerikanischen Autoren - die jüngste von ihnen, Marina Keegan, wurde für ihr Debüt "Das Gegenteil von Einsamkeit" in den USA gefeiert. Sie hat den Erfolg des Bands mit autobiografischen Geschichten und Essays nicht erlebt. Mit 22 Jahren starb sie bei einem Autounfall.

Mehr lesen Sie unten, in unserem Überblick.

sha

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Die 20 wichtigsten Romane im Frühjahr 2015

Wie Polo sich aus dem Proletenmilieu freistrampelt: In "Mein Vater ist Putzfrau" erzählt Saphia Azzeddine mit viel Situationskomik von einem Jugendlichen aus der Pariser Banlieue. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Kiffer im Weltall: In "Planet Magnon" erzählt Leif Randt von einem Sonnensystem des Wohlstands und der unterdrückten Gefühle - eine faszinierende Allegorie auf die emotionale Unterkühlung des Westens. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Das eigene Unglück wird am Hindukusch bekämpft: In "Die Sprache der Vögel" erzählt Norbert Scheuer von einem Sanitätsgefreiten. Den hat die Flucht vor sich selbst nach Afghanistan geführt. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Zur Waffen-SS oder zur rumänischen Armee? Ursula Ackrill erzählt in ihrem Roman "Zeiden, im Januar" von Siebenbürgen in der NS-Zeit. Ihr Roman ist die Überraschung auf der Shortlist des Leipziger Buchpreises. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Verschwörungstheoretiker werden an Martin Suters "Montecristo" ihre Freude haben: Ein Journalist deckt einen Bankenskandal auf - und gerät selbst ins Visier mächtiger Hintermänner. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Rainer Maria Rilke als die Drama-Queen des Jahres 1905? Klaus Modicks historischer Roman "Konzert ohne Dichter" steigt in der SPIEGEL-Bestsellerliste auf Platz sechs ein. Wir beantworten die entscheidende Frage: Und das soll ich lesen? Lesen Sie hier unsere Rezension.

"Stoner" war die Wiederentdeckung der vergangenen Jahre, jetzt gibt es die nächste Neuauflage von John Williams: "Butcher's Crossing" lässt die Welt der Büffeljäger aufleben. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Mit dem Flow eines guten Films: Rachel Kushner, in den USA gefeiert, erzählt in "Flammenwerfer" mitreißend von einer Heldin, für die das Leben wie ein Kunstwerk ist. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Israels berühmtester Schriftsteller erzählt vom Verrat als kreativem Prozess: Amos Oz' "Judas" kann auch als Anregung gelesen werden, sich im Nahost-Friedensprozess von eingefahrenen Denkmustern zu lösen. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Echte Kerle sind hart im Nehmen, prügeln sich, saufen - und verachten Schwule: In "Das Ende von Eddy" erzählt Édouard Louis herzzerreißend von den Geschlechterrollen im Hinterland. In Frankreich ist das Buch ein Riesenerfolg. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Ein verliebter Student wird zum Ziel einer RAF-Intrige - weil sein Onkel Nazi-Täter war: In "Das Lächeln der Alligatoren" erzählt Michael Wildenhain vielschichtig vom Terrorismus in den Siebzigern. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Wie ein Boxer auf Speed: Mit "Perfidia" beginnt James Ellroy ein Epos von Gier und Grausamkeit - ein höllischer Spaß auf 940 Seiten. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Ein Plädoyer fürs Scheitern: Mit "Das Gegenteil von Einsamkeit" gelang Marina Keegan ein Porträt ihrer Generation - sie wurde in den USA gefeiert, hat diesen Erfolg aber nicht erlebt. Mit 22 Jahren starb sie bei einem Unfall. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Molly Antopol erzählt in "Die Unamerikanischen" von anti-kommunistischer Paranoia, dem heutigen Israel - und davon, wie die Abgründe des 20. Jahrhunderts unser Familienleben prägen. Lesen Sie hier unsere Rezension.

In seinem Familienepos "Wir sind nicht wir" erzählt Matthew Thomas die Geschichte seines Vaters, der früh an Demenz erkrankte. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Unterschwellig tobender Liebeskrieg: Stephan Thome, erfolgreicher Meister des Beziehungsromans, erzählt in "Gegenspiel" sein rheinisch-portugiesisches Ehedrama fort - diesmal aus der Sicht der Frau. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Bevor Boko Haram für Angst und Schrecken sorgt: Der New Yorker Teju Cole reiste für "Jeder Tag gehört dem Dieb" nach Nigeria und fand ein Land, das zermürbt ist von sich selbst. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Der preisgekrönte Bestseller-Autor Arno Geiger hat einen steifen Studenten zum Helden seines neuen Romans "Selbstporträt mit Flusspferd" gemacht. Der lernt, nachdem sich seine Freundin von ihm getrennt hat, die aufregende Aiko kennen. Lesen Sie hier unsere Rezension.

"Old Nobody" auf Odyssee durch das Berliner Nachtleben: Jochen Distelmeyer, gefeierter Songschreiber der Band Blumfeld, veröffentlicht seinen Debütroman "Otis". Viel hat er mitzuteilen. Nur wenig zu sagen. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Michel Houellebecqs neuer Roman "Unterwerfung" ist nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" das Buch der Stunde. Ein Schreckensszenario von einer islamischen Herrschaft über Frankreich aber zeichnet es nicht. Lesen Sie hier unsere Rezension.

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Walter Sobchak 12.03.2015
1.
komisch, dass zu Romanen mit einem Foto einer attraktiven Autorin statt eines Buches aufgemacht wird.
spon-facebook-10000208187 17.03.2015
2.
@Walter Sobchak: Das ist das fürs Cover verwendete Foto (zumindest das der amerikanischen Ausgabe) ... Außerdem ist es hier durchaus relevant, da das Buch überhaupt erst veröffentlicht wurde, weil Marina Keegan so jung gestorben ist.
chrissie 18.03.2015
3. Montechristo ist
eine ziemlich simple, sprachlich einfach gestrickte Verschwörungsschmonzette, leidlich spannend und gut an einem langen Nachmittag oder Abend zu lesen, mehr nicht. Wenn solche banalen Produkte bei den 20 "wichtigsten" Romanen des Frühjahrs auftauchen, kann ich das (und den Rest) nicht ernst nehmen.
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