Sibylle Lewitscharoff Büchner-Preisträgerin hält Skandalrede zu künstlicher Befruchtung

Ein Vortrag von Sibylle Lewitscharoff schlägt hohe Wellen. Die Büchner-Preisträgerin geißelt künstliche Befruchtung als "absolut widerwärtig" und sympathisiert mit einem Onanieverbot. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Skandalrede im Wortlaut.

Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff: Ein Onanieverbot hält sie für "weise"
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Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff: Ein Onanieverbot hält sie für "weise"


Hamburg/Dresden - Die renommierte Veranstaltungsreihe "Dresdner Reden" im Schauspielhaus der Elbmetropole lädt gerne kritische Geister ein - zuletzt waren etwa Roger Willemsen oder Heribert Prantl zu Gast. Und natürlich freuen sich die Veranstalter auch, wenn zugespitzte Formulierungen das Publikum aus der sonntagvormittäglichen Gemütlichkeit reißen. Bei einigen der wohlgesetzten und mit rollendem R vorgetragenen Sentenzen allerdings, die Sibylle Lewitscharoff in ihrer Rede am 2. März brachte, stockte dem Publikum im Dresdner Schauspielhaus der Atem.

Hatte die hochdekorierte Autorin tatsächlich gerade die pränatale Diagnostik zum Horror erklärt und Fortpflanzungsmediziner als "Frau Doktor und Herr Doktor Frankenstein" bezeichnet? Hält sie ein Onanieverbot allen Ernstes für "weise"? Hatte sie wirklich das "gegenwärtige Fortpflanzungsgemurkse" verglichen mit den "Kopulationsheime(n), welche die Nationalsozialisten einst eingerichtet haben, um blonde Frauen mit dem Samen von blonden, blauäugigen SS-Männern zu versorgen"? Hatte sie gar ihre "Abscheu" vor den "Halbwesen" kundgetan, die aus künstlicher Befruchtung entstehen?

In der Tat, sie hatte. In der Rede mit dem Titel "Von der Machbarkeit. Die wissenschaftliche Bestimmung über Geburt und Tod" heißt es über die Kinder, die mit Hilfe moderner Reproduktionsmethoden geboren werden: "Nicht ganz echt sind sie in meinen Augen, sondern zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas."

Der Chefdramaturg distanziert sich von der Rede

Den Veranstaltern selbst stießen diese Worte so heftig auf, dass sie sich öffentlich von der Rede distanzierten. In einem Offenen Brief wirft der Chefdramaturg des Staatsschauspiels Dresden Robert Koall der Büchnerpreisträgerin gefährliche Stimmungsmache und indirekt die Verletzung der Menschenwürde vor. "Eine der meistbeachteten deutschen Schriftstellerinnen pflegt öffentlich ein Menschenbild, das Verklemmung mit Verachtung paart. Ein beängstigendes Menschenbild", heißt es in dem Text. Er verletze lieber die guten Sitten und Gebräuche der Gastgeberschaft, als ihr nicht zu widersprechen, so Koall.

"Halbwesen. Widerwärtig. Abscheulich. Abartig. Man muss sehr viel Selbstbeherrschung aufbringen, um sich vom Sprachduktus nicht an Zeiten erinnert zu fühlen, in denen eine solche Wortwahl dazu diente, die Würde von Menschen antastbar zu machen." Koall setzte die Dresdner Rede von Lewitscharoff in einen Zusammenhang mit einer rechtspopulistischen "Stimmungsmache", wie sie etwa durch die Thesen von Thilo Sarrazin geschehe oder den Artikel des Ex-SPIEGEL-Journalisten Matthias Matussek, in dem er sein "privates Unbehagen gegenüber Schwulen" öffentlich gemacht habe. All das befördere "einen schleichenden Klimawandel in der Gesellschaft", so Koall.

SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Dresdner Rede von Sibylle Lewitscharoff im Folgenden in voller Länge. Als Audiodatei ist sie auf der Website des Dresdner Staatsschauspiels abrufbar.

twi/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 199 Beiträge
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felisconcolor 06.03.2014
1. warum bietet man solchen Menschen
immer noch eine Bühne. Sicher ist die Meinungsfreiheit ein hohes Gut. Aber man hätte die gute Dame schon während ihres Vortrages fragen sollen, ob sie ihr Geschwurbel wirklich ernst meint. Und dann dementsprechend handeln.
mima59 06.03.2014
2. Preis....
aberkennen. Und einfach nicht mehr einladen. Diese ewig Gestrigen sind wirklich ein unerträgliches Übel und das unter dem Deckmantel der Intellektualität. So ein Verhalten muss sanktioniert werden.
noalk 06.03.2014
3. Wo ist der Skandal?
Wer ist Sibylle Lewitscharoff? Eine Schriftstellerin, Lyrikerin. Nix weiter. Keine moralische Instanz, niemand, auf den man hören sollen müsste. Jetzt hat sie unsäglichen Quatsch geredet. Und ist damit denen auf den Schlips getreten, die sie vorher hoffiert und mit Preisen überhäuft haben. Und: Oh weh, die hehre Kunst ist auch nicht frei von Gedankenträgern, die von ihr so gerne gegeißelt werden. Halt wie in anderen Bevölkerungskreisen auch.
blasphemiker 06.03.2014
4. .
Anscheinend sehnt sich die Dame nach Aufmerksamkeit, da hilft ein wenig unqualifizierte Gesellschaftskritik, wahnsinnige Thesen und der obligatorische Nazivergleich.
HerrStahl 06.03.2014
5. Sack Reis
Der Preis interessiert niemanden. Die Frau interessiert niemanden. Ihre Meinung interessiert niemanden. Und hohe Wellen gab's zuletzt höchstens im Wellenbad. Ich liebe es wenn ein paar Pseudo-Intellektuelle, Preisträger- und Vergeber von irgendwelchen Preisen, die jedes Jahr dutzendweise vergeben werden aber ausser den Beteiligten niemanden kümmern, und die Medien aus so etwas eine Art Skandal machen wollen.
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