Literarisches Quartett Extra-Runde für Thomas Mann

Das "Literarische Quartett" kommt nur noch zusammen, wenn es sich richtig lohnt: Nach der Sonderausgabe zum 200. Todestag Schillers wird am 17. August eine Sendung zu Ehren Thomas Manns ausgestrahlt. Zum 50. Todestag des Riesen war dies der Wunsch seines größten Fans: Marcel Reich-Ranicki.


Mainz - Nach der Wiederbelebung des "Literarischen Quartetts" zum 200. Todestag von Friedrich Schiller trifft sich die Literaturrunde noch einmal zum 50. Todestag von Thomas Mann (1875-1955): Der Doyen der Sendung, Marcel Reich-Ranicki, wird zusammen mit seinen Mitstreitern Hellmuth Karasek und Iris Radisch sowie dem Lyriker Robert Gernhardt am 17. August (22.15 Uhr, ZDF) in Travemünde gastieren, dem von Mann so überaus geschätzten Lübecker Badeort. Das Quartett werde seine Lieblingserzählungen aus dem Werk Thomas Manns vorstellen und diskutieren, teilte das ZDF in Mainz mit.

Eine regelmäßige Wiederbelebung der Sendung kann sich Reich-Ranicki allerdings nicht vorstellen, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur ddp in Frankfurt am Main.

Im nächsten Jahr gebe es jedoch zwei große Jubiläen: der 150. Todestag von Heinrich Heine im Februar und der 50. Todestag von Bertolt Brecht im August. Es wäre sehr schön, hierzu "Quartette" zu machen, betonte der 85-Jährige. Lust dazu hätte er, auch diese beiden Autoren seien etwas Besonderes für ihn. Schon die Runde über Schiller habe allen Beteiligten so viel Spaß gemacht, dass die Idee aufgekommen sei, zum 50. Todestag von Mann am 12. August das "Quartett" noch einmal aufzulegen.

Die lebhafte Buchbesprechungs-Show war in den Jahren 1988 bis 2001 die wohl meist diskutierte Literatursendung des deutschen Fernsehens. In 13 Jahren und 77 Sendungen wurden über 400 Neuerscheinungen besprochen.

Reich-Ranicki, der kürzlich seinen 85. Geburtstag feierte, hob die Sendung aus der Taufe, als er, 68-jährig, bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" aufgehört hatte. In all den Jahren ihrer viel beachteten Ausstrahlung blieb neben kräftigen Verrissen und wortreichen Lobeshymnen auch ein Zerwürfnis in Erinnerung. In einer heißen Sommersendung im Jahre 2000 gerieten der Literaturpapst und sein weibliches Pendant aus Österreich, Sigrid Löffler, vor laufenden Kameras heftig aneinander.

Der Streit entbrannte über das Werk "Gefährliche Geliebte" des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami. Löffler erkannte darin "literarisches Fastfood", eine Einschätzung, die Reich-Ranicki angeblich vorausgeahnt hatte und darum für einen weiteren Beleg hielt, dass Löffler mit erotischen Büchern nichts anzufangen wisse: "Sie können die Liebe im Roman nicht ertragen", hatte der Starrezensent damals geschimpft. Löffler stellte ihren Kontrahenten daraufhin als eine Art Lustgreis dar. In Interviews wurde der Riss später noch vertieft, bis die Kritikerin die Runde verließ und die monatlich erscheinende Fachzeitschrift "Literaturen" gründete.



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