Literatur-Auszeichnung: Deutscher Buchpreis für Eugen Ruge

Gegen starke weibliche Konkurrenz konnte sich am Ende doch ein Mann durchsetzen: Eugen Ruge ist für sein DDR-Familienepos "In Zeiten des abnehmenden Lichts" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. Die Jury lobte die raffinierte Komposition des Romans - und seine Komik.

Frankfurt/Main - Der Deutsche Buchpreis geht an Eugen Ruge. Diese Entscheidung der siebenköpfigen Jury hat am Montagabend im Kaisersaal des Frankfurter Römers die Jury-Sprecherin Maike Albath bekannt gegeben. In seinem Debütroman gelinge es dem 57-Jährigen, "die Erfahrungen von vier Generationen über fünfzig Jahre hinweg in einer dramaturgisch raffinierten Komposition zu bändigen", heißt es in der Begründung der Jury. Damit wurde zum zweiten Mal ein Buch über die untergehende DDR zur besten literarischen Neuerscheinung des Jahres gekürt. Uwe Tellkamp hatte 2008 für seinen in Dresden vor der Wende angesiedelten Roman "Der Turm" die Auszeichnung erhalten.

Ruges Buch "erzählt von der Utopie des Sozialismus, dem Preis, den sie dem Einzelnen abverlangt, und ihrem allmählichen Verlöschen", heißt es in der Begründung der Jury weiter. "Zugleich zeichnet sich sein Roman durch große Unterhaltsamkeit und einen starken Sinn für Komik aus." Ruge setzte sich im Finale gegen fünf Mitkonkurrenten durch. Eine Dankesrede hatte er nicht vorbereitet: "Da bin ich zu abergläubisch", sagte der Schriftsteller, als er die Auszeichnung erhielt.

Im Wettbewerb um den Preis für die beste literarische Neuerscheinung setzte sich Ruge gegen fünf Mitbewerber von der sogenannten Shortlist durch. Der Gewinner erhält 25.000 Euro, die anderen Finalisten bekommen jeweils 2500 Euro. Für die Shortlist waren in diesem Jahr nominiert: Jan Brandt mit dem Buch "Gegen die Welt" (DuMont), Eugen Ruges Roman mit "In Zeiten des abnehmenden Lichts" (Rowohlt), Michael Buselmeier mit "Wunsiedel" (Das Wunderhorn), Angelika Klüssendorf mit dem Roman "Das Mädchen" (Kiepenheuer & Witsch), "Blumenberg" von Sibylle Lewitscharoff (Suhrkamp) und "Die Schmerzmacherin" von Marlene Streeruwitz (S. Fischer).

Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Er kürt alljährlich "den besten Roman in deutscher Sprache". Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen Titel einreichen. Eine mit Kritikern besetzte siebenköpfige Jury wählt zunächst 20 Titel für die sogenannte Longlist aus. Später wird die Auswahl auf die Shortlist von sechs Titeln verkürzt. Der Sieger wird immer am Vorabend der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben. Die Jury wird jedes Jahr von einer Akademie, der Vertreter aus der Medien- und Buchbranche angehören, neugewählt.

Frühere Preisträger des Deutschen Buchpreises waren Melinda Nadj Abonji ("Tauben fliegen auf", 2010), Kathrin Schmidt ("Du stirbst nicht", 2009), Uwe Tellkamp ("Der Turm", 2008), Julia Franck ("Die Mittagsfrau", 2007), Katharina Hacker ("Die Habenichtse", 2006) und Arno Geiger ("Es geht uns gut", 2005).

feb/dpa

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1. Was soll die blöde Formulierung=
synoptiker 10.10.2011
Gegen starke weibliche Konkurrenz konnte sich am Ende doch ein Mann durchsetzen. Da hat sich niemand durchgesetzt, er hat wie alle anderen auf die Entscheidung der Jury gewartet. Typisch für die deutsche Szene ist, dass ein Thema gewinnt, das weit in der Vergangenheit liegt und eigentlich schon abgegessen ist. Da hat weder Autor noch Lektor noch Verlag noch Jury was riskiert. Gähn oder kotz ist hier die Frage, aber nein, es darf ja gelacht werden. Also kichter, lach gröl, schulterklopf und wieher!
2. Immer noch kein Titel
garfield 10.10.2011
Zitat von sysopGegen starke weibliche Konkurrenz konnte sich am Ende doch ein Mann durchsetzen: Eugen Ruge ist für seinen Familienepos "In Zeiten des abnehmenden Lichts" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,791038,00.html
"Die DDR war nie schön für mich." Na, für diesen Satz musste es doch den Buchpreis geben. War klar, dass sich die Schreiberlinge draufstürzen. Da hat man doch endlich was, was man einem Ossi vorhalten kann, der es jetzt noch wagt, zu behaupten, er wäre nicht mit ständig gesenktem Kopf durch sein voriges Leben geschlichen. Dass man in der DDR lachte und feierte habe ich schon immer für ein Gerücht gehalten. *Ironie aus*
3. Glückwunsch
Scandal 10.10.2011
Man muss die Jury beglückwünschen. Von allen Titeln der Shortlist haben sie tatsächlich den einzigen ausgewählt, der nicht eine Spur Originalität enthält, stattdessen altbekanntes Land abgrast. Und man mag ja von Tellkamp halten was man möchte, aber seine literarischen Fähigkeiten lassen den Herrn Ruge dann doch ziemlich blass aussehen. Aber schön, dass man sich treu bleibt und Werke auszeichnet, die zwar ambitioniert, aber sonderlich inspiriert noch nachhaltig sind.
4. ti
sverris 10.10.2011
Man darf dabei nicht vergessen, was der Deutsche Buchpreis ist: einer der Verlagswirtschaft... Und DDR ist nochimmer die aktuelle große Welle. Und, wie meist bei Preisen, muss die Jury einen Kompromiss finden: auch das hat Auswirkungen. Was natürlich nicht per se gegen den Gewinner und sein Buch spricht...
5. War das vorhersehbar?
guthuhn 10.10.2011
Beim deutschen Buchpreis hat mal wieder ein Roman über Deutsche Geschichte, mal wieder ein Roman über eine Familie und wie dieses zusammen hängt. Das hatten wir doch nun schon mehrfach. Vielleicht auch deshalb vorhersehbar, wurde z.B. von den Seitenspinnern schon am 20.9. angekündigt: http://seitenspinner.wordpress.com/2011/09/20/deutscher-buchpreis-unser-tipp/
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